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Ufa-Filmstudios, Studios 1 und 2

Obj.-Dok.-Nr.: 09055110
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Oberlandstraße
Hausnummer: 26 & 27 & 28 & 29 & 30 & 31 & 32 & 33 & 34 & 35
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Filmstudio
Datierung: 1913 & 1934-35
Entwurf: Buch, Carl-Emil Bruno (Architekt)
Ausführung: Buch, Carl-Emil Bruno (Architekt)
Entwurf: Kohtz, Otto (Architekt)
Bauherr: Literaria-Film-Gesellschaft (Filmproduktionsgesellschaft)

Die Filmstudios an der Oberlandstraße 26-35, in denen seit 1913 Filme gedreht und bearbeitet werden, erinnern an die Anfänge der deutschen Filmindustrie. (1) Mit den Ateliers der Filmpioniere Alfred Duske und Paul Davidson, in denen neuartige Verfahren der Kameratechnik ausprobiert und entwickelt wurden, sind die Namen bedeutender Schauspieler und Regisseure aus der Frühzeit des Films verbunden. An den Gebäuden lässt sich auch der technikgeschichtliche Sprung vom Stummfilm zum Tonfilm ablesen. Die ersten beiden Filmstudios, die 1913 von Bruno Buch für die Projektions Aktiengesellschaft Union (PAGU) und die Literaria Film GmbH errichtet wurden, bestanden jeweils aus einem zweistöckigen massiven Unterbau, in denen Werkstätten, Kopieranstalten, Büros und Garderoben untergebracht waren, und einem vollständig verglasten Atelier mit einer filigranen Fachwerkrahmenkonstruktion aus Stahlprofilen. Die Verglasung war notwendig, weil die Filme noch mit Tageslicht gedreht werden mussten. Als 1917 unter Beteiligung der Obersten Heeresleitung und der Deutschen Bank die Universum-Film Aktiengesellschaft (Ufa) gegründet wurde, übernahm das Unternehmen, das sich zum größten europäischen Filmkonzern entwickelte, die Ateliers in Tempelhof. Die Einführung des Tonfilms 1928 erforderte Umbauten, weil die Ateliers durch den Lärm der Ringbahn und des nahe gelegenen Flughafens für Tonaufnahmen nur bedingt geeignet waren. Dem Architekten Otto Kohtz, der für die Ufa in Tempelhof wie auch in Babelsberg tätig war, gelang es, durch die Umbauung der 1913 errichteten Gebäude geräuschsichere, hermetisch abgeschlossene Tonstudios zu schaffen. Während das 1931 umgerüstete Studio 4 im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach verändert wieder aufgebaut wurde, ist das 1934-35 umgebaute Studio 2 erhalten geblieben. Otto Kotz legte um den zweigeschossigen Unterbau, der seine neoklassizistische Gestaltung von 1913 behielt, eine Stützkonstruktion aus Stahlstützen, ummantelt mit Beton, und ließ über dem verglasten Atelier eine zweite, höhere Rahmenkonstruktion aus vollwandigen Stahlbindern ausführen, der massive Backsteinwände vorgesetzt sind. Für eine schallsichere Dachdeckung sorgten mehrere Schichten aus Bimsbetonplatten. Bei der Umbauung konnte auf Fenster verzichtet werden, weil die Scheinwerfertechnik inzwischen so weit ausgereift war, dass alle Szenen mit künstlicher Ausleuchtung gedreht werden konnten. Das Atelier, das über Treppen und einen großen Lastenaufzug erreichbar ist, erhielt eine Belüftungsanlage. Mit den schmucklosen, ungegliederten Wandflächen und den klaren, sachlichen Linien wirkt das Gebäude sehr monumental. Am Giebel ist das Signet der Ufa angebracht. Neben dem Studio 2 errichtete Otto Kohtz das kleinere Studio 1. Das ebenerdige Atelier ist mit massiven Außenwänden umkleidet, während Stahlfachwerkträger ein Flachdach tragen. In das einfache Backsteinmauerwerk sind technische Einrichtungen wie Notausstieg oder Rauchabzugsklappen als gliedernde Elemente eingefügt. Das Studio 3 wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, das Studio 4 bis auf den massiven Sockel zerstört und um 1950 wieder aufgebaut. 1955 entstand das Studio 5, das sich mit seiner schmucklosen Backsteinverkleidung in die Bebauung einordnet. Die Studios werden seit 1964 von der Berliner Union Film betrieben und für Film- und Fernsehproduktionen vermietet. Alle großen deutschen Fernsehsender lassen in Tempelhof Shows, Serien und Filme produzieren.


(1) Schumacher, Otto: Der Umbau der Filmateliers 3 u. 4 der Universum-Film A.-G., Berlin-Tempelhof, in: Der Stahlbau 5 (1932), Heft 5, S. 38-39; Hanebeck, Fritz: Der Umbau der Ufa-Filmateliers in Berlin-Tempelhof, in: Der Stahlbau 8 (1935), Heft 13, S. 104; Riedrich, Otto: Neue Bauten für den Tonfilm, in: Baugilde 17 (1935), S. 857-861; Traub, Hans: Die UFA. Ein Beitrag zur Entwicklung des deutschen Filmschaffens, Berlin 1943, S. 220; Auf den Spuren einer großen Filmfabrik, hrsg. v. Bezirksamt Tempelhof von Berlin, Berlin 1987, S. 18-19, 21, 61, 90-91; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 250-251; Tempelhof und seine Industrie 2000, S. 31-48.

Literatur:
  • Hildebrand, Lemburg, Wewel/ Historische Bauwerke, 1988 / Seite 250-251
  • Film... Stadt... Kino... Berlin, Ausstellungskatalog, Berlin 1987 / Seite 197-201
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 150f.
  • Die UFA - auf den Spuren einer großen Filmfabrik, Berlin1987