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Telegrafenzeugamt

Obj.-Dok.-Nr.: 09055119
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Schätzelbergstraße
Hausnummer: 1 & 3
Strasse: Industriestraße
Hausnummer: 38 & 39 & 40
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Verwaltungsgebäude
Datierung: 1912-1913
Umbau: 1926
Entwurf: Spalding, Otto

Das Grundstück Schätzelbergstraße 1-3 und Industriestraße 38-40 wurde 1909 für das Telegraphenzeugamt aufgekauft und bis 1914 mit einem Verwaltungsgebäude und mehreren Werkstätten, Lagergebäuden und Schuppen bebaut. (1) Das Telegraphenzeugamt hatte die Aufgabe, die Dienststellen der Oberpostdirektion Berlin mit Materialien für Einrichtung, Betrieb und Unterhaltung von Fernmeldeanlagen zu versorgen. Das Gelände in Tempelhof wurde ausgewählt, weil es über einen Bahnanschluss und einen direkten Zugang zum Teltowkanal verfügte, sodass Kabeltrommeln und Fernsprecheinrichtungen einfach an- und abtransportiert werden konnten. Postbaurat Otto Spalding, von dem auch das Postamt in Tempelhof stammt, errichtete 1912-13 zwei imposante Putzbauten mit neoklassizistischer und barockisierender Gliederung. Er bezog sich auf historische Stilformen, die in Brandenburg im 18. und frühen 19. Jahrhundert vorherrschend waren. Spalding zeigte sich mit diesen Bauten als Anhänger der vor dem Ersten Weltkrieg sehr einflussreichen Bewegung, die unter dem Motto "Um 1800" eine sehr solide Architektur mit Rückgriffen auf die letzten reinen Stile vor der Stilvielfa des 19. Jahrhunderts favorisierte.

Das Verwaltungsgebäude erhebt sich über einem gestreckten H-förmigen Grundriss. Die Stirnseiten der Querflügel sind durch Pilaster gegliedert, die über zwei Geschosse bis zum Hauptgesims reichen. Der Mittelrisalit des Zwischentrakts mit einem portalartig gerahmten Fenster, eingestellten ionischen Säulen und einem im Bogenfeld angeordneten Thermenfenster gleicht klassizistischen Portalanlagen. Die überstehenden Flachdächer, die auf die Querflügel aufgesetzten flach gedeckten Attikageschosse und die seitlich vorspringenden Treppenhäuser lassen das Bauwerk sehr sachlich erscheinen. Das Werkstattgebäude I über der Uferböschung des Teltowkanals verweist auf die nüchternen spätbarocken Herrenhäuser in der Region. Otto Spalding bildete schmucklose, durch flache Wandstreifen unterteilte Putzfassaden aus, rundete Ecken ab und gliederte das hohe ziegelgedeckte Mansarddach durch Zwerchhausgiebel und kleine Dachhäuschen. Das Dach wird von einer Betonrahmenkonstruktion getragen.

Nach einem Grundstückszukauf wurde 1926 das blockartige Werkstattgebäude II an der Industriestraße errichtet. Das viergeschossige Backsteingebäude mit vor- und zurückspringenden Ziegelschichten, Stahlrahmenfenstern, Flachdach und einem Geländer über dem unauffälligen Dachgesims zeigt den Einfluss der Neuen Sachlichkeit, gleichzeitig ist ein expressionistischer Anklang zu verspüren, der durch die waagerechten hellen und dunklen Ziegelstreifen vermittelt wird. Das Gelände beherbergt heute Einrichtungen der Deutschen Telekom AG.


(1) BusB X B (4), S. 36, 174.

Literatur:
  • BusB X B 4 1987 / Seite (4), 36, Abb. 51-52, 174
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 142f.