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Offiziers-Speiseanstalt des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments & Ballhaus Tiergarten

Obj.-Dok.-Nr.: 09050327,T
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Perleberger Straße
Hausnummer: 62 & 62A
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Kaserne & Casino
Datierung: 1879-1880
Umbau: 1934 & 1952
Entwurf: Heimerdinger, Otto (Architekt)
Entwurf: Appelius, Oskar (Architekt)
Ausführung: Garnisonbauamt
Bauherr: Militärfiskus

Zum Militärgelände des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments gehört das Offizierskasino, das abseits von den Unterkunftsgebäuden der Mannschaften 1879-80 an der Perleberger Straße 62 errichtet wurde. (1) Der Entwurf stammte von Garnison-Bauinspektor Otto Heimerdinger, die Ausführung leitete zunächst Garnison-Bauinspektor Oskar Appelius, der aber noch 1879 von La Pierre abgelöst wurde. Den damaligen Vorstellungen der Militärverwaltung folgend wurde das Gebäude freistehend inmitten einer großzügigen Gartenanlage angeordnet. (2) Im Stadtbild fällt das Offizierskasino, versteckt hinter hohen Bäumen, kaum auf. An der Perleberger Straße tritt es lediglich eingeschossig in Erscheinung. Betrachtet man das Gebäude näher, erweist es sich als sorgfältig ausgeführtes Bauwerk, das mit seinen dekorativen Details aus der Masse der Militärbauten des späten 19. Jahrhundert herausragt. Der vornehme italienische Villenstil verstärkt diesen Eindruck. Zwei niedrige Seitentrakte fassen einen hohen, hervortretenden Mittelbau ein. Die Wandflächen aus gelben und roten Ziegeln, die Rundbogenfenster und das schwere Gebälk mit Attika lassen den Einfluss der klassizistischen Architektur Karl Friedrich Schinkels deutlich erkennen. Einen ähnlichen Baustil hatte Carl Ferdinand Busse gewählt, als er 1839 das Kasino auf dem Artillerieplatz in Tegel errichtet hatte. (3) Die reich ausgestatteten Innenräume dokumentieren den hohen Rang der Offiziere in der preußischen Militärhierarchie. Garnison-Bauinspektor Heimerdinger nutzte das zum Garten abfallende Gelände geschickt aus, um das vorgegebene Raumprogramm möglichst funktionell umzusetzen. Küche und Diensträume konnten im Sockelgeschoss untergebracht und von der Gartenseite leicht zugänglich gemacht werden. Die Haupträume liegen im Erdgeschoss, das vom Garten aus wie ein Obergeschoss erscheint. Große Rundbogenfenster belichten den Speisesaal, in dem Kaiser Wilhelm II. oftmals mit den Gardeoffizieren speiste. Der verputzte Saal- und Küchenanbau, der sich an der Ostseite anschließt, gehört ebenso wie die vorgelagerte Terrasse an der Gartenseite zu einer Erweiterung, die 1934-35 im Zusammenhang mit dem Umbau der benachbarten Kasernenanlage für die Kriegsakademie vorgenommen wurde. Mit seinen hohen Rundbogenfenstern bezieht sich der Saalanbau auf den Altbau aus dem späten 19. Jahrhundert, ohne aber dessen feingliedrige Details zu übernehmen. Das Offizierskasino erlangte in der Nachkriegszeit als "Ballhaus Tiergarten" eine lokale Bedeutung, stand dann aber längere Zeit leer. (4) Seit 2001 beherbergt das umfassend restaurierte Gebäude die Botschaft der Republik Usbekistan. Durch das prächtige Vestibül, geteilt durch vier marmorierte Säulen, erreicht man den früheren Speisesaal, dessen aufwendige Stuckdecke in der ursprünglichen Gestalt wieder hergestellt wurde. Der große Saal erhielt eine neue Ausstattung mit Marmorboden, Spiegelfenstern und geschnittenen geometrischen Stuckornamenten im usbekischen Stil.

Im ehemaligen Offiziersgarten steht eine Erinnerungssäule für die im Deutsch-Französischen Krieg gefallenen Offiziere des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments. (5) Die 1880 festlich enthüllte Sandsteinsäule, die auf dem Schaft die Orte der einzelnen Schlachten nennt, wird von einem preußischen Adler bekrönt. Der hohe vierseitige Sockel ist mit Marmorplatten verkleidet. Ein Vorbild war die 1854 eingeweihte Invalidensäule im Garten des Invalidenhauses, nach der zahlreiche Kriegerdenkmale als Säulenmonumente gestaltet wurden. (6)

Das gesamte Kasernengelände war von einer Backsteinmauer mit roten Pfeilern und gelben Wandflächen eingefasst. Ein Rest dieser Mauer ist vor dem Offiziers-Wohnhaus Perleberger Straße 62 A zu finden, das 1935 im Garten des benachbarten Offizierkasinos erbaut wurde. Das Gebäude verdankt seine Entstehung dem Ausbau des Kasernengeländes zur Kriegsakademie in den 1930er Jahren.


1) BusB 1896, Bd. 2, S. 394.

2) BusB 1896, Bd. 2, S. 380.

3) Behrendt, Walter Curt: Carl Ferdinand Busse. Ein preußischer Baubeamter. In: Zentralblatt der Bauverwaltung (52) 1932, S. 634.

4) Das Kasino wurde 1951 zu einer Gaststätte umgebaut. 1952 errichtete man eine Orchesterbühne auf rechteckigen Pfeilern an der nordöstlichen Schmalseite des Saalanbaus sowie eine Rampe zwischen Auffahrt und Bühneneingang..

5) Wirth 1955, S. 205; Endlich/Wurlitzer 1990, S. 161; Weinland 1990, S. 144.

6) v. Simson, Jutta: Die Berliner Säulenmonumente. In: Berlin und die Antike. Ausstellungskatalog. Hrsg. v. Willmuth Arenhövel. Berlin 1979, S. 207.

Literatur:
  • BusB II/III 1896 / Seite 380, 394
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 244f.
Teilobjekt Erinnerungssäule
Teil-Nr.: 09050327,T,001
Sachbegriff: Kriegerdenkmal
Datierung: 1880

Im ehemaligen Offiziersgarten steht eine Erinnerungssäule für die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallenen Offiziere des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments. Die 1880 festlich enthüllte Sandsteinsäule, die auf dem Schaft die Orte der einzelnen Schlachten nennt, wird von einem preußischen Adler bekrönt. Der hohe vierseitige Sockel ist mit Marmorplatten verkleidet. Ein Vorbild war die 1854 eingeweihte Invalidensäule im Garten des Invalidenhauses, nach der zahlreiche Kriegerdenkmale als Säulenmonument gestaltet wurden.

Literatur:
  • Wirth 1955 / Seite 205
  • Endlich/Wurlitzer / Seite 161
  • Weinland 1990 / Seite 144
  • v. Simson, Jutta/ Die Berliner Säulenmonumente in
    Berlin und die Antike. Ausstellungskatalog. Hrsg. v. Willmuth Arenhövel, Berlin 1979 / Seite 207
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005
Teilobjekt Offizierswohnhaus
Teil-Nr.: 09050327,T,002
Sachbegriff: Wohnhaus & Einfriedung
Datierung: 1935
Entwurf: Bunge, A.