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Mietshausgruppe Lehrter Straße 6 & 7 & 8 & 9 & 10

Obj.-Dok.-Nr.: 09050389
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Lehrter Straße
Hausnummer: 6 & 7 & 8 & 9 & 10
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Mietshausgruppe
Datierung: 1871-1873
Entwurf: Brisgen & Stute & Lauenburg (Architekt)
Ausführung: Lauenburg (Baumeister & Maurermeister)
Bauherr: Magdeburg-Halberstädter-Eisenbahngesellschaft

Das viergeschossige Wohnhaus für Eisenbahnbeamte auf dem Grundstück Lehrter Straße 6-10 wurde in drei Bauabschnitten zwischen 1871 und 1873 von der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft errichtet. (1) Das Unternehmen betrieb die 1871 eröffnete Eisenbahnstrecke von Berlin über Rathenow nach Lehrte bei Hannover. (2) Für die Gestaltung der Wohnanlage waren bei der Eisenbahngesellschaft angestellte Baubeamte verantwortlich. Abteilungsbaumeister Brisgen entwarf die ersten beiden Abschnitte, Baudirektor Stute den letzten Abschnitt, während Maurermeister Lauenburg die Ausführung aller Bauteile besorgte. Das unverputzte, blockhafte Wohnhaus wendet sich mit seiner weithin sichtbaren Längsfront einer kurzen Stichstraße zu. Es handelt sich um ein Reststück der alten Turmstraße, die durch den Exerzierplatz zerteilt wurde. Die sparsam dekorierten Fassaden, verkleidet mit gelben und roten Ziegeln, sind in dem nüchternen Backsteinstil gehalten, der in Preußen für öffentliche Gebäude üblich war. Nach der Verstaatlichung der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft 1891 wurden vor den Treppenhausachsen turmartige Vorbauten errichtet, die Podesttoiletten enthalten. Der Grundriss der Wohnungen, gedacht für Beamte und Bahnarbeiter, lässt die sozialen Bestrebungen der Eisenbahngesellschaft erkennen. Trotz des bescheidenen Wohnungszuschnitts und der bescheidenen sanitären Verhältnisse kann man die Wohnanlage als fortschrittlich bezeichnen, denn die Ausstattung war besser als in den Mietshäusern der Arbeiterquartiere. (3) Jede Familie erhielt eine abgeschlossene Kleinwohnung mit mindestens einer beheizbaren Stube und Küche. Bemerkenswert ist die ungewöhnliche Grundrissorganisation. Die Wohneinheiten sind abschnittsweise gruppiert und ineinander geschachtelt, was zu einer individuellen Vielfalt im Wohnungsgrundriss führt. Durch die Restaurierung der Wohnanlage 1996/97, verbunden mit einer gärtnerischen Gestaltung der beiden Innenhöfe und der Vorgärten, erlangte der bis dahin vernachlässigte südliche Abschnitt der Lehrter Straße eine sichtliche Aufwertung.


(1) BusB 1877, Bd. 2, Plan nach S. 92; Monke 1968, Bd. 1, S. 109, Bd. 2, Abb. 191, 193; Becker/Jacob/Hellweg/Schmoll 1991, S. 87, 89, 98.

(2) Berlin und seine Eisenbahnen 1846-1896. Berlin 1896, Bd. 1, S. 264-265.

(3)Ursprünglich befanden sich die Toiletten auf dem Hof. Podesttoiletten wurden erst 1891 angefügt. Innentoiletten und Bäder gab es nicht.

Literatur:
  • Monke, Grundrißentwicklung des Berliner Mietshauses, 1968 / Seite 109
  • Katamon Exposé / Seite 252f.
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005