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Industrie-Palast Spree

Obj.-Dok.-Nr.: 09050320
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Gotzkowskystraße
Hausnummer: 20
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Verwaltungsgebäude
Datierung: 1911-1912
Umbau: 1924 & 1952
Entwurf: Peters, Wilhelm (Architekt)
Entwurf: Schwebes, Paul (Architekt)
Ausführung: Berlinische Baugesellschaft mbH (Baugeschäft)
Bauherr: Adrema

Von der Gotzkowskybrücke fällt der Blick auf die links am Wasser liegenden Fabrik- und Gewerbebauten, die zusammen mit Mietshäusern das schmale Dreieck zwischen Gotzkowskystraße und Alt-Moabit besetzen. Unweit der Brücke erstreckt sich der Industrie-Palast Spree, Gotzkowskystraße 20, der aus einem straßenseitigen Mietshaus sowie Gewerbebauten auf dem bis zur Spree reichenden rückwärtigen Gelände bestand. Der 1911-12 von Wilhelm Peters errichtete Gewerbebau an der Spree ist erhalten geblieben. Mit seiner roten Backsteinverkleidung und den durchfensterten Rundbogenblenden beherrscht er das Spreeufer. Die gebäudehohen Bogenöffnungen wechseln sich mit Fensterachsen aus vier übereinander gesetzten Rechteckfenstern ab, sodass die Fabriketagen ausreichend Licht erhalten. Der Industrie-Palast Spree gehört zu den letzten gebietstypischen Gewerbebauten, die den Strukturwandel in Alt-Moabit überstanden haben. Nicht erhalten ist das zugehörige Mietshaus an der Gotzkowskystraße, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Für die Adrema-Maschinenbaugesellschaft, die seit 1922 auf dem Grundstück ansässig war, wurde dort 1952-53 ein sechsgeschossiges Verwaltungsgebäude errichtet. Es gehört zu den ersten Bürogebäuden, die in den 1950er Jahren im kriegszerstörten Berlin entstanden sind. (1) Paul Schwebes entwarf einen kompakten, mit grauem Werkstein verkleideten Stahlskelettbau, der sich mit seiner klar geordneten Lochfassade zwischen den Mietshäusern behauptet. Bei der Fassaden- und Grundrissgestaltung ließ sich der Architekt von der Geschäftshausarchitektur der 1920er Jahre leiten. Ein wichtiges Vorbild scheint das von Otto Rudolf Salvisberg 1929-30 errichtete Gebäude der Deutschen Krankenversicherungs-Aktiengesellschaft in Schöneberg gewesen zu sein. (2) Darauf deutet die stringente horizontale Linienführung, bewirkt durch die Fensterreihung der Obergeschosse und die flächenhafte Werksteinverkleidung. Über dem Mittelteil ist ein zurückgesetztes Obergeschoss mit liegenden Fensterformaten ausgebildet. Gemeinsam mit den feingliedrigen Bronzerahmen der Schaufenster schuf Paul Schwebes eine anspruchsvolle Architektur, die auf den Firmensitz hinweist. (3)


1) Wirth 1955, S. 262-263.

2) Innsbrucker Straße 26/27, verändert erhalten, siehe O. R. Salvisberg. Die andere Moderne. Ausstellungskatalog. Zürich 1985, S. 72-73.

3) Adrema veräußerte den Komplex 1976. Im Gebäude befindet sich heute nach dem 2002 durchgeführten Umbau ein Hotel. In dem an der Spree gelegenen Fabrikbau werden luxuriöse Lofts zum Wohnen und Arbeiten eingerichtet.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 262-263
  • Katamon Exposé / Seite 234
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005