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Erlöser-Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09050367
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Wikingerufer
Hausnummer: 9 & 9A
Strasse: Levetzowstraße
Hausnummer: 1 & 2
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Kirche ev. & Gemeindehaus
Entwurf: 1908
Datierung: 1909-1912
Umbau: 1954 & 1981
Entwurf: Krüger, Walter (Architekt)
Entwurf: Dinklage und Paulus und Lilloe (Architektensozietät (?))
Bauherr: Gemeindekirchenrat der Heilandsgemeinde

Mit der 1909-12 erbauten Erlöserkirche am Wikingerufer 9-9 A erhielt der Kreuzungsbereich nahe der Gotzkowskybrücke einen dominanten Blickpunkt. (1) Die wuchtige Zweiturmfassade wirkt als Landmarke in den urbanen Raum hinein. Die evangelische Pfarrkirche wurde errichtet, weil die Heilandsgemeinde durch das Bevölkerungswachstum zu groß geworden war. Die Architekten August Dinklage, Ernst Paulus und Olaf Lilloe, die in Moabit ansässig waren, entwarfen eine zweischiffige Hallenkirche, die ihre Wirkung trotz des ungünstigen Grundstückzuschnitts entfaltet. (2) Ein blockhaftes Turmmassiv wendet sich der Straßenkreuzung zu, während am Wikingerufer die westliche Längsseite der Gemeindekirche in Erscheinung tritt. Es schließt sich das fünfgeschossige Pfarr- und Gemeindehaus an, das zu den Mietshäusern am Wikingerufer überleitet. Die mit Backstein verkleidete Kirche folgt märkischen und niederdeutschen Vorbildern, ist aber auffallend sparsam dekoriert. Ihre geschlossenen, schmucklosen Wandflächen und verhältnismäßig kleinen Fenstern sind als bewusste Versachlichung und Abwendung vom historisierenden Formenvorrat und damit als Modernisierung zu verstehen. Das wehrhafte Turmmassiv mit zwei gedrungenen Turmaufsätzen, verbunden durch eine Glockenhalle mit Satteldach, erinnert an den Dom in Stendal. Der märkischen Backsteingotik ist der halbrunde Erker an der Gebäudeecke des Pfarr- und Gemeindehauses entlehnt. Die Baugruppe wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf die Umfassungsmauern zerstört, aber 1952-54 von Walter Krüger vereinfacht wieder aufgebaut. (3) Hans Joachim Burgert schuf die Buntglasfenster der Apsis.


(1) Schmidt, Carl: Evangelische Kirchen und kirchliches Gemeindeleben in Moabit. Berlin 1925, Nr. 5; Hach 1925, S. 14-15; Lütkemann 1926, S. 70-71; Wirth 1955, S. 57-80; Kühne/Stephani 1978, S. 277-278; BusB VI, S. 391; Dehio Berlin 2000, S. 422; Goetz/Hoffmann-Tauschwitz 2003, S. 120.

(2) Die Architekten errichteten mehrere Kirchen in Moabit: 1904-10 die Reformationskirche, Beusselstraße 35, Ecke Wiclefstraße 33-35; 1905-06 die Heilige-Geist-Kirche, Perleberger Straße 36, Ecke Birkenstraße 60-61 und 1905-06 das Pfarr- und Gemeindehaus der Heilandsgemeinde, Ottostraße 16.

(3) Dabei wurde das Pfarr- und Gemeindehaus aufgestockt und für die Unterbringung von Sozialwohnungen umgebaut.

Literatur:
  • Schmidt, Karl, Evangelische Kirchen und kirchliches Gemeindeleben in Moabit, Berlin 1925 / Seite Nr.5
  • Lütkemann, Wilhelm, Die evangelischen Kirchen Berlins (Alte Stadt), Berlin 1926 / Seite 70f.
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 57-58 (dort w. Lit.)
  • Kühne, Stephani/ Kirchen, 1978 / Seite 277f.
  • Katamon Exposé / Seite 238
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005