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Fabrik Carl Lerm & Gebrüder Ludewig

Obj.-Dok.-Nr.: 09055116
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Ringbahnstraße
Hausnummer: 16 & 18 & 20
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1899
Entwurf: André, Fritz (Architekt)
Ausführung: "Union" Baugesellschaft auf Aktien (Bauunternehmen)

Die Ringbahnstraße setzt sich westlich des Tempelhofer Damms fort. Während an der Südseite der Straße ausschließlich Mietshäuser aufgereiht sind, wechseln sich an der Nordseite Gewerbe- und Verwaltungsbauten ab. An der Ringbahnstraße 16/20 steht der einzige Gewerbehof in Tempelhof. Der viergeschossige, mit roten Ziegeln verblendete Fabrikbau, der einen geräumigen Hof umschließt, wurde 1899 von der Union Baugesellschaft auf Actien für die Werkzeugfabrik von Fritz André errichtet und 1905 von der Eisen- und Drahtverarbeitungsfabrik Carl Lerm & Gebrüder Ludewig erworben. (1) Der nach Berliner Vorbild angelegte Gewerbehof dokumentiert die Industrialisierung Tempelhofs, die im Bereich der Ringbahnstraße noch vor dem Bau des Teltowkanals einsetzte. Die Straßen- und Hoffassaden zeigen ein konsequent durchgestaltetes Raster aus kräftig durchlaufenden Wandpfeilern, horizontalen Brüstungsfeldern und kleinteilig gesprossten Rechteckfenstern. Das nur sparsam durch Bauschmuck akzentuierte Fassadenraster spiegelt die Funktionalität des Gewerbehofs, der sich durch die freie Einteilung der Grundrisse für unterschiedliche Zwecke nutzen ließ. Die Geschosse sind größtenteils von Eisenstützen in zwei Schiffe unterteilt. Der dreiachsige Eingangstrakt an der Ringbahnstraße wurde durch gotisierende Ziegelmuster und eine Attika mit Walmdach hervorgehoben, im Hof heben sich die übergiebelten Treppenhäuser mit ihren gestaffelten Spitzbogenfenstern von den ansonsten sachlichen Fassaden ab. Im Haupttreppenhaus existiert noch ein reich dekoriertes schmiedeeisernes Treppengeländer, das mit plastisch gebildetem Weinlaub verziert ist. Die Eisen- und Drahtverarbeitungsfabrik Carl Lerm & Gebrüder Ludewig ging 1880 aus den Werkstätten von Carl Lerm sowie Hugo und Max Ludewig hervor. Mit der Auftragssteigerung entwickelte sich aus dem Handwerksbetrieb ein rationell arbeitendes, mechanisiertes Industrieunternehmen. Carl Lerm & Gebrüder Ludewig, die "Zaunkönige", lieferten Drahtzäune, Drahtgeflechte und Gitter aller Art. Das Unternehmen beherrschte den Markt noch in der Nachkriegszeit, musste aber später die Produktion einstellen. Heute sind im Gewerbehof kleinere Gewerbebetriebe ansässig.


(1) Festschrift zum 75jährigen Bestehen. Carl Lerm & Gebrüder Ludewig, Berlin 1955; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 150-151; Tempelhof - Bauten, Straße, Plätze 1992, S. 39-40.

Literatur:
  • Hildebrand, Lemburg, Wewel/ Historische Bauwerke, 1988 / Seite 150-151
  • Festschrift zum 75jährigen Bestehen, Carl Lerm und Gebrüder Ludewig, Berlin 1955Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 104f.