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Berliner Pferdebahnhof

Obj.-Dok.-Nr.: 09050358
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Waldenserstraße
Hausnummer: 2 & 3 & 4
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Stall & Remise & Werkstatt
Entwurf: 1890
Datierung: 1891
Umbau: 1925 & 1959
Entwurf: Fischer-Dick, Joseph (Ingenieur)
Ausführung: Stiebitz und Köppchen (Maurermeister & Zimmermeister)
Bauherr: Große Berliner Pferde-Eisenbahn AG

An der Waldenserstraße 2-4, auf einem Grundstück, das früher bis zur Wiclefstraße durchging, ließ die Große Berliner Pferde-Eisenbahn AG 1890-91 ihren letzten Betriebshof errichten. (1) Die Baupläne für die größte Anlage dieser Art des Verkehrsunternehmens stammen von Oberingenieur Joseph Fischer-Dick, der einen maßgeblichen Anteil am betriebstechnischen Aufbau und an der architektonischen Gestaltung hatte. Obwohl der Betriebshof nach der Elektrifizierung der Berliner Straßenbahn 1904 stillgelegt wurde, blieben die alten Backsteingebäude erhalten. (2) Das Gelände wird seit 1924 als Gewerbehof genutzt. Anschaulich lässt sich die frühere betriebliche Organisation ablesen. Aufgrund der hohen Bodenpreise und den beengten Verhältnissen auf den innerstädtischen Grundstücken mussten Pferde und Wagen auf mehreren Stockwerken untergebracht werden. Dazu entwickelte man die Bauform des Etagenpferdestalls. Auf dem Grundstück stehen sich zwei lang gestreckte, mit rotem Backstein verkleidete Gebäude gegenüber, die mit der Schmalseite zur Waldenserstraße weisen. Das westliche, viergeschossige Gebäude konnte in den beiden unteren Etagen 506 Pferde aufnehmen. Innen führen quer liegende lange Rampen vom Erdgeschoss in das obere Stockwerk. Zusammen mit den Rampen blieben auch die preußischen Kappendecken erhalten. Das gegenüberliegende östliche Gebäude, das zwei Geschosse umfasst, diente als Wagenschuppen. Es wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1959-60 vereinfacht wieder aufgebaut. Erhalten blieb der Kopfbau, der frühere Wohn- und Verwaltungstrakt, der dem Stallgebäude an der Waldenserstraße vorgelegt ist. Mit der gelben Backsteinverkleidung und einem sparsamen Terrakottaschmuck hebt er sich von den übrigen Betriebsgebäuden ab. Der Pferdebahnhof, der zu den letzten verkehrstechnischen Einrichtungen dieser Art gehört, erinnert an das alte, von Pferdestraßenbahnen bestimmte Nahverkehrsnetz, das im ausgehenden 19. Jahrhundert für die Anbindung Moabits an die Innenstadt und die übrigen Stadtteile Berlins sorgte.


(1) BusB 1896, Bd. 1, S. 181-183; BusB X B (1), S. 264.

(2) Die zur Wiclefstraße gerichteten Bauteile, darunter Schmiede und Schornstein, brach man Ende der 1970er Jahre ab. Hier entstand anschließend ein Wohn- und Geschäftshaus.

Literatur:
  • Pett, I. G., Unsere Straßenbahnhöfe im Wandel der Zeit =Die Fahrt (1929) 1 / Seite 7f.
  • BusB I 1896 / Seite 181-183
  • BusB X B 1 1979 / Seite 264 (dort weit. Lit.)
  • Katamon Exposé / Seite 277f.
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005