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S-Bahn-Kleingleichrichterwerk Tempelhof

Obj.-Dok.-Nr.: 09055088
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Hoeppnerstraße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Gleichrichterwerk & E-Werk
Datierung: 1927-1928
Entwurf: Brademann, Richard (Architekt)
Bauherr: Deutsche Reichsbahn (Eisenbahngesellschaft)

Das Gebiet Neu-Tempelhof wird ganz im Süden durch die Ringbahn von dem historischen Siedlungsgebiet des Dorfes Alt-Tempelhof getrennt. Der Ringbahnhof Tempelhof und der in den 1920er Jahren hinzugekommene U-Bahnhof liegen an der Unterführung der Straße von Tempelhof nach Berlin (Tempelhofer Damm) unter der Ringbahn.

Nördlich des Bahnhofs, an der Hoeppnerstraße, steht ein 1927-28 erbautes Kleingleichrichterwerk, das an die Elektrifizierung der Berliner S-Bahn in den 1920er Jahren erinnert. (1) Um den mit 30.000 Volt vom Kraftwerk gelieferten Drehstrom in 800 Volt-Gleichstrom für den Bahnverkehr umzuwandeln, mussten Umformer-, Gleichrichter- und Schaltwerke errichtet werden. Der dichte Zugverkehr der Ringbahn erforderte eine gleichmäßige Stromversorgung, die wegen der hohen Leitungsverluste durch ein dichtes Netz von Gleichrichterwerken in Abständen von wenigen Kilometern entlang der S-Bahnstrecken gesichert werden musste. Richard Brademann, der leitende Architekt der Reichsbahndirektion Berlin, entwickelte dafür einen Typenentwurf. Die Kleingleichrichterwerke der Ringbahn zeichnen sich durch eine klare, sachliche Formensprache aus. Obwohl die technischen Zweckbauten streng funktional angelegt sind, lassen sie doch einen künstlerischen Anspruch erkennen. Das mit Klinkern verkleidete Gleichrichterwerk an der Hoeppnerstraße entspricht dem Ringbahntyp. Die zweifach abgestuften Seitentrakte fassen einen erhöhten Mittelteil ein, bei dem technische Funktion und architektonische Gestaltung eine Einheit eingehen. Hinter den markanten Ecken, die hier allerdings verändert sind, war die Lüftung der Transformatoren und Gleichrichter untergebracht. Hinter den Stahltoren standen zwei Gleichrichtersätze. Die gesimsartige Türverdachungen aus Betonwerkstein und die Gesimse der überstehenden Flachdächer geben dem Gebäude eine klare horizontale Gliederung.


(1) Hochbauten der Reichsbahn-Direktion Berlin für die Elektrisierung der Berliner Stadt- und Vorortbahn. Architekt: Richard Brademann, Berlin, in: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 13 (1928), S. 481-493; Brademann, Richard: Hochbauten der Elektrisierten Stadt- und Vorortbahnen, in: Zeitschrift für Bauwesen 80 (1930), S. 29; Schieb: Stromversorgung der Berliner Stadtbahn, in: Verkehrstechnische Woche 24 (1930), S. 226; Riedel, Karl: Die ferngesteuerten Gleichrichterwerke der Berliner Stadtschnellbahn, in: Elektrische Bahnen 7 (1931), S. 205-213; BusB X B (2), S. 101, 194; Gympel, Jan: Richard Brademanns Bauten für die Berliner S-Bahn, in: Bauwelt 84 (1993), S. 1998-2001; Dost 2002, S. 80-84.

Literatur:
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 96f.