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Ehrenfriedhof Wilsnacker Straße

Obj.-Dok.-Nr.: 09050340
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Wilsnacker Straße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Friedhof & Gedenkstätte
Fertigstellung: 1945 & 1955
Entwurf: Alverdes, Willy (Gartenarchitekt)

Auf dem bereits 1935 beräumten und vom Gemeindefriedhof abgetrennten städtischen Areal an der Wilsnacker Straße wurden im April und Mai 1945 namentlich bekannte und unbekannte Kriegsopfer des Endkampfes um Berlin, Zivilisten und Soldaten, in Massengräbern bestattet. Hier fanden nach ihrer Hinrichtung am 23. April 1945 auch politische Häftlinge und Widerstandskämpfer aus dem Zellengefängnis Moabit ihre letzte Ruhe. Neben dem Eingang des 1955 von Willy Alverdes gestalteten Kriegsgräberfriedhofs an der Wilsnacker Straße erinnert eine Gedenktafel an die hier bestatteten Kriegstoten sowie die Opfer des Nationalsozialismus. (1) Zu ihnen gehörte auch der von der SS ermordete Hochschullehrer, Lyriker und Dramatiker Albrecht Haushofer, der während der Haft im Zellengefängnis die bekannten "Moabiter Sonette" verfasste. (2) Sein Grab im östlichen Friedhofsteil markiert ein schlichter Grabstein.Der im Sommer 1955 anstelle des Notfriedhofs angelegte Kriegsgräberfriedhof liegt abgeschirmt hinter einer hohen Backsteinmauer an der Wilsnacker Straße. Seine Hauptachse führt von der schmalen Eingangspforte mit Eisengittertür über einen formalen, mit Kupferschlackesteinen gepflasterten Vorplatz und den mit Schieferplatten belegten Hauptweg auf eine über zwei Meter hohe oktogonale Denkmalstele aus Muschelkalk zu. Das von einem Eisenkreuz bekrönte, von dem Bildhauer Karl Wenke gestaltete Denkmal wurde im November des gleichen Jahres aufgestellt. Es erhebt sich vor der Westmauer auf einem erhöhten, ebenfalls mit Kupferschlackesteinen gepflasterten Podest. Die Rechteckbeete der 1955 eingeebneten Grabfelder sind überwiegend mit immergrünen Bodendeckern sowie einigen Stauden bepflanzt. Sie flankieren den Hauptweg und durchziehen eine, von einem lichten Hain großer Bäume beschattete Rasenfläche von Ost nach West. Nur noch einige Gräber der namentlich bekannten Kriegsopfer kennzeichnen die ursprünglichen einheitlichen Tontafeln. Einige Blütensträucher, Rhododendron und Koniferen bilden einen äußeren Rahmen vor den Friedhofsmauern. Bankplätze am Rande gestatten Blickbezüge auf den würdig gestalteten Friedhof. Seine regelmäßige Anlage und die Baumaterialien wie die Beeteinfassungssteine aus Kunststein oder die Kupferschlackesteine der regelmäßigen Plätze, auch um einen Backsteinbrunnen, erinnern noch an die Entstehungszeit der 1950er Jahre.


(1) Zur Geschichte des Kriegsgräberfriedhofs siehe Eckert, Reinald, Grundlagenuntersuchung des Gemeindegrundstückes von St. Johannis in Berlin-Moabit. Gartendenkmalpflegerische Untersuchung zur Entwicklungsgeschichte der Außenanlagen an der St. Johannis-Kirche in Berlin-Moabit. Gutachten i. A. der Bundesgartenschau Berlin 1995 GmbH. Berlin 1989, S.103 ff. Willy Alverdes Entwurf vom 24.09.1954 und eine Ansichtszeichnung für den Kriegsgräberfriedhof ebenda, Abb. 64, 65; Girra, Dagmar, u. a., Gedenktafeln in Mitte, Tiergarten und Wedding, Band 2, hrsg. von Hans-Jürgen Mende, Berlin 2000, S. 659.

(2) Der Hochschullehrer für politische Geographie und Geopolitik, Albrecht Haushofer (07.01.1903-23.04.1945), war Mitwisser und Befürworter des Umsturzplanes vom 20.07.1944. Ausführliche Darstellungen zu seinem Leben und Werk sowie die "Moabiter Sonette" in: Haiger, Ernst; Ihering, Amelie; von Weizsäcker, Carl Friedrich, Albrecht Haushofer, Berlin 2002.

Literatur:
  • Im Schatten der goldenen Flügel. Zur verdrängten GeschichteTiergartens, hrsg. v. GEW Berlin, Berlin 1984 / Seite 107-112
  • Roskamp, Heiko, Verfolgung und Widerstand. Tiergarten - Ein Bezirk im Spannungsfeld der Geschichte, Berlin o. J.(1986?) / Seite 126
  • Katamon Exposé / Seite 215
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005