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Ludwig Loewe Fräs- und Bohrmaschinen AG

Obj.-Dok.-Nr.: 09050384
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Wiebestraße
Hausnummer: 42 & 43 & 44 & 45
Strasse: Huttenstraße
Hausnummer: 45 & 46 & 47 & 48
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1914-1917
Umbau: 1958 & 1961
Entwurf: Grenander, Alfred Frederik Elias (Architekt)
Ausführung: C. Kuhn (Baugeschäft)
Bauherr: Ludwig Loewe und Co. AG

Auf dem (...) Grundstück Wiebestraße 42-45 und Huttenstraße 45-48 errichtete Alfred Grenander 1914-16 die Fräs- und Bohrmaschinenfabrik der Ludwig Loewe & Co. AG. (1) Der Neubau war durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erforderlich geworden, denn die Ludwig Loewe & Co. AG lieferte kriegswichtige Maschinen zur Waffen- und Munitionsherstellung sowie Granaten und Munitionsteile. Da das alte Werksgelände größtenteils bebaut war, musste man auf das Areal südlich der Huttenstraße ausweichen. Das Fabrikgebäude, das zwei Innenhöfe umschließt, wirkt mit den langen Pfeilerfronten, den klassizistischen Architekturmotiven, dem hohen Walmdach und den halbkreisförmigen Dachgauben äußerst monumental. Alfred Grenander bildete klar geordnete Fassaden aus, die die Funktionalität der Fabrikanlage wiedergeben. So kommt die Schwere der Eisenbetonkonstruktion, die wegen der hohen Maschinenlasten in allen Geschossen zur Ausführung gelangte, in der kolossalen Pilastergliederung der backsteinverkleideten Straßenfronten anschaulich zum Ausdruck, während das gleichförmige Raster der zwischen den Wandpfeilern eingespannten Fensterflächen auf die durchgehenden Produktionsebenen verweist. Der Eingangsbereich an der Wiebestraße wurde monumental hervorgehoben. Stämmige toskanische Säulen tragen ein schmuckloses Gebälk. Dadurch entsteht eine Portalnische, die in der Mitte die Durchfahrt aufnimmt. (2) Bewusst wurden die klassischen Proportionen verschoben, um eine kraftvolle, spannungsreiche Ausstrahlung zu erreichen. So sind die Zwischenräume zwischen den Säulen außerordentlich weit, während die dorischen Kapitelle auf eine schmale Wulst reduziert wurden. Die Schlusssteine in hellem Werkstein zeigen das Firmensignet, den Löwen, darüber sind stehende Arbeiter zu sehen.

Zusammen mit der Fräs- und Bohrmaschinenfabrik, die wegen des Krieges nicht im geplanten Umfang verwirklicht werden konnte, wurde das von Alfred Grenander gestaltete Kesselhaus errichtet, das bereits zum Grundstück Wiebestraße 46-49 gehört. Der Backsteinbau mit einem hohen, vor die Mittelachse gesetzten Schornstein zeigt eine sachliche, von der Nutzung bestimmte Architektursprache ohne historistische Verklärung. Mit der Lisenengliederung, dem flach vorgezogenen Eingang und dem Thermenfenster über dem Eingangsbereich klingen ebenso wie beim Hauptgebäude klassizistische Motive an.


(1) Wirth 1955, S. 261; Posener 1979, S. 388-389, 396; Reuther, Hans: Alfred Grenander als Industriearchitekt in Berlin-Moabit. In: Schwarz 1981, Bd. 1, S. 568-589; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 141; Schäche 1993, S. 99; Dehio Berlin 2000, S. 444.

(2) Neumeyer, Fritz: Die Portalnische. Ein Motiv des Berliner Frühklassizismus und sein Weg ins 20. Jahrhundert. In: Berlin und die Antike. Hrsg. v. Willmuth Arenhövel und Christa Schreiber. Aufsatzband. Berlin 1979, S. 523-530.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 261
  • Kreuter, Marie-Luise/ Werkzeugmaschinenfabrik der Ludwig Loewe und Co. Actiengesellschaft =Geschichtslandschaft, Tiergarten 2, 1987 / Seite 107-121 (dort w. Lit.)
  • Berlin/ Residenzstadt, 1981 / Seite 495-503
  • Güldner, Bettina, Alfred Grenander (=Arbeitstitel), Diss. FU BerlinTopographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 299f.