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Kunstmöbelfabrik und Bautischlerei F. Wenkel

Obj.-Dok.-Nr.: 09055073
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Mariendorf
Strasse: Seelbuschring
Hausnummer: 9 & 11 & 13 & 15 & 17
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Fabrikgebäude
Entwurf: 1904
Entwurf: Schulz, Hermann (Architekt)

Das Industriegebiet endet an der Ringstraße. Das östlich anschließende Wohngebiet reicht bis an den Teltowkanal heran. Der einzige Industriebetrieb, der sich am Mariendorfer Ufer des Teltowkanals niederließ, war die Kunstmöbelfabrik und Bautischlerei F. Wenkel Nachf., für die Hermann Schulz, der Inhaber des Unternehmens, 1904 am Seelbuschring 9/17 eine Fabrikanlage errichtete. (1) Produktion, Verwaltung und Wohnbereich sind in einem Gebäude vereint. An den viergeschossigen Produktionstrakt schließt sich der dreistöckige Bürotrakt mit der darüber liegenden Wohnung des Eigentümers und einer Dachterrasse an. Die Längsfassaden werden durch ein Rastersystem aus Lisenen, Rechteckfenstern und schmalen Fensterbrüstungen gegliedert. Während die aus gelben Ziegeln gemauerte Südfassade am Seelbuschring schlicht und schmucklos erscheint, gehört die zum Teltowkanal gerichtete Nordseite zu den wenigen Berliner Beispielen für die Verwendung von Jugendstilelementen im Industriebau der Jahrhundertwende. Die Klinkerfassade aus weiß glasierten Steinen wird durch stilisierte Ornamente aus blauen Fliesen im Sinne des strengen Jugendstils belebt. Die Lisenen des vierten Stockwerks sind durch kapitellartige, nach oben gestaffelte Muster hervorgehoben, während unter den Fenstern einfache Schmuckbänder zu sehen sind. Am Bürotrakt steigert sich der Jugendstildekor aus weißen und blauen Fliesen. Der Haupteingang und die darüber angeordneten Fenstergruppen werden von lisenenartigen Wandstreifen und dreiseitig hervortretenden Erkern flankiert. (2) Über einem blauen Segmentbogen, der die seitlichen Wandstreifen verbindet, ist ein markantes Rundfenster ausgebildet, hinter dem die Wohnung des Eigentümers liegt. Das überstehende Zeltdach, das die aufwendig dekorierte Mittelachse beschließt, gehört zu einem kleinen Dachhäuschen, durch das man die Dachterrasse über dem vierten Stockwerk betreten kann. Das Treppenhaus mit geschnitzten Treppenpfosten und Jugendstilausmalung ist in der ursprünglichen Gestalt überliefert. Der Produktionstrakt enthält große, durchgehende Säle, die durch zwei innere Stützenreihen unterteilt werden. Weil die Kunstmöbelfabrik und Bautischlerei F. Wenkel Nachf. nicht die gesamte Fabrikanlage nutzen konnte, wurden die Räumlichkeiten schon vor dem Ersten Weltkrieg an andere Gewerbebetriebe vermietet. Das bis heute als Gewerbestandort genutzte Gebäude konnte 1991-93 modernisiert werden.


(1) Dehio Berlin 2000, S. 419-420. Hermann Schulz war seit 1880 Geschäftsführer des Unternehmens, später auch Eigentümer. Von Hermann Schulz stammen die Baupläne für die Fabrikanlage.

(2) Die beiden Erker wurden 1991-93 in vereinfachter Form rekonstruiert.

Literatur:
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 178f.