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Anatomisches Theater

Obj.-Dok.-Nr.: 09055030
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Luisenstraße
Hausnummer: 56
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Hochschule
Datierung: 1787-1790
Umbau: 1874
Umbau: 1935
Entwurf: Langhans d. Ä., Carl Gotthard (Architekt)
Entwurf: Emmerich, Julius (Architekt)
Entwurf & Ausführung: Rode, Berhard
Bauherr: Friedrich Wilhelm II.

Carl Gotthard Langhans bestimmte als Bauplatz für das 1789-90 erbaute Anatomiegebäude der Tierarzneischule, das so genannte Anatomische Theater, eine kleine Anhöhe auf dem größeren westlichen Teil des Grundstückes zwischen Panke und Charitégelände. (1) Er berücksichtigte bei seiner Gestaltung die Lage in der freien Landschaft und schuf ein an Palladios Villa Rotonda erinnerndes Gebäude, das sich nach allen Seiten dem umgebenden Garten öffnete. Höhenniveau und Modellierung des Geländes haben sich im Laufe der Zeit durch Aufschüttungen, die Verlegung der Panke und neue Wegebeziehungen derart verändert, dass das Anatomische Theater heute tiefer als die umgebende Bebauung in einer Senke steht und damit seine ursprüngliche Wirkung verloren hat.

Der streng gegliederte zweigeschossige Putzbau über quadratischem Grundriss mit dreiachsigen Mittelrisaliten, übergiebeltem Portalbau mit eingestellten toskanischen Säulen ist mit seinem runden Mittelsaal und Lichttambour als Zentralbau angelegt. Besondere Beachtung fand unter den Zeitgenossen die Verwendung der Bohlendachkonstruktion für die Kuppel. David Gilly hat diese damals wohl in Deutschland erstmalig angewandte, sehr ökonomische und relativ leicht zu bauende Konstruktion 1797 in seinem Lehrbuch über die Konstruktion von Bohlendächern publiziert. (2)

Im Innern ist noch die ursprünglich symmetrische Raumanordnung um den zentralen Kuppelsaal ablesbar. Von der originalen Ausstattung zeugen der große Hörsaal und die Haupttreppe mit Foyer. Der Hauptraum des Anatomischen Theaters hat durch die Anordnung der ansteigenden Sitzreihen die Form eines überdeckten Amphitheaters. Die neogotisch-chinoisen Mischformen der filigranen Holzgitter des Gestühls werden in der gemalten Architekturgliederung der großen Kuppelfläche fortgeführt. Zwischen den halbrunden Kuppelfenstern weisen Darstellungen von Hirten mit ihren Viehherden auf den Nutzen des Gebäudes für einen gesunden Tierbestand hin. Die Grau-in-Grau-Malerei von Bernhard Rode war ursprünglich in Freskotechnik ausgeführt worden, wurde aber bei der Restaurierung 1970 mit Leimfarben übermalt.

Die Weiterentwicklung der pathologisch-anatomischen Forschungen und die Vergrößerung der Präparatesammlung erforderten 1873 den Neubau einer "Obductionshalle", die Medizinalrat Andreas Christian Gerlach, der 1870 Direktor der Tierarzneischule geworden war, in Auftrag gab. (3) Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten wurde der Baumeister Julius Emmerich mit dem Entwurf des Anbaues beauftragt, den Walther Wolff 1935 noch um eine neue Schlachthalle und eine Wohnung erweiterte.

Der Architekt Carl Gotthard Langhans hatte mit seinem Brandenburger Tor von 1788-91 den entscheidenden Übergang vom Barock zum Frühklassizismus vollzogen. Die Tieranatomie, die zeitgleich mit diesem Meisterwerk entstanden ist, hat ebenfalls am Ende des 18. Jahrhunderts Aufsehen erregt und den klassizistischen Formenkanon dieser Zeit in Berlin mit beeinflusst.


(1) Vgl. Riesenfeld 1911; Die Gebäude werden heute von verschiedenen Berliner Universitäten genutzt unter anderem von der Veterinärmedizinische Fakultät der Freien Universität.

(2) Vgl. Gilly 1797.

(3) Archiv der Humboldt-Universität, Bestand Tierärztliche Hochschule, Nr. 101.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 319
  • BusB II/III 1896 / Seite 280-281
  • N.N./ Die Geschichte der Kgl. Tierärztlichen Hochschule in
    Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 29 (1912) / Seite 94-99
  • Die Thierärztliche Hochschule zu Berlin 1790-1890, Festschrift, hrsg. v. Schütz, 1890 175 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät Berlin, 1790-1965 in
    Wissenschaftliche Zeitschrift der HU Berlin (1965) / Seite Sonderband
  • Riesenfeld, E.P./ Das alte Anatomiegebäude der Kgl. Tierärztlichen Hochschule in Berlin in
    Zeitschrift für Bauwesen 61 (1911) / Seite Sp.538-550 (darin Quellenangaben, Abbildungsnachweis).
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 613 f.