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Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau (VWS)

Obj.-Dok.-Nr.: 09050433
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Müller-Breslau-Straße & Tiergartenufer & Schleuseninsel
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Forschungseinrichtung
Entwurf: 1901
Datierung: 1903-1904
Umbau: 1927-1930 & 1951-1964 & 1969-1974
Entwurf: Boes, Christian de (Ingenieur)
Entwurf: Leo, Ludwig (Architekt)
Entwurf: Thür & Nießigbrodt
Entwurf: Körner
Bauherr: Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau (VWS)

Die Schleuseninsel, geteilt durch den Viadukt der Stadtbahn, ist nach der Unterschleuse des Landwehrkanals benannt. Auf der Insel, die von der Müller-Breslau-Straße über einen Steg zu erreichen ist, breiten sich die Bauten der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffsbau aus. Die 1903 gegründete Forschungseinrichtung, die Schiffsformen und -antriebe untersucht, hat wesentlich zur Entwicklung und Verbesserung der Schiffstechnik beigetragen. Bereits 1903-04 entstand die lang gestreckte Versuchsrinne, die 1961-64 zu einem Wasserumlaufkanal umgebaut wurde. Der halbrunde Kopfbau mit einer flächigen Backsteinverkleidung und einem umlaufenden Fensterband unter dem Dach ragt wie eine Bastion in den Landwehrkanal hinein. An der Südseite der Schleuseninsel wurde 1928-30 ein Wasserbaulaboratorium, die "Südhalle" errichtet, die sich im Erdgeschoss mit großen Bogenfenstern zum Wasser öffnet. Über den Institutsbauten ragt der 1968-76 errichtete Umlaufkanal auf, der durch seine ungewöhnliche, eigenwillige Architektur auf sich aufmerksam macht. (1) Ludwig Leo entwarf einen futuristischen Industriebau in poetischer Farbigkeit, dessen bildhaft sprechende Konstruktion er unmittelbar aus den technischen Anforderungen entwickelt hat. Das Umlaufrohr für Strömungsversuche wurde nicht, wie sonst üblich, horizontal angeordnet, sondern vertikal aufgerichtet, sodass es als "urbane Skulptur" sichtbar ist. Das mächtige Umlaufrohr durchdringt ein Laborgebäude, das auf einem Stahlgerüst ruht. Ludwig Leo kennzeichnete die verschiedenen Funktionsbereiche durch eine kräftige Farbgebung. Das Rohr des Umlaufkanals wurde rosa gestrichen, während das kastenförmige Laborgebäude mit blauen Aluminiumplatten verkleidet ist. Im Rohrkreislauf befindet sich eine Turbine, die den Wasserstrom in das Laborgebäude lenkt, wo Strömungsmessungen und -versuche durchgeführt werden. Im weltweit größten Umlauftank können schiffstechnische Modelle, aber auch Objekte in Originalgröße der Strömung ausgesetzt werden.


(1) Ullmann, Gerhard: Die Poesie des Banalen. Ein Umlauftank in Berlin. In: Deutsche Bauzeitung 126 (1992), Heft 1, S. 76-79; Ruby, Andreas: Bildlichkeit der Formen. Der Umlaufkanal der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau von Ludwig Leo. In: Das XX. Jahrhundert. Ein Jahrhundert der Kunst in Deutschland. Architektur in Berlin. Hrsg. v. Andres Lepik und Anne Schmedding. Köln 1999, S. 88-89; Dehio Berlin 2000, S. 449.

Literatur:
  • Katamon Exposé / Seite 178
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005