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Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz

Obj.-Dok.-Nr.: 09050409
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Potsdamer Straße
Hausnummer: 33 & 35 & 37
Strasse: Reichpietschufer
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bibliothek
Entwurf: 1963
Datierung: 1964-1978
Entwurf: Scharoun, Hans (Architekt)
Bauherr: Bundesbaudirektion

Das Kulturforum wird von der 1967-78 erbauten Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz an der Potsdamer Straße 33 begrenzt. (1) Das Gesamtkunstwerk von Architektur und Raumkunst, das sich durch seine überragende ästhetische Qualität auszeichnet, geht auf einen 1964 vorgelegten Entwurf Hans Scharouns zurück. Der Architekt konnte die Fertigstellung allerdings nicht mehr erleben. Die Staatsbibliothek wurde erst 1978 vollendet. Das lang gestreckte Gebäude besteht aus terrassenartigen Bauteilen, wobei die steil ansteigende Rückseite die geplante, aber niemals ausgeführte Stadtautobahn begrenzen sollte. Dem hoch aufragenden elfgeschossigen Büchermagazin, verkleidet mit golden schimmernden Aluminiumplatten, sind die öffentlichen Bereiche vorgelagert, die sich in drei Stufen zur Potsdamer Straße abtreppen. An die Lesesäle schließen sich der Vortragssaal und das Ibero-Amerikanische Institut Preußischer Kulturbesitz an, während die Skulpturenterrasse im Süden der gegenüberliegenden Neuen Nationalgalerie antwortet. Durch die Eingangshalle gelangt man über rampenartige Treppen zu einem großzügigen Foyer, von dort erreicht man den lichtdurchfluteten, bandartigen Lesesaal, der als "Binnenlandschaft" gestaltet ist. Das labyrinthische Innere, gegliedert durch Treppen und Galerien, mit Bullaugenfenstern, Kugelleuchten und Marmorbrüstungen sorgt für ein überwältigendes Raumerlebnis. Neuartig war die Idee, die Handbibliotheken und Arbeitsplätze auf balkonartigen Ebenen anzuordnen. Die Sonderlesesäle wurden nicht, wie bisher üblich, räumlich abgetrennt, sondern in den fließenden Raum integriert. Außen ist der Lesesaal an der Sheddachkonstruktion zu erkennen. Unter den Sheds hängen kugelförmige Kunststoffkörper, durch die das Tageslicht fällt und mit denen Kunstlicht beigegeben werden kann. Die vielen Materialien, vor allem Holz, Marmor und Kunststoff, sorgen für ein spannungsvolles Spiel der Oberflächen. Die künstlerische Ausstattung ist unmittelbar auf den jeweiligen Raum abgestimmt, sodass die Grenzen zwischen Architektur und Raumgestaltung verfließen. Der Natursteinboden in der Eingangshalle geht auf Erich F. Reuter zurück. Günter Ssymmank gestaltete die verschiedenen Kunststofflampen. Im lang gestreckten Foyer dient ein plastisch auskragender Kubus als Bildträger für ein abstraktes Wandbild von Erich Hauser.


(1) Projektzeichnungen für die neue Staatsbibliothek in Berlin. In: Bauwelt 58 (1967), S. 1015-1021; Sitte, Fritz Moritz: Neubau Staatsbibliothek Berlin. In: Die Bauverwaltung 51 (1978), S. 476-483; Staatsbibliothek Berlin. In: Bauwelt 70 (1979), Heft 1 (mit mehreren Beiträgen); Blundell Jones, Peter: Hans Scharoun. Eine Monographie. Stuttgart 1980, S. 106 ff.; Hans Scharoun. Bauten, Entwürfe, Texte. Hrsg. v. Peter Pfankuch. 2. Auflage Berlin 1993, S. 336-355; Syring, Erhard: Durchdringung zweier Sphären. Die Staatsbibiliothek von Hans Scharoun. In: Das XX. Jahrhundert. Ein Jahrhundert der Kunst in Deutschland. Architektur in Berlin. Hrsg. v. Andres Lepik und Anne Schmedding. Köln 1999, S. 78-79; Dehio Berlin 2000, S. 436-437.

Literatur:
  • Wisniewski in Bauwelt 70 (1979) 1 Sack, Manfred in Die Zeit / Seite 15.12.1978
  • Wormit = / Seite 05.11.1978
  • Kühne in Tagesspiegel / Seite 14.12.1978
  • Architekturführer Berlin, 1994 / Seite Nr.126
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 234
  • Wisniewski, Edgar, Die Berliner Philharmonie und ihr Kammermusiksaal, Berlin 1993 / Seite 145-151 (mit ausf. Lit-Angaben)
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 119f.