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C. Lorenz AG

Obj.-Dok.-Nr.: 09055108
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Lorenzweg
Hausnummer: 5
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Fabrikgebäude & Verwaltungsgebäude & Pförtnerhaus
Datierung: 1916-1918
Entwurf: Stodieck, Karl (Bauingenieur & Architekt)
Ausführung: Held und Francke AG (Bauunternehmen)
Bauherr: C. Lorenz AG (Industriebetrieb)

An der Ostseite des Hafenbeckens steht das Hauptgebäude der C. Lorenz AG, Lorenzweg 5, das 1916-18 von Karl Stodieck errichtet wurde. (1) Das Unternehmen, das Signalanlagen, Fernsprecheinrichtungen sowie Anlagen der drahtlosen Telegraphie herstellte, wurde 1880 von Carl Lorenz begründet und 1906 von Robert Held in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Ersten Weltkrieg stattete die C. Lorenz AG das deutsche Heer mit Fernmeldesystemen aus. Der kriegsbedingte Produktionsanstieg war die Ursache für die Verlagerung des Betriebs nach Tempelhof. Das Gebäude zeigt, wie man sich im frühen 20. Jahrhundert eine repräsentative moderne Fabrik vorstellte: Um die Gebäudemassen zu strukturieren, legte der Architekt den Industriebau wie eine barocke Schlossanlage an. Die Haupteingangsseite besitzt einen breiten Mittelrisalit und zwei hervortretende Seitenflügel. Dahinter liegende Gebäudetrakte umfassen zwei Höfe.

Zusammengehalten wird die Anlage durch ein beherrschendes Walmdach. Modernität und Funktionalität liegen in der Konstruktion der Baukörper. Der Stahlbetonskelettbau garantiert großzügige, frei einteilbare und durch große Fenster gut belichtete Produktionsräume. Karl Stodieck bildete eine konsequente Rasterfassade aus, die durch spitz zulaufende, das Stahlskelett markierende Wandpfeiler vertikal gegliedert wird. Auf historistische Ornamente verzichtete er. Der Haupteingang liegt nicht in der Mittelachse, sondern befindet sich neben der Durchfahrt zum südlichen Innenhof. In dem verglasten, dreiseitig gebrochenen Erker, der in die Durchfahrt ragt, saß der Pförtner. Abstrakte Ornamente aus Klinkersteinen betonen den Haupteingang. Das Hauptgebäude der C. Lorenz AG war mit dem durchdachten vertikalen und horizontalen Transportsystem, der Be- und Entlüftungsanlage und der getrennten Nutz- und Trinkwasserversorgung ein Vorbild für die Fabrikorganisation im frühen 20. Jahrhundert. Die Produktionsabläufe waren vertikal geordnet. Im Keller befand sich das Materiallager, im Erdgeschoss die Stanzerei. Über dem Geschäftsbereich im ersten Obergeschoss folgten die Fertigungsetagen. Nach der Montage der Einzelteile, die im obersten Geschoss ablief, wurden die Fabrikate im Dach gelagert. Für den firmeninternen Transport sorgte ein weitverzweigtes Schmalspurbahnnetz, welches auch die Geschosse des Hauptgebäudes über Lastenaufzüge und umlaufende Schienenstränge erschloss. Die C. Lorenz AG fusionierte 1958 mit der Standard Elektrizitäts-Gesellschaft AG und der Mix & Genest AG zur Standard Elektrik Lorenz AG (SEL). Das traditionsreiche Unternehmen ging 1987 im französischen Konzern Alcatel auf. Das Fabrikgebäude wurde 1989 verkauft und 1990-91 in einen Gewerbehof umgewandelt. Um das zweigeschossige Walmdach nutzen zu können, wurden moderne Dachgauben ausgebildet, die das Rastersystem der Fassaden fortsetzen.


(1) 50 Jahre Lorenz 1880-1930. Festschrift der C. Lorenz Aktiengesellschaft Berlin-Tempelhof, Berlin 1930, S. 59, 62-64; 75 Jahre Lorenz 1880-1955. Festschrift der C. Lorenz Aktiengesellschaft Stuttgart, Stuttgart 1955, S. 23-24; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 226-227; Tempelhof und seine Industrie 2000, S. 111-120; Dehio Berlin 2000, S. 413.

Literatur:
  • Schlesinger, G., Der Neubau der C. Lorenz AG, Berlin und Tempelhof in
    Werkstattechnik 16 (1922) 8 / Seite 15ff.
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 138f.
  • Handbuch der Architektur, Bd. 4, T. 2, H. 5, Leipzig 1923 / Seite 9
  • Festschrift, 50 Jahre Lorenz, Berlin 1933 Festschrift, 75 Jahre Lorenz, Berlin 1955 Hildebrand, Lemburg, Wewel/ Historische Bauwerke, 1988 / Seite 226