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Bewag-Unterstation

Obj.-Dok.-Nr.: 09050360
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Wilhelmshavener Straße
Hausnummer: 7
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Umspannwerk
Datierung: 1900-1901
Umbau: 1925
Entwurf: Springermann (Baumeister)
Entwurf: Müller, Hans Heinrich (Architekt)
Ausführung: Ramelowsche Erben (Baugeschäft)
Bauherr: Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft

Die Wilhelmshavener Straße wurde bereits in den 1880er Jahren angelegt. Im südlichen Abschnitt fällt eine von abgestuckten Mietshäusern umgebene, aufwendig gegliederte Fassade auf. Die repräsentative Front an der Wilhelmshavener Straße 7 mit Streifenquaderung, Pilaster, vegetabilem Stuckdekor und kräftigem Konsolgesims gehört zum 1900-01 errichteten Umformwerk der Berliner Elektricitäts-Werke (BEW). (1) Die Einrichtung des Umformwerks hängt mit dem Bau des 1900 in Betrieb genommenen Kraftwerks Moabit zusammen. Die Unterstation übernahm die Umwandlung des hochgespannten, über Erdkabel gelieferten Drehstroms in Gleichstrom von niedrigerer Spannung, der für die Versorgung der Moabiter Haushalte sowie der elektrischen Straßenbahn benötigt wurde. Die Anlage gehörte damit zum Netz der Berliner Stromverteilung, bestehend aus großen Drehstromkraftwerken am Stadtrand und Umformwerken in den einzelnen Stadtvierteln. Als eine der wenigen erhaltenen Unterstationen der Jahrhundertwende besitzt die Anlage in der Wilhelmshavener Straße eine hohe technikgeschichtliche Bedeutung. Die architektonisch herausragende Gestaltung der Schauseite geht vermutlich auf Franz Schwechten zurück, den Hausarchitekten der BEW, während O. Springermann, Ingenieur der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), den Grundrissaufbau und die technische Konzeption entwarf. Franz Schwechten, der die Unterstationen mal im mittelalterlichen Backsteinstil, mal in Renaissanceformen gestaltete, wählte hier eine klassizistische Architektursprache. Nach dem Verständnis seiner Zeit verbarg er die technischen Anlagen hinter einer ornamental geschmückten, dreigeschossigen Stuckfassade, sollte doch die prachtvolle Architektur auf die wachsende Bedeutung der Elektrizität aufmerksam machen. Nur die hohen Rundbogenfenster im Erdgeschoss, ehemals notwendige Tore für die Unterbringung der großen Transformatoren, verweisen auf die dahinter liegende Maschinenhalle. Der Schlussstein des seitlichen Eingangs ist mit einem Blitzbündel geschmückt, der als Symbol der Elektrizität auf die technische Nutzung des Gebäudes hinweist.

Ganz anders ging Hans Müller vor, der 1925 das Umformwerk erweiterte und ein Hofgebäude auf dem tiefen, bis zur Stromstraße reichenden Grundstück errichtete. (2) Der Hausarchitekt der Berliner Städtische Elektrizitätswerke Aktiengesellschaft (BEWAG) gestaltete den Zweckbau in dem für ihn typischen sachlichen Backsteinstil. Den Prinzipien des Neuen Bauens der 1920er Jahre entsprechend, zeichnet sich die Funktion deutlich an der Fassade ab, wobei hohe Fenster auf die im Erdgeschoss liegende Halle für die Transformatoren hinweisen, während die schmalen Schlitzfenster der Obergeschosse die Zellen der Akkumulatorenbatterien anzeigen. Nach mehreren Umbauten ging leider die klare Fassadengliederung verloren. (3)


(1) Streich 1981, S. 422-423.

(2) Kahlfeldt 1992, S. 101-103.

(3) Erhalten blieben charakteristische Stilelemente wie der über dem Dach aufragende Treppenturm mit einem vertikalen Fensterschlitz sowie der abgetreppte Würfelfries unterhalb der Traufe.

Literatur:
  • Geschichtslandschaft, Tiergarten 2, 1987 / Seite 20-30 (allgemein, mit Lit.-Hinweisen)
  • Berlin/ Residenzstadt, 1981 / Seite 547-550
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 274f.