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ev. Kirche auf dem Tempelhofer Feld

Obj.-Dok.-Nr.: 09055125
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Wolffring
Hausnummer: 72
Strasse: Badener Ring
Hausnummer: 23
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev.
Datierung: 1927-1928
Entwurf: Bräuning, Fritz (Architekt)
Ausführung: Berlinische Baugesellschaft mbH (Bauunternehmen)
Bauherr: Evangelische Kirchengemeinde Tempelhof (Kirchengemeinde, evangelisch)

Die evangelische Kirche auf dem Tempelhofer Feld, Wolffring 72 und Badener Ring 23, ist ein künstlerisch herausragendes Beispiel für den von traditionellen wie modernen Lösungen geprägten Kirchenbau der 1920er Jahre. (1) Der Standort nördlich des Parkrings, dort, wo die Boelckestraße das abgesenkte Wasserbecken überquert, war bereits im Bebauungsplan von 1911 vorgeschlagen worden. Fritz Bräuning legte 1914 einen viel gelobten Entwurf für eine Rundkirche mit Kuppel und einem freistehenden Campanile vor. (2) Mit der Entscheidung, Altar, Kanzel und Orgel übereinander anzuordnen, beteiligte sich der Architekt an der damals modernsten Strömung im evangelischen Kirchenbau. (3) Die 1910-12 erbaute Königin-Luise-Gedächtnis-Kirche in Schöneberg und die 1913-14 erbaute Johanneskirche in Lichterfelde waren Vorbilder für die Planung der Rundkirche. Der Erste Weltkrieg verhinderte die Ausführung des Projekts, das aber in den 1920er Jahren wieder aufgegriffen wurde. Fritz Bräuning verzichtete auf den Campanile, sorgte für eine radikale Vereinfachung der Architektur und gestaltete einen stimmungsvollen, durch gotisierende Elemente geprägten Predigtraum. Die Rundkirche mit Kegeldach und zwei rechteckigen Anbauten für Vorhalle und Sakristei wurde 1927-28 errichtet. Die Glocken hängen in einer offenen, mit gotisch anmutendem Maßwerk verzierten Laterne. Die Vorhalle wird von schlanken Pfeilern getragen, wobei die Spitzbogenarkaden mit den lang gestreckten, spitz abschließenden Fenstern des Kirchenraums korrespondieren. Während der Außenbau in der ursprünglichen Form erhalten blieb, hat der Innenraum deutliche Veränderungen erfahren. Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1950 durch E. F. Berking, einen früheren Mitarbeiter von Fritz Bräuning, wieder aufgebaut. Günter Behrmann sorgte 1959-60 für eine Neugestaltung des Predigtraums. Man betritt die Kirche durch einen schmalen Vorraum. Über dem Eingang breitet eine 1928 von Walter Sutkowski aus Terrakotta geformte Christusfigur einladend ihre Arme aus. (4) Um den runden Kirchenraum zieht sich eine umlaufende Empore, begrenzt von vierzehn polygonalen Pfeilern, auf denen die Decke ruht. Das 1945 zerstörte expressionistische Gewölbe, eine kuppelförmige, prismatisch gebrochene Rabitzkonstruktion nach dem Vorbild spätgotischer Zellengewölbe, wurde 1950 durch eine flach gewölbte Rabitzdecke ersetzt. (5) Die konzentrisch geordneten prismatischen Segmente erinnern an die alte Gewölbeform. An die Stelle der kriegszerstörten expressionistischen Glasfenster von César Klein mit Bildern aus dem Leben Jesu und christlichen Emblemen traten mosaikartig zusammengesetzte Scheiben nach Entwurf von Ursula Kükenthal. Auch der gotisierende Kanzelaltar mit Baldachin blieb nicht erhalten, er wurde 1959/60 durch eine moderne Lösung ersetzt. Das Bronzerelief der Kanzelbrüstung und das Kruzifix auf dem Altar stammen von Waldemar Otto. Die Darstellungen sind typologisch aufeinander bezogen. Die alttestamentliche Aufrichtung der Ehernen Schlange (Moses heilt die Israeliten von Schlangenbissen), zu sehen an der Kanzel, entspricht der neutestamentlichen Erlösung durch den Opfertod Christi am Kreuz. Über dem Kanzelaltar ist die Orgel mit gestaffeltem Gehäuse angeordnet. Die Kirche auf dem Tempelhofer Feld wurde 1990-92 behutsam restauriert.


(1) Kirche in Tempelhof, in: Bauwelt 19 (1928), S. 279; Eiselen, Fritz: Die neue evangelische Kirche auf dem Tempelhofer Feld zu Berlin, in: Deutsche Bauzeitung 62 (1928), S. 513-517; Kirche auf dem Tempelhofer Feld, in: Der Neubau 10 (1928), S. 209-212; Monfang, Wilhelm: Moderne Glasmalerei, in: Die christliche Kunst 25 (1928/29), S. 337, 339-340; Kühne/Stephani 1978, S. 251-253; Kirche auf dem Tempelhofer Feld. 50 Jahre 1928-1978, hrsg. von der Evangelischen Kirchengemeinde Neutempelhof, [Berlin 1978]; Die Kirche auf dem Tempelhofer Feld, hrsg. von der Evangelischen Kirchengemeinde Neutempelhof. Berlin 1990; Kirche auf dem Tempelhofer Feld. Wiedereinweihung am 4. Advent 1992, hrsg. von der Evangelischen Kirchengemeinde Neutempelhof, Berlin 1992; BusB VI, S. 140-143, 401; Dehio Berlin 2000, S. 409; Goetz/Hoffmann-Tauschwitz 2003, S. 284.

(2) Gemeinde-Bauten in Berlin-Tempelhof (Architekt F. Bräuning), in: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 2 (1915/16), S. 188; siehe auch den ersten Entwurf von 1911, abgebildet in Osborn, Max: Der Parkgürtel im Tempelhofer Feld, in: Bauwelt 2 (1911), Heft 123, S. 19.

(3) BusB VI, S. 140-143.

(4) Das Terrakottarelief ist mit der Aufschrift versehen: "KOMMET HER / ZU MIR ALLE".

(5) Im Annex hinter dem Kanzelaltar ist das ursprüngliche, prismatisch gebrochene Zellengewölbe noch erhalten.

Literatur:
  • Eiselen, Fritz/ Die neue evangelische Kirche auf dem Tempelhofer Feld zu Berlin =Deutsche Bauzeitung 62 (1928) 60 / Seite 513-517
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 89f.
  • Wasmuths Monatshefte für Baukunst 2 (1915/16) / Seite 188 mit Ans. Innenr. o. Text
  • Bauwelt 19 (1928) / Seite 1044
  • Kirche auf dem Tempelhofer Feld =Der Neubau 10 (1928) / Seite 209-212
  • Monfang, Wilhelm/ Moderne Glasmalerei =Die christliche Kunst 25 (1928/29) / Seite 337, 339-340
  • Scheffler, Karl/ Das neue Berlin =Kunst und Künstler 29 (1930/31) / Seite 305
  • Kiener, Hans/ Zum modernen Kirchenbau =Die Kunst 67 (1932/33) / Seite 165
  • Kiener, Hans/ Zum modernen Kirchenbau =Deutsche Kunst und Dekoration 71 (1933) / Seite 165