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Kleist-Lyzeum und Filmschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09050333
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Levetzowstraße
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 5
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Schule & Verwaltungsgebäude & Plastik
Entwurf: 1926
Datierung: 1928-1930
Umbau: 1974 & 1979
Entwurf: Kolweß, Rudolf (Architekt)
Entwurf: Freiberg (Architekt)
Entwurf & Ausführung: Thorak, Josef
Ausführung: G. und C. Gause (Baugeschäft)
Bauherr: Bezirksamt Tiergarten

Das monumentale fünfgeschossige Gebäude, verkleidet mit blauroten Klinkern, wurde 1927-29 für das Kleist-Lyzeum, eine höhere Lehranstalt für Mädchen, und die städtische Filmschule errichtet. (1) Die Baugruppe an der Levetzowstraße 3/5, die den sachlichen Stil des Neuen Bauens der 1920er Jahre zeigt, besteht aus einem 180 m langen Haupttrakt, an den sich rückwärtig zwei kurze Quergebäude anschließen. Die Architekten des Hochbauamts Tiergarten, Rudolf Kolwes und Emil Freiberg, verstanden es, die Hauptfront mit einfachen architektonischen Mitteln effektvoll zu gestalten. Der symmetrische Aufbau spiegelt die Doppelnutzung des Gebäudes wider. Links war das Lyzeum untergebracht, rechts die Filmschule, während in der Mitte Aula und Turnhalle übereinander angeordnet sind. Die monumentale Wirkung ergibt sich nicht nur aus der flächigen Materialhaftigkeit der dekorlosen Klinkerfront, sondern auch aus dem spannungsvollen Wechsel horizontal und vertikal betonter Bauglieder. Während die beiden seitlichen Klassentrakte durch die gleichmäßig aufgereihten weißen Sprossenfenster und das Werksteingesims horizontal angelegt sind, sorgt das überhöhte Mittelteil für ein Aufbrechen der Baumasse in der Vertikalen. Über den hohen, schlanken Aulafenstern beginnt eine fensterlose Wandfläche, hinter der sich die Turnhalle verbirgt. Die geschlossene Wand bildet den notwendigen flächigen Hintergrund für die dort angebrachte überlebensgroße Skulptur der Penthesilea von Josef Thorak. Die Frauengestalt nach dem Roman Heinrich v. Kleists ist mit Schild und wehendem Mantel dargestellt. Die Figur lässt den übersteigerten Heroismus anklingen, den spätere Werke Josef Thoraks ausdrücken.

Die Gestaltung des Inneren zeichnet sich durch eine künstlerische Sorgfalt aus. Auf eine übersichtliche Grundrissorganisation wurde großen Wert gelegt. Zu den umfangreichen Einrichtungen für Sport und Hygiene gehören zwei Turnhallen, die Dachterrasse, gedacht für sportliche Übungen, und die Ruderkastenanlage im Keller. Neuartig erscheint das großzügige Treppenhaus, das nach den veränderten Raumvorstellungen der 1920er Jahre nicht mehr als geschlossene Raumeinheit, sondern als offene, mehrdimensionale Kommunikationsebene angelegt ist. Die bis ins Detail fein abgestimmte Ausstattung blieb erhalten. Dazu gehören die hellgelben Keramikplatten der Wandverkleidung, horizontal unterteilt mit golden schimmernden Streifen, die Solnhofer Fußbodenplatten der Treppenfoyers, die geschwungenen Eingangsgeländer, die Milchglas-Lichtkästen der Decken sowie die beleuchteten Hinweisschilder und Schaukästen.


(1) Klose, Georg: Die Gründung des Kleist-Lyzeums in Berlin. In: Bautechnik 6 (1928), S.407-409; Dietrich, Ulf: Kleistoberlyzeum und Filmseminar in Berlin-Tiergarten. In: Bauwelt 21 (1930), Heft 30, Beilage, S. 1-12; Johannes, Heinz: Neues Bauen in Berlin. Berlin 1931, S. 89; Wirth 1955, S. 94; Festschrift zur 50-Jahr-Feier der Heinrich-von-Kleist-Schule. Berlin 1967; BusB V C, S. 123, 144-147, 161, 173-174, 410; Dehio Berlin 2000, S. 440.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 94
  • BusB V C 1991 / Seite 123, 144-47, 161, 163, 173-174, 410
  • Bautechnik 6 (1928) / Seite 407-409
  • Bauwelt 21 (1930) / Seite 945-956
  • Johannes, Neues Bauen, 1931 / Seite 89, 111 [Abb.?]
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 239