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Roth-Büchner AG

Obj.-Dok.-Nr.: 09055112
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Oberlandstraße
Hausnummer: 74 & 75 & 76 & 77 & 78 & 79 & 80 & 81 & 82 & 83 & 84
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1936-1937
Entwurf: Renner, Paul (Architekt)
Ausführung: Hoch- und Tiefbau AG (Bauunternehmen)
Bauherr: Roth-Büchner GmbH (Rasierklingenfabrik)

Dort, wo die Stadtautobahn die Oberlandstraße überquert, steht die 1936-37 von Paul Renner erbaute Rasierklingenfabrik der Roth-Büchner AG. (1) Das Unternehmen ging 1925 aus der Otto Roth AG und der Büchner-Werke AG hervor. Hugo Büchner hatte 1907 in Berlin mit der Rasierklingenproduktion begonnen. 1926 übernahm der amerikanische Unternehmer King C. Gillette, der Erfinder des modernen Nassrasierers, die Aktienmehrheit an der Roth-Büchner AG. Die mit roten Klinkern verkleidete Fabrik an der Oberlandstraße 74-84 ist ein Beispiel für die funktional geprägte, zugleich aber auf Repräsentation ausgerichtete Industriearchitektur aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Grundrissdisposition orientiert sich an den technischen Erfordernissen: Eine großflächige Fabrikhalle ist an drei Seiten von einem mehrstöckigen Hauptgebäude umschlossen, das die Verwaltung, die Forschungsabteilung und Werkstätten aufnimmt. Die Zwischenbereiche der Seitenflügel sind zurückgesetzt, während die Erschließungskerne an den Gebäudeecken als blockartige Kopfbauten hervortreten. An die Rückseite schließen sich, angebunden durch schmale Übergänge, drei freistehende Werkstattgebäude an. Durch die Umbauung der Fabrikhalle gelang es, die einzelnen Abteilungen produktionstechnisch zweckmäßig miteinander zu verbinden. In die schmucklose Klinkerfassade sind annähernd quadratische Fenster eingefügt. Durch Pfeiler aus Naturstein schließen sich die Fenster im dritten Geschoss optisch zu einem durchlaufenden Band zusammen. Von der sachlichen Fassaden- und Grundrissgestaltung hebt sich der repräsentative Eingangsbereich an der Oberlandstraße ab, dessen vereinfachte, monumental übersteigerte klassizistische Architekturformen die Fabrik als "Tempel der Arbeit" erscheinen lassen. Paul Renner bildete einen wuchtigen Eingangsportikus vor einer fünffach geteilten, subtil zurückgestuften Fensterwand aus. Die Kalksteinelemente liegen vor einer ungegliederten Klinkerfläche mit einem markant überstehenden Hauptgesims. Durch den Eingang gelangte man in eine imposante Treppenhalle mit Kassettendecke, umlaufenden Galerien und einem seitlich angeordneten Treppenhaus. Der Eingangsbereich wurde in der Nachkriegszeit erheblich verändert. Die Roth-Büchner GmbH wurde 1973 in Gillette Deutschland GmbH umbenannt. Der amerikanische Gillette-Konzern modernisierte die Fabrik umfassend. Der östliche Teil des Hauptgebäudes wurde 1984, der westliche 1992 aufgestockt. Die zurückgesetzten Zwischenbereiche der Seitenflügel erhielten 1998 eine großflächige Verglasung. Nach dem Gillette-Hauptwerk in den USA ist der Betrieb in Tempelhof der zweitgrößte Produktionsstandort des Konzerns.


(1) Bemerkenswerte Neubauten in Berlin, in: Baugilde 18 (1936), S. 905; Eckert, G.: Grundsätze der Aluminiumverwendung in der Architektur, in: Deutsche Bauzeitung 75 (1941), S. 146; BusB IX, S. 102; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 176-177; Tempelhof und seine Industrie 2000, S. 59-64; Dehio Berlin 2000, S. 414; Donath 2004, S. 183-184.

Literatur:
  • Hildebrand, Lemburg, Wewel/ Historische Bauwerke, 1988 / Seite 176-177
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 149f.
  • BusB IX 1971 / Seite 102, 64-65