denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Adlermühle

Obj.-Dok.-Nr.: 09055072
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Mariendorf
Strasse: Säntisstraße
Hausnummer: 10
Strasse: Buchsteinweg
Hausnummer: 32 & 34
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mühle
Datierung: 1888-1890
Entwurf: Hillerkus, Friedrich (Architekt)

Die Adlermühle, (1) Säntisstraße 10 und Buchsteinweg 32/34, ist eine der wenigen erhaltenen Mühlen in Berlin. Außerhalb der Akzisemauer gab es 1850 noch 77 Windmühlen, die heute bis auf wenige Ausnahmen verschwunden sind. Die als Lohmühle betriebene Holländer-Windmühle stand seit 1759 an der Lohmühlenstraße vor dem Köpenicker Tor nahe dem Landwehrkanal und belieferte die dort ansässigen Lederfabriken. (2) Die Windmühle brannte mehrfach ab, wurde aber immer wieder erneuert, zuletzt 1831. Weil die Großstadt im 19. Jahrhundert immer weiter vorrückte und der Wind nicht mehr frei einstreichen konnte, wurde die Mühle 1888 nach Mariendorf versetzt. (3) Damals war die Mariendorfer Feldmark noch nicht bebaut. Der massive achtseitige Unterbau wurde von Friedrich Hillerkus, Architekt in Friedenau, neu errichtet. Der Mühlenbesitzer Friedrich Wilhelm Hänsch übertrug den traditionellen Namen "Adlermühle", den seine Bockwindmühle auf dem Prenzlauer Berg getragen hatte, auf die neue Anlage in Mariendorf. Die Holländer-Windmühle besteht aus einem aus Backstein gemauerten achtseitigen Unterbau und einem mit Holzschindeln verkleideten Fachwerkaufsatz. Die drehbare Haube, die auf eisernen Rollen läuft, lässt sich mit dem Sterz bewegen, einem langen Holzbalken, der mit der Haube fest verbunden ist. Um den massiven Unterbau zieht sich eine hölzerne Galerie, die so angeordnet ist, dass man die Enden der Windmühlenflügel erreichen kann. Der gusseiserne preußische Adler über dem Eingang wurde vermutlich von der alten Adlermühle übernommen. Die künstlerische Gestaltung des Adlers geht auf einen Entwurf zurück, den Karl Friedrich Schinkel für den Sockelschmuck der Feldherrendenkmäler Unter den Linden vorgelegt hatte. Bis 1931 hat man in der Adlermühle mit Windkraft, dann mit elektrischem Antrieb Korn gemahlen. Flügel, Windrose und Galerie verschwanden in der Nachkriegszeit. (4) Bis 1959 war die Adlermühle in Betrieb. 1968 wurde die leer stehende Mühle vom Schwimmverein "Friesen 1895" e.V. als Vereinshaus übernommen. Der Verein sorgte für eine denkmalgerechte Sanierung des Bauwerks. 1975 wurde die Galerie erneuert, 1982 erhielt die Windmühle neue Flügel und statt der Windrose, der ursprünglichen Konstruktion entsprechend, einen Sterz. (5)


(1) Rieseberg, Hans Joachim: Mühlen in Berlin, Berlin 1983, S. 96-97; Herzberg, Heinrich/Rieseberg, Hans Joachim: Mühlen und Müller in Berlin, Berlin 1986, S. 228-231; Dehio Berlin 2000, S. 419.

(2) In einer Lohmühle wurde Baumrinde gemahlen, um das für die Lederherstellung benötigte Gerbmittel zu gewinnen.

(3) Der massive Unterbau, der am alten Standort stehen blieb, wurde bis 1932 als Kontor eines Kohlenlagerplatzes genutzt.

(4) Zwei Flügelspitzen wurden bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört, die übrigen Holzteile hat man nach 1945 abmontiert und zu Brennholz verarbeitet.

(5) 1995 und 1997 brachen zwei Flügel. Die Ruten wurden in Stahlblech erneuert.

Literatur:
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 188f.