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Theater- und Vortragssaal der Urania-Gesellschaft

Obj.-Dok.-Nr.: 09050426
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Invalidenstraße
Hausnummer: 58
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Saalbau
Datierung: 1888-1889
Umbau: 1968
Entwurf: Spieker, Paul Emmanuel (Architekt)
Entwurf: Andree
Entwurf: Ditmar
Bauherr: Urania AG

Auf dem Geländestreifen gegenüber der Heinrich-Zille-Siedlung haben sich seit den 1960er Jahren mehrere Behörden und Verwaltungseinrichtungen von Polizei und Justiz angesiedelt. Dazu gehört auch das Dienstgebäude der Polizeidirektion Tiergarten, Invalidenstraße 58, das 1963-66 von Gerhard Rümmler errichtet wurde. (1) Betrachtet man die moderne Backsteinfassade, dann ist kaum zu vermuten, dass dahinter der alte Theater- und Vortragssaal der Urania-Gesellschaft erhalten ist. (2) Der Saal gehört zum 1888-89 an diesem Standort erbauten alten Uraniagebäude. Sein Architekt Paul Emmanuel Spieker war im Bau wissenschaftlicher Institute sehr erfahren. (3) Als Bauherr trat die Urania-Gesellschaft auf. Die auf Betreiben der Astronomen Wilhelm Foerster und Max Wilhelm Meyer gegründete Vereinigung verfolgte das Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse anschaulich in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Das Uraniagebäude beherbergte eine Sternwarte, einen hufeisenförmigen Theatersaal und einen großen Ausstellungssaal an der Invalidenstraße. Dort wurden unterschiedliche wissenschaftliche Vorträge, Ausstellungen und Vorführungen angeboten. Mit dem Observatorium, der weltweit ersten Volkssternwarte, trug die Urania maßgeblich zur Popularisierung der Astronomie bei. Dieser Bauteil war massiv ausgeführt, während Theater- und Ausstellungssaal als Eisenfachwerkkonstruktionen ausgebildet waren. Das kriegsbeschädigte Uraniagebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg notdürftig wieder hergestellt, dann aber abgebrochen. (4) Erhalten blieb nur der Theater- und Vortragssaal, der in das Dienstgebäude der Polizei als Hörsaal integriert wurde. Der 1968 restaurierte Innenraum, umgeben von einer geschwungenen Empore, besticht vor allem durch sein Deckengemälde. In fein abgestimmten matten Farben spannt sich ein vielfältig gegliederter Himmel mit Darstellungen der zwölf Tierkreiszeichen über den Zuschauerraum. Die Deckengestaltung vergegenwärtigt den Bildungs- und Fortschrittsglauben der Urania, war doch die Gründung der Gesellschaft mit der Absicht verbunden, ein breites, vom sozialen und technischen Fortschritt überzeugtes Publikum mit den Naturwissenschaften und den Gesetzen der Technik vertraut zu machen.


(1) BusB III, S. 68.

(2) Brand, Albano: Das Unternehmen der Gesellschaft Urania zu Berlin. In: Der Bär 16 (1889/90), S. 571-575, 584-585, 594-597, 613-615; Das Schau-Gebäude der Gesellschaft der Urania in Berlin. In: Deutsche Bauzeitung (23) 1889, S. 37-38; BusB 1896 Bd. 2, S. 244-246; Wirth 1955, S. 83; Lührs, Otto: Die Urania. In: Schwarz 1981, Bd. 1, S. 393-398; Reissig, Harald: Die alte Urania, Invalidenstraße 58. In: Geschichtslandschaft 1987, S. 356-365.

(3) Paul Emmanuel Spieker (1826-1896) errichtete unter anderem die alte Universitätsbibliothek, Dorotheenstraße 28, 1871-74; die Institutsgebäude der Humboldt-Universität, Dorotheenstraße 94-95,1873-78, das Pharmakologische Institut, Dorotheenstraße 34 A, 1879-83, und das Observatorium auf dem Telegrafenberg in Potsdam, 1876-77.

(4) 1906 wurde das Gebäude vom Staat übernommen. Die Volksstemwarte blieb jedoch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs öffentlich zugänglich. Nach Veräußerung an den Staat nahm die Staatliche Hauptstelle für den naturwissenschaftlichen Unterricht dort ihren Sitz. Nach 1945 ging sie in die Pädagogische Hochschule über und blieb im wiederhergestellten alten Uraniagebäude bis Ende der 1950er Jahre ansässig. Seit 1954 leben die Urania-Ideale in der neu gegründeten Deutschen Kultur-Gemeinschaft Urania fort, die 1962 ihr eigenes Haus an der Kleiststraße 13/14 beziehen konnte.

Literatur:
  • BusB II/III 1896 / Seite 244-246
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 83
  • Berlin/ Residenzstadt, 1981 / Seite 393-398
  • Reissig, Harald/ Die alte Urania =Geschichtslandschaft, Tiergarten 2, 1987 / Seite 356-365
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 254f.