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Schloßkirche Buch

Obj.-Dok.-Nr.: 09050466
Bezirk: Pankow
Ortsteil: Buch
Strasse: Alt-Buch
Hausnummer: 37
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev.
Datierung: 1731-1736
Umbau: 1953
Entwurf: Diterichs, Friedrich Wilhelm (Baumeister & Oberbaudirektor)
Bauherr: Viereck, Adam Otto von (Minister & Gutsherr)

Den Mittelpunkt des Dorfkerns bildet seit Jahrhunderten die Kirche. Die 1950-53 nach Kriegszerstörung ohne den Turmaufbau wiederhergestellte Schlosskirche Buch, Alt-Buch 37, fällt in ihrer aufwändigen barocken Gestaltung aus dem üblichen Rahmen der Berliner Dorfkirchen. Der imposante Kirchenbau mit dem umgebenden Friedhof lässt auf eine besondere Bedeutung des Ortes oder des Besitzers des Gutes schließen. Die 1731-36 von Friedrich Wilhelm Diterichs im Auftrag des damaligen Gutsherrn Adam Otto von Viereck errichtete Schlosskirche zeugt vom Repräsentationsanspruch des begüterten preußischen Staatsministers unter König Friedrich Wilhelm I. Nachdem von Viereck 1724 Dorf und Gut erworben hatte, ließ er zuerst das Gutshaus zum Schloss ausbauen und dann die alte Fachwerkkirche, die wegen Baufälligkeit 1731 abgerissen werden musste, durch einen Neubau ersetzen. Nur die Gruft, die um 1650 unter dem Chor der ersten Kirche eingebaut worden war, blieb erhalten. Viereck wählte für diese Aufgabe den jungen Baubeamten Friedrich Wilhelm Diterichs, der später zu einem der bedeutendsten Baumeister des Barock in Preußen avancierte. (1)

Für die neue Kirche in Buch, die sowohl Schloss- als auch Dorfkirche sein und sich in die Gesamtgestaltung von Gutshof und Park einfügen sollte, entwarf Diterichs einen Zentralbau auf ostwestlich gestrecktem, kreuzförmigem Grundriss mit Kuppel und oktogonalem Turmaufsatz über der Vierung. Den rot verputzten Außenbau gliederte er effektvoll durch weiß gestrichene toskanische Halbsäulen und Pilaster mit Triglyphengebälk, zwei Reihen weiß gerahmter Fenster - die oberen rund, die unteren segmentbogig geschlossen - und schmückte ihn mit Skulpturen und Vasen auf der Attika sowie einem Dreiecksgiebel über dem Eingangsrisalit. Bis auf den Turm und die Attikabekrönungen zeigt sich der Außenbau heute nahezu in seiner ursprünglichen Gestalt. Putz und Gliederung der Fassaden, der Strahlenkranz im Giebelfeld mit der hebräischen Inschrift "Jahwe" und die Stifterkartusche über der Tür wurden 1995-2000 umfassend restauriert. (2)

Der Innenraum hingegen ist seit dem Wiederaufbau der 1950er Jahre deutlich nüchterner gestaltet: Das hohe Kuppelgewölbe wurde flacher ausgeführt, die Wände weiß gestrichen, der Boden mit bräunlichen Fliesen bedeckt. Es fehlen die reichen Stukkaturen und Malereien der Kuppel sowie die holzgeschnitzten Emporen in den Kreuzarmen, von denen die nördliche mit dem großen Ovalfenster als Patronatsloge gedient hatte. Vom prachtvoll geschnitzten Kanzelaltar nach Entwurf von Diterichs sind nur der Kanzelkorb und der Altartisch erhalten, die nun frei im Raum stehen. Das barocke Orgelgehäuse des Orgelbauers Johann Michael Röder von 1742-44 kam aus der Heiliggeistkapelle in Prenzlau nach Buch. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war es für die Schlosskirche vorgesehen, konnte aber erst 1962 mit einem neuen Orgelwerk der Potsdamer Firma Alexander Schuke eingebaut werden. (3) Von den wenigen Resten der originären Ausstattung ist das Prunkstück ein skulpturengeschmücktes Marmorepitaph für den 1758 verstorbenen Bauherrn. Das letzte Werk des Bildhauers Johann Georg Glume, einem Schüler von Andreas Schlüter, war vom Schwiegersohn Vierecks 1763 in Auftrag gegeben worden. Der asymmetrisch bewegte, architektonische Aufbau aus grauem Marmor besteht aus einer ornamental verzierten Vitentafel, die umrahmt ist von Wappen und Vasen, einem geflügelten Chronos sowie einer weiblichen Figur als Allegorie der Wahrheit mit Maske und (verlorener) Leuchte aus weißem Marmor. Den oberen Abschluss bildet die Büste des Verstorbenen, von Putten begleitet. Damit vereint die Kirche die Werke zweier bedeutender Künstler aus dem 18. Jahrhundert.


(1) Friedrich Wilhelm Diterichs (1702-1782) schuf in Berlin u.a. das Prinzessinnenpalais, das Ephraimpalais und die Bethlehemskirche. Beim Schloss Sanssouci ergab sich eine Zusammenarbeit mit Knobelsdorff für den Bau der Terrassenanlage. Die Zeichnungen für die Bauausführung der Bucher Schlosskirche fertigte Konrad Wisendt, ein Schüler Diterichs, an. Vgl. Krüger 1994, S. 116 ff.

(2) BusB VI, S. 30 f., 354; Beeskow, Hans-Joachim: Führer durch die Evangelische Kirche in Berlin-Buch, Berlin 2005; Schulz, Sibylle: Sicherung und Instandsetzung des Kirchhofensembles Alt-Buch - eine Zwischenbilanz. In: Großstadtdenkmalpflege, Erfahrungen und Perspektiven, Jahrbuch 1996. Hg.v. Landesdenkmalamt Berlin. Berlin 1998, S. 89 f. Die Dachdeckung in Kupferblech wurde in den 1980er Jahren ausgeführt.

(3) Ursprünglich stand in der Schlosskirche die ehemalige Hausorgel der Prinzessin Amalie aus dem Palais Unter den Linden. 1788 hatte der Gutsbesitzer von Voss diese Orgel gekauft und der Bucher Kirche geschenkt. Nach der Restaurierung der Kirche im Jahre 1938 wurde sie verkauft und steht seit 1960 in der Kirche zur frohen Botschaft" in Berlin-Karlshorst. Vgl. BusB VI, S. 354; Beeskow, H.-J.: Führer durch die Evangelische Kirche in Berlin-Buch, Berlin 2005.

Literatur:
  • Dehio, Berlin und Potsdam, 1983 & Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, Berlin 1987 & Topographie Buch, 2010 / Seite .
  • Pfannschmidt: Vororte Buch und Karow, 1927 / Seite .
  • Beeskow, Hans-Joachim: Führer durch die evangelische Kirche in Berlin Buch, 2005 / Seite 85ff.
  • Topographie Buch, 2010