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Postamt NW 21 und Fernsprechamt 2

Obj.-Dok.-Nr.: 09050312
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Lübecker Straße
Hausnummer: 1 & 2
Strasse: Turmstraße
Hausnummer: 23
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Post
Entwurf: 1909
Datierung: 1911-1912
Umbau: 1951 & 1972-1974
Entwurf: Ratzeburg, Louis (Architekt)
Entwurf: Spalding, Otto
Umbau: Gerds, Hans
Ausführung: F. und H. Wessel (Baugeschäft)
Bauherr: Kaiserliche Oberpostdirektion

An der Ecke Lübecker Straße und Turmstraße, westlich des Krankenhausgeländes, steht das Postamt NW 21. (1) Das 1882-83 errichtete Hauptgebäude an der Turmstraße 23 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1951 durch einen schlichten Neubau mit weiß verputzten Wandflächen ersetzt. Oberpostbaurat Hans Gerds entwarf ein blockhaftes Gebäude mit einer Pfeilerstellung an der Ecke, das sich mit seiner flächigen Lochfassade deutlich vom Altbau abhebt. (2) Erhalten blieb der Erweiterungsbau des alten Postamts an der Lübecker Straße 1-2, der von Postbauinspektor Louis Ratzeburg und Postbaurat Otto Spalding 1911-12 für den Fernsprechdienst errichtet wurde. Das Gebäude dokumentiert die wachsende Bedeutung des Telefonverkehrs im frühen 20. Jahrhundert, wobei die Fassade zugleich das Bedürfnis nach angemessener Außenwirkung verdeutlicht. Die hellrote Backsteinfassade mit Lisenengliederung und pointiert eingesetztem Werksteindekor überrascht durch ihren funktionellen Aufbau. Anhand der Fenster kann man die unterschiedlichen Nutzungen klar ablesen. Hinter den Halbkreisfenstern des Erdgeschosses erstreckt sich der Bereich der Paketpost, dann folgen zwei Geschosse mit Rechteckfenstern, die der Verwaltung und der Fernsprechtechnik dienten. Über dem durchlaufenden Hauptgesims folgen große, bis in den Dachraum reichende Rundbogenfenster, die den Vermittlungssaal belichten. Während einzelne Architekturglieder, zum Beispiel die schlichten Kapitelle, in Naturstein ausgeführt wurden, gewinnt die Backsteinfassade durch Reliefstreifen und abgestufte Blendflächen an Struktur und Leben. Der Saal des Fernsprechamtes erhielt 1936 eine technikgeschichtliche Bedeutung, denn für die Fernsehübertragung der Olympischen Spiele in Berlin wurde dort eine öffentliche "Fernseh-Großbildstelle" installiert. (3)


1) BusB 1896, Bd. 2, S. 94; Wirth 1955, S. 249; BusB X B (4), S. 179, 183; Jaeger, Falk: Posthorn & Reichsadler. Die historischen Postbauten in Berlin. Berlin 1987, S. 100-105.

2) Wirth 1955, S. 249.

3) Schmidt, Hans Peter: Chronik des Bezirks Tiergarten. Hrsg. v. Bezirksamt Tiergarten von Berlin. Berlin 1961, S. 88.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 249
  • Schmidt, H.P., Chronik des Bezirks Tiergarten, Berlin 1961 / Seite 88
  • BusB X B 4 1987 / Seite 183
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 258