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2. Garnison-Lazarett

Obj.-Dok.-Nr.: 09055132
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Metzplatz
Hausnummer: 2
Strasse: Albrechtstraße
Hausnummer: 128 & 129 & 130 & 131
Strasse: Colditzstraße
Hausnummer: 2 & 4 & 6 & 8 & 10 & 12 & 14 & 16 & 18 & 20
Strasse: Friedrich-Wilhelm-Straße
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 4 & 5
Strasse: Wenckebachstraße
Hausnummer: 23
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Militäreinrichtung & Krankenhaus
Datierung: 1875-um 1878
Entwurf: Gropius & Schmieden (Architektensozietät)

Zwischen Albrechtstraße und Ordensmeisterstraße erstreckt sich ein gründerzeitliches Wohnviertel, dessen Straßenraster auf den Bebauungsplan von 1872 zurückgeht. In der Achse der Kaiserin-Augusta-Straße ist der kreisrunde Metzplatz ausgebildet, an dem der Haupteingang zum 1875-78 erbauten 2. Garnison-Lazarett liegt. (1) Das heutige Wenckebach-Krankenhaus umfasst die Grundstücke Wenckebachstraße 23, Albrechtstraße 128-131, Colditzstraße 2/20 und Friedrich-Wilhelm-Straße 1-5, die 1874 in den Besitz des Militärfiskus übergegangen waren. Der Standort entsprach den Erwartungen des Kriegsministeriums, das ein außerhalb der Stadt gelegenes, aber verkehrstechnisch gut erschlossenes Gelände zum Bau eines weiteren Lazaretts in Berlin - nach dem in der Scharnhorststraße - suchte. Durch Anschluss an die Berliner Pferdebahn konnten die erkrankten und verletzten Soldaten mit eigens eingerichteten Pferdebahnwagen zum Lazarett gebracht werden.

Die von Martin Gropius und Heino Schmieden entworfene axialsymmetrische Anlage macht die im 19. Jahrhundert geführten Auseinandersetzungen über typologische Grundsatzfragen des Krankenhausbaus sichtbar. Das Kriegsministerium lehnte, den Bedürfnissen der Militärkrankenpflege Rechnung tragend, den Pavillontyp ab, den Martin Gropius und Heino Schmieden für das 1866-68 erbaute Städtische Krankenhaus Friedrichshain entwickelt hatten. Stattdessen wurde erstmals ein kombiniertes Block- und Pavillonsystem ausgeführt. Im Zentrum der parkartigen Anlage sind vier zweistöckige Krankenblocks angeordnet, die durch einen gedeckten Gang mit dem in der Mittelachse errichteten Ökonomiegebäude verbunden sind. Der über dem Mittelrisalit des Ökonomiegebäudes aufragende Turm ist der architektonische Mittelpunkt der Anlage. Der 21 Meter hohe Turmblock umkleidet den Schornstein der Dampfkesselanlage, enthält einen Wasserbehälter und trägt die unter großen Rundbogenblenden angebrachten Zifferblätter der Anstaltsuhr. Die Pavillons wurden nur als Isolierstationen verwendet. Von den drei einstöckigen Pavillons hinter dem Ökonomiegebäude ist nur der südliche erhalten. Die Mittelachse des lang gestreckten Gebäudes ist durch einen Dreiecksgiebel akzentuiert. Den am Metzplatz gelegenen Haupteingang markierten die Architekten durch zwei Torbauten. Links ist die Wache zu sehen, rechts das frühere Depot der Pferdebahn. Der dahinter liegende Vorplatz wird vom dreistöckigen Verwaltungsgebäude begrenzt. Am westlichen Rand des Grundstücks ordneten die Architekten zwei doppelgeschossige Aufnahmepavillons an. Das Dienstwohngebäude für Beamte im nördlichen Bereich, an der Albrechtstraße, wurde 1904 im angeglichenen Stil durch zwei Seitenflügel erweitert. Die in Tempelhof entwickelten Standards waren Vorbild für zahlreiche andere Krankenhäuser, die Martin Gropius und Heino Schmieden in ganz Deutschland erbauten. Der Entwurf für die Pavillons wurde mit geringfügigen Veränderungen in Königsberg, Küstrin und Düsseldorf wiederholt.

Das Garnison-Lazarett in Tempelhof ist ein herausragendes Beispiel für die Backsteinbaukunst der Berliner Schule in der Nachfolge Karl Friedrich Schinkels. Die Backsteinbauten sind sparsam verziert, aus Kostengründen musste auf Terrakottaschmuck verzichtet werden. Die roten Mauerflächen sind durch gelbe Backsteinschichten gegliedert. Für eine zusätzliche Verzierung sorgt der ornamentierte Tonplattenfries, der bei den mehrstöckigen Gebäuden über dem Erdgeschoss angebracht ist. Die Haupteingänge der einzelnen Bauten sind durch grün glasierte Inschriftentafeln bezeichnet. Zusammen mit den parkartig gestalteten Außenanlagen ergeben die Backsteinbauten ein harmonisches Bild. 1938 kam es zu einer Erweiterung des Lazaretts über die aufgehobene Werbergstraße hinaus bis zur Colditzstraße. Die dort von Richard Lang errichtete Absonderungs- und Nervenabteilung besteht aus fünf einstöckigen, miteinander verbundenen Trakten, die sich um einen weiträumigen Hof legen. Das im Zweiten Weltkrieg nur gering beschädigte Lazarett wurde 1945 in ein städtisches Krankenhaus umgewandelt. 1951 erhielt es den Namen des bedeutenden niederländischen Kardiologen Karel Frederik Wenckebach, der in Straßburg und Wien lehrte. An ihn erinnert eine Büste vor dem Verwaltungsgebäude. Unter Beibehaltung der historischen Gebäude wurde das Krankenhaus 1981-98 einer grundlegenden Modernisierung unterzogen. Friedrich Karl Borck, Mathias Boye und Dietrich Schaefer entwarfen mehrere Untersuchungs- und Behandlungsgebäude, die ergänzend um die alte Bebauung gruppiert sind. (2)


(1) Das neue Garnison-Lazareth zu Tempelhof bei Berlin, in: Deutsche Bauzeitung 11 (1877), S. 373-376; Gropius, Martin/Schmieden, Heino: Das zweite Garnison-Lazareth für Berlin bei Tempelhof, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 29 (1879), S. 171-211; BusB 1896, Band 2, S. 409; Vom Garnison-Lazarett zum Krankenhausbetrieb. Festschrift zum 100jährigen Bestehen des "Wenckebach-Krankenhauses", Berlin 1978; Klinkott, Manfred: Die Backsteinbaukunst der Berliner Schule. Von K. F. Schinkel bis zum Ausgang des Jahrhunderts, Berlin 1988, S. 276-280; Krankenhäuser in Berlin. Bauten und Projekte der 80er Jahre, Berlin 1989, S. 23, 26-27, 56-57, 66-67, 76-77, 314-321; Wenckebach-Krankenhaus Berlin-Tempelhof, in: Bauwelt 80 (1989), S. 1394-1399; Tempelhof - Bauten, Straße, Plätze 1992, S. 23, 25; BusB VII A, S. 176-179, 214, 220; Dehio Berlin 2000, S. 411; Dürre 2001, S. 118.

(2) Dazu gehören das Operationsgebäude und die Abteilung Intensivmedizin (1987), die Küche mit dem Zentrallager (1990), das als Pavillonbau angelegte Gebäude für die Beschäftigungstherapie (1991), ein Bettenhaus (1993) und das Aufnahmezentrum (1997).

Literatur:
  • BusB II/III 1896 / Seite 409, 504
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 121ff.
  • Engel, H./ Zur Geschichte der Berliner Krankenhäuser =Krankenhäuser in Berlin. Bauten und Projekte der 80er Jahre, hrsg. v. Senator für Gesundheit und Soziales, Berlin 1989 / Seite 26f.
  • Zeitschrift für Bauwesen 29 (1879) / Seite 171-211 und Atlas, Bl. 17-23
  • Deutsche Bauzeitung 11 (1877) 76 / Seite 373-376
  • Festschrift 1978 Bauwelt 80 (1989) 30 / Seite 1394-1399
  • Reclam Berlin / Seite 375
  • Börsch-Supan, Berliner Baukunst nach Schinkel, 1977 / Seite 56, 577f.
  • Wille, 1985 / Seite 37-39
  • Wollschlaeger II, 1988 / Seite 60
  • Klinkott/ Backsteinbaukunst, 1988 / Seite 276-277