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Lehrgebäude der Tierarzneischule

Obj.-Dok.-Nr.: 09055025
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Luisenstraße
Hausnummer: 56
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Hochschule
Datierung: 1838-1840
Umbau: 1874
Umbau: 1907
Entwurf: Hesse, Ludwig Ferdinand (Architekt)
Bauherr: Friedrich Wilhelm IV.

Bereits seit 1829 gab es Pläne für die Erbauung eines neuen Lehrgebäudes der Tierarzneischule, da das alte Wohn- und Lehrgebäude östlich der Panke den gewachsenen Ansprüchen von Wissenschaft und Ausbildung nicht mehr genügte und baufällig war. Jedoch verzögerte sich die Bauausführung aufgrund finanzieller Probleme und der geforderten Überarbeitung der Entwürfe bis 1838. Die Pläne wurden 1833 dem Oberbaudirektor Karl Friedrich Schinkel vorgelegt, der Einfluss auf die Grundrissgestaltung nahm. Es ist zu vermuten, dass Ludwig Ferdinand Hesse, der letztlich mit dem Bau beauftragt wurde, die vorhandenen Zeichnungen für seinen Entwurf von 1838 berücksichtigt hat. 1840 war das Gebäude fertig gestellt. Wie schon beim Anatomischen Theater war auch hier der Entwurf einem Architekten des Königlichen Hofes übertragen worden.

Die dreigeschossige Anlage über U-förmigem Grundriss mit Mittelbau und Seitenflügeln entfaltet sich um einen Ehrenhof an der Luisenstraße. Innerhalb des ebenfalls um 1840 zu einem englischen Landschaftsgarten umgestalteten Parks war sie in die Sichtachsen wie ein klassizistisches Schlossgebäude eingefügt. Der erhöhte dreiachsige Mittelbau wird durch hohe Rundbogenfenster und die Fensterarkade des Drempelgeschosses gegliedert. Das Relief im Tympanon, der plastische Schmuck und die Reliefbüsten in den Zwickeln der Rundbogenfenster, Arbeiten des Bildhauers Ludwig Wichmann, heben die Bedeutung des Mittelbaus als Hauptgebäude der damaligen Tierarzneischule hervor. Die schlichte Gliederung der Seitenflügel mit Putzquaderung und geraden Fensterverdachungen entspricht der ursprünglichen Nutzung dieser Gebäudeteile als Wohnungen. Diese Anlage gehört neben den Bauten Schinkels zu den bedeutendsten Gebäuden des Klassizismus, die in Berlin erhalten sind.

Unter der Leitung des Königlichen Bauinspektors Hesse begann 1838-39 im Zuge der Neugestaltung des Gartens die klare räumliche Trennung von Lehr- und Wohnbereich an der Luisenstraße und dem Klinikareal auf dem nordöstlichen Gartenteil an der Philippstraße. Über die Umgestaltung der Anlagen in einen englischen Landschaftsgarten schrieb Hesse 1843: "Der übrige Theil des Gartens wurde nach Beendigung der Neubauten durch die gefällige Mitwirkung des königl. Garten-Direktors Herrn Lenné nach der im Situationsplan angegebenen Zeichnung auf geschmackvolle Art umgeschaffen." (1) Die Beteiligung von Peter Joseph Lenné ist bisher nicht weiter belegt. Es kann aber angenommen werden, dass Lenné als Generaldirektor der königlichen Gärten in Preußen, der sowohl für die Gärten der Charité als auch für den Platz am Neuen Tor Pläne erstellt hatte, ebenfalls die Entwürfe für den Tierarzneischulgarten mit Ludwig Hesse abgestimmt hat.


(1) Vgl. Hesse 1843.

Literatur:
  • Allgemeine Bauzeitung 8 (1843) / Seite S. 20-27
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite S. 319
  • Architekturführer Berlin, 1991 / Seite S. 361
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 614 f.