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Luise-Henriette-Schule

Obj.-Dok.-Nr.: 09055096
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Germaniastraße
Hausnummer: 4 & 5 & 6
Strasse: Götzstraße
Hausnummer: 19
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Schule
Datierung: 1913-1914
Entwurf: Bräuning, Fritz
Ausführung: Hermann Raebel (Baugeschäft)
Bauherr: Gemeinde Tempelhof (Gemeinde)

Am östlichen Ende des Dorfangers beginnt die Germaniastraße. Die 1913-14 erbaute Luise-Henriette-Schule auf dem Grundstück Germaniastraße 4-6 und Götzstraße 19 ist ein Beispiel für den Schulbau vor Beginn des Ersten Weltkriegs. (1) Die höhere Mädchenschule der Gemeinde Tempelhof, ausgelegt für 1.140 Schülerinnen, zog in ein großzügiges Schulgebäude mit hellen, lichten Klassenzimmern. Gemeindebaumeister Fritz Bräuning entwarf eine Dreiflügelanlage mit rückwärtig angesetztem Klassentrakt. Der Schul- und Spielhof an der Germaniastraße, durch eine Kolonnade vom Straßenverkehr abgeschirmt, wurde links von einem Seitenflügel mit Aula und Turnhalle und rechts vom Lehrerwohnhaus begrenzt. Die Flügelbauten, die niedriger waren als das Hauptgebäude, um zur benachbarten Blockrandbebauung überzuleiten, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der viergeschossige, mit Backstein verkleidete Klassentrakt mit Walmdach, rhythmisch gruppierten Sprossenfenstern und gliedernden Gesimsen ist eher schlicht gehalten. Inschriftenbänder nennen den Namen der Schule und das Baujahr. Das Erscheinungsbild ist weniger von der Monumentalität eines öffentlichen Gebäudes der Kaiserzeit als vom gestalterischen Rahmen des städtischen Wohnhauses bestimmt. Der Architekt orientierte sich an der bürgerlichen Baukunst des frühen 19. Jahrhunderts, doch nach der Zerstörung der Flügelbauten, die mit spätbarocken und klassizistischen Architekturformen anmutig gestaltet waren, ist nur noch wenig davon zu sehen. Der linke Seitenflügel mit Turnhalle und Aula wurde 1958-62 wieder aufgebaut und dabei gestalterisch dem Hauptgebäude angepasst. Wie Fritz Bräuning für eine künstlerisch anspruchsvolle Ausstattung sorgte, zeigt der in der ursprünglichen Gestalt erhaltene Eingangsbereich, der mit Stuckmarmor und antikischen Reliefs festlich ausgeschmückt ist. Das Hauptgebäude wird durch einen Mittelflur erschlossen, der an seinem westlichen Ende durch einen halbrunden, durchfensterten Erker belichtet wird. Außen ist der viergeschossige Erker mit einer barock anmutenden Haube versehen. Um zum rückwärtigen Klassentrakt und zur Aula überzuleiten, erweitert sich der Mittelflur an seinem östlichen Ende zu einer Halle. Fritz Bräuning ordnete dort Trinkbrunnen aus Marmor an. Die Halle im ersten Obergeschoss ist mit Gipsabgüssen der 1431-38 von Luca della Robbia geschaffenen Reliefs der Sängerkanzel im Dom zu Florenz geschmückt.


(1) Neubau eines Lyzeums zu Berlin-Tempelhof, in: Der Baumeister 12 (1914), S. 99, 101, Tafeln 150-151; Bräuning, Fritz: Neubau der Luise-Henriette-Schule in Berlin-Tempelhof, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 35 (1915), S. 461-465; Lindner, Werner: Gemeinde-Bauten in Berlin-Tempelhof (Architekt F. Bräuning), in: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 2 (195/16), S. 172, 176-182; BusB V C, S. 109-110, 404.

Literatur:
  • Bräuning, Fritz =Bau-Rundschau 7 (1916) / Seite 1-4
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 112f.
  • Bräuning, Fritz =Zentralblatt der Bauverwaltung 35 (1915) / Seite 461-465
  • Bräuning, Fritz =Wasmuths Monatshefte für Baukunst 2 (1915) / Seite 172, S. 176-183
  • Bräuning, Fritz =Neudeutsche Bauzeitung 11 (1915) / Seite 158-164
  • Bräuning, Fritz =Baumeister 13 (1915) / Seite Beil. zu H. 6, B 59-61, Taf. 67
  • Bräuning, Fritz =Baumeister 12 (1914) 19 / Seite 101, Tafel 150-151, Beil. zu H. 19, S. B 357