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Kapelle und Einfriedung des Kirchhofs Mariendorf II

Obj.-Dok.-Nr.: 09055065
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Mariendorf
Strasse: Friedenstraße
Hausnummer: 14
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Friedhofskapelle & Einfriedung & Remise
Datierung: 1884 & 1905-1906
Bauherr: Evangelische Kirchengemeinde Mariendorf

Die Friedenstraße wurde um 1900 anstelle eines alten Wegs hinter dem Gartenland der Dorfbewohner angelegt, um das Gelände südlich des Dorfkerns für die Bebauung zu erschließen. Schräg gegenüber der Dorfkirche, an der Friedenstraße 14, ließ die evangelische Kirchengemeinde 1884 den Kirchhof Mariendorf II anlegen, denn der alte Kirchhof an der Dorfkirche war zu klein geworden.

Die 1936 nach Westen vergrößerte Anlage weist eine geometrische Gliederung und Baumalleen aus überwiegend Linden und Eichen auf. Sie diente auch als letzte Ruhestätte lokaler Persönlichkeiten wie des Mariendorfer Bürgermeisters Dr. Karl Prühß (gest. 1914), des Malers Prof. Georg Tippel (gest. 1917), des Landschaftsgärtners Carl Weigelt (gest. 1920) oder des Sängers Julius Demuth (1934).

Östlich der Hauptallee errichtete Carl Roemert 1905-06 die Friedhofskapelle des Kirchhofs Mariendorf II. (1) Der Architekt war Direktor der Baugewerksschule in Berlin, er hatte viele Jahre für den Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann gearbeitet und 1904 das Rathaus der Gemeinde Mariendorf entworfen. In Anlehnung an die märkische Backsteingotik gestaltete Carl Roemert einen künstlerisch überzeugenden, maßvoll komponierten Backsteinbau, der sich aufgrund der qualitätvoll ausgeführten architektonischen Details mit seinen mittelalterlichen Vorbildern messen kann. Die neugotische Friedhofskapelle besteht aus einem rechteckigen Saal mit Satteldach, akzentuiert durch einen Dachreiter mit kupfergedeckter Turmspitze, und einer polygonal gebrochenen Apsis, der eine kleine Leichenhalle vorgesetzt ist. Von den rot leuchtenden Backsteinwänden über einem Sockel aus Rüdersdorfer Kalkstein heben sich die weiß verputzten Rücklagen kontrastreich ab. Der Staffelgiebel der Eingangsseite, durch turmartig verlängerte Pfeiler vertikal gegliedert, ist dem spätgotischen Nordgiebel des Altstädtischen Rathauses in Brandenburg an der Havel nachempfunden. Hinter dem Staffelgiebel folgt eine zweite Giebelschicht, wobei kleine krabbenbesetzte Giebelfelder mit Rosetten und weiß verputzten Rücklagen eine reizvolle Bekrönung ausbilden. Das Giebelmotiv wiederholt sich über dem spitzbogigen Haupteingang. Die Minuskelinschriften am Gewände des Kapelleneingangs und die aus Formsteinen zusammengesetzten Ornamentflächen links und rechts neben dem Giebeldreieck sind typische Elemente spätgotischer Architektur. (2)


(1) BusB X A (3), S. 52, 109. Die Kapelle ersetzte einen älteren Vorgängerbau des 19. Jahrhunderts.

(2) Die Inschriften mit gotischen Minuskelbuchstaben sind aus gesondert angefertigten Formsteinen zusammengesetzt. Die linke Inschrift lautet: "ich : lebe : und : ihr : sollt : auch : leben : Joh : 14 : v/19" (aus dem Johannesevangelium, Kapitel 14, Vers 19). Die rechte Inschrift lautet: "der : tod : ist : verschlungen : in : den : sieg : cor 15/v55" (aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 15, Vers 55).

Literatur:
  • BusB X A 3 1981 / Seite 109
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 160ff.