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Mietshaus Kirchstraße 2

Obj.-Dok.-Nr.: 09050401
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Kirchstraße
Hausnummer: 2
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1877-1878
Umbau: 1907 & 1935
Entwurf & Ausführung: Wendler, Julius (Architekt)
Bauherr: Wendler, Julius (Architekt)

Julius Wendler, der die Häuser [Kirchstraße 2 und Kirchstraße 3] 1877-78 als Architekt und Bauherr errichtete, strebte ein einheitliches Erscheinungsbild seiner Wohngebäude an, zu denen auch das heute völlig entdekorierte Eckhaus Kirchstraße 1 und Alt-Moabit 107 gehörte, denn auch diese Grundstücke lagen im vornehmen bürgerlichen Quartier Moabits. Für die Fassaden wählte Julius Wendler einen an die florentinische Architektur des Quattrocento angelehnten Renaissancestil, der die einzelnen Mietshäuser als zusammenhängende Hausgruppe erscheinen lässt. Elemente dieser Stilrichtung, die Karl Friedrich Schinkel mit dem 1833 vollendeten Palais Redern am Pariser Platz in Berlin eingeführt hatte, die man aber im Mietshausbau nur selten nutzte, sind die betont waagerechte Gliederung mit kräftigen Gesimsen, die gleichmäßige Anordnung der Rundbogenfenster und das Zusammenfassen der Geschosse mittels einer wuchtigen Quaderung. Alle diese Merkmale sind auch in der Kirchstraße zu sehen, wobei die beiden gequaderten Stockwerke über dem Erdgeschoss an die Fassadengestaltung des Palazzo Pitti in Florenz erinnern. Bei der letzten Instandsetzung wurde das fünfte Geschoss vereinfacht. Dabei ging auch der vollplastische Bauschmuck - Koren zwischen den Fenstern - verloren. Eine Besonderheit ist die Anlage eines Mittelflügels anstelle der üblichen Seitenflügel. Dieser in Berlin wenig verbreitete Grundriss sollte für eine bessere räumliche Zuordnung der hinteren Wirtschafts- und Schlafräume sorgen, erwies sich jedoch aufgrund der benötigten größeren Straßenfront und der nachbarlichen Zustimmung zur Anlage gemeinsamer Höfe häufig als unwirtschaftlich. (1) Bei den Mietshäusern in der Kirchstraße werden die Wohnungen über ein zentrales Treppenhaus mit Oberlicht erschlossen, wobei in der Straßenmitte des Vorderhauses ein vom Treppenhaus zugängliches frei verfügbares Zimmer lag. Die beiden großen Wohnungen pro Stockwerk mit jeweils fünf bis sechs Zimmern hat man bereits in den 1930er Jahren aufgeteilt.


(1) BusB 1877, Bd. 2, S. 472.

Literatur:
  • Monke, Grundrißentwicklung des Berliner Mietshauses, 1968 / Seite 37,89
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 163
  • Katamon Exposé / Seite 210f.
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005