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Kasernen des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments

Obj.-Dok.-Nr.: 09050323
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Kruppstraße
Hausnummer: 2 & 3 & 4 & 13A & 14 & 14A & 15 & 16 & 17 & 18
Strasse: Feldzeugmeisterstraße
Hausnummer: 18
Strasse: Lehrter Straße
Hausnummer: 57 & 58
Strasse: Perleberger Straße
Hausnummer: 62 & 62A
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Kaserne & Wohnhaus
Datierung: 1878-1881 & 1887-1889 & 1895 & 1912-1914
Umbau: 1936
Entwurf: Heimerdinger, Otto & Appelius, Oskar & La Pierre (Architekt)
Entwurf: La Pierre (Architekt)
Entwurf: Lauenburg, H. & Pomplun, Franz (Architekt)

Fast die gesamte Kruppstraße wird von Kasernenbauten flankiert. Von der Kaserne des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments auf dem weiträumigen Gelände Kruppstraße 3-4, 13A-18, Feldzeugmeisterstraße 18, Lehrter Straße 57-58 und Perleberger Straße 62-62A sind zahlreiche historische Gebäude erhalten. (1)

Die drei großen Mannschaftsgebäude an der Kruppstraße 3-4 bilden den Kern der Baugruppe, die neben den Unterkunftsgebäuden mehrere Geschützschuppen, Reithäuser, Pferdeställe und eine Offizierspeiseanstalt umfasst. Hinter den Putzfassaden mit ihren geraden Fensterstürzen verbergen sich die ältesten erhaltenen Gebäude des Militärgeländes in Moabit. An der Hofseite zeigen unverputzte Backsteinfassaden mit ihren farbigen Ornamenten aus roten und gelben Ziegeln, mit Rundbogenfries und wehrhaftem Zinnenkranz den Kasernenbaustil des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts. Nach Vorgaben von Gustav Voigtel aus dem Kriegsministerium entwarf Garnison-Bauinspektor Otto Heimerdinger die Kasernenanlage, die 1878-81 unter der Bauleitung der Garnison-Bauinspektoren Oskar Appelius und La Pierre ausgeführt wurde. Nach der 1955 abgebrochenen Kaserne des 2. Garde-Ulanen-Regiments, die südlich des Exerzierplatzes an der Invalidenstraße bereits 1848 fertig gestellt worden war, war die Kaserne des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments der zweite große Kasernenbau in Moabit.

(...) Zum Militärgelände des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments gehört das Offizierskasino, das abseits von den Unterkunftsgebäuden der Mannschaften 1879-80 an der Perleberger Straße 62 errichtet wurde. (2) Der Entwurf stammte von Garnison-Bauinspektor Otto Heimerdinger, die Ausführung leitete zunächst Garnison-Bauinspektor Oskar Appelius, der aber noch 1879 von La Pierre abgelöst wurde. (...) Seit 2001 beherbergt das umfassend restaurierte Gebäude die Botschaft der Republik Usbekistan. Durch das prächtige Vestibül, geteilt durch vier marmorierte Säulen, erreicht man den früheren Speisesaal, dessen aufwendige Stuckdecke in der ursprünglichen Gestalt wieder hergestellt wurde. Der große Saal erhielt eine neue Ausstattung mit Marmorboden, Spiegelfenstern und geschnittenen geometrischen Stuckornamenten im usbekischen Stil.

An die Kaserne des Garde-Feld-Artillerie-Regiments schließt sich auf dem Grundstück Kruppstraße 17-18 und Lehrter Straße 57-58 das Königliche Corps-Bekleidungsamt zu Berlin an. (3) Die Gebäudegruppe ist nach Bombentreffern im Zweiten Weltkrieg nur noch in Teilen vorhanden. Die erhaltenen Bauten, die 1896-98 nach Plänen von Tischmeyer, Feuerstein und Zeidler vom Garnisonbauamt II errichtet wurden, sind Zweckbauten für Versorgungsaufgaben, die die Militärverwaltung für die Berliner Garnison zu erfüllen hatte. Das Corps-Bekleidungsamt bestand aus Werkstätten mit Maschinenbetrieb für Schneider und Schuhmacher, einem Wohn- und Verwaltungsgebäude und einer Kaserne für die Handwerker. Auf dem heute von verschiedenen Gewerbebetrieben genutzten Gelände sind an der Lehrter Straße das Familienwohnhaus, das Kleiderlagerhaus und die Schneiderei erhalten. In einem zweiten Bauabschnitt folgte das 1902-03 errichtete Kammergebäude der ostasiatischen Besatzungs-Brigade im hinteren Grundstücksbereich. Die unverputzten Backsteingebäude, auch die Einfriedung mit Pfeilerportalen und einem Pförtnerhäuschen, sind im Stil der norddeutschen Renaissance gestaltet, wie man an den geschwungenen, mit Voluten geschmückten Giebeln und den hellen Sandsteinblöcken, die an den Gebäudeecken und an den Fenstergewänden in die roten Backsteinflächen eingelassen sind, sehen kann. Das am besten erhaltene Familienwohnhaus prägt mit seiner pittoresken Erscheinung den östlichen Abschnitt der Kruppstraße.


1) BusB 1896, Bd. 2, S. 394; Wirth 1955, S. 101-102; Klinkott 1988, S. 344-346; Dürre 2001, S. 98-99.

2) BusB 1896, Bd. 2, S. 394.

3) Dürre 2001, S. 148. Die Bauten in Moabit ersetzten das Haupt-Montirungs-Depot des Garde-Corps, Stallstraße 4.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 101-102
  • Geschichtslandschaft, Tiergarten 2, 1987 / Seite 202ff & 291ff
  • Schäche, Architektur, 1991 / Seite 367
  • BusB III 1966 / Seite 91, 99
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 242ff.