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Villa Parey

Obj.-Dok.-Nr.: 09050289
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Sigismundstraße
Hausnummer: 4A
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Stadtvilla
Datierung: 1895-1896
Umbau: 1935
Entwurf: Treitel, Heinrich (Architekt)
Bauherr: Parey, Paul (Verleger)
Entwurf: Kayser und von Großheim (Architekt)

Die 1895-96 erbaute Villa Parey, (1) Sigismundstraße 4 A, macht deutlich, dass das Tiergartenviertel zur Jahrhundertwende einem starken Verwertungsdruck ausgesetzt war. Die großzügigen Villengärten wurden parzelliert und dicht bebaut, allerdings nicht mit Mietshäusern, sondern mit luxuriösen Einfamilienhäusern, die einen geschlossenen Blockrand ausbildeten. Diese villenartigen Gebäude, die sich in eine Häuserreihe einordnen, werden auch als Stadtvillen bezeichnet. An der Terrainerschließung waren die Architekten Heinrich Kayser und Karl v. Großheim beteiligt, die 1893 den Garten der Villa Lehmann aufteilten und die Parzellen an der Sigismundstraße verkauften. Für den Verlagsbuchhändler Paul Parey entwarfen die renommierten Architekten ein dreigeschossiges Wohnhaus, bestehend aus Vorderhaus, Seitenflügel, Remise, Kutscherhaus und einem kleinen Hausgarten. Die repräsentative, mit Sandstein verkleidete Straßenfront wurde im Baustil der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gestaltet. Dabei vermengen sich Elemente der deutschen Spätgotik und Frührenaissance. Deutlich fallen die Maßwerkbrüstungen auf, man sieht aber auch ein Fenster mit Pilasterrahmung, das zusammen mit dem reich geschmückten Giebel auf die Frührenaissance verweist. Die Vorhangbogenfenster gehen auf sächsische Vorbilder zurück. Die fein ausgearbeiteten Dekorteile, die das Hauptportal rahmen und den Giebel schmücken, erinnern in ihrer stilistischen Ausprägung an den 1533-36 errichteten Johann-Friedrich-Bau des Schlosses Hartenfels in Torgau. Das Relieffeld über dem Eingang zeigt Kinder, die in einer ländlichen Umgebung spielen und einen Baum pflanzen. Die Bildhauerarbeiten stammen von G. Westphal. Von der Durchfahrt führt eine breite Treppe mit schmiedeeisernem Geländer zu den Wohn- und Empfangsräumen im Obergeschoss. (2) Die Villa Parey sollte in den 1980er Jahren der Gemäldegalerie weichen, konnte aber nach heftigen Protesten gerettet werden. Allerdings wurden die Remise und das Kutscherwohnhaus abgerissen. Heute ist in dem Gebäude die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek und die Miniaturensammlung der Gemäldegalerie untergebracht. Bei der Restaurierung nach 1990 wurden die Einschusslöcher, die von den Straßenkämpfen im April 1945 herrühren, als "Wunden der Erinnerung" sichtbar gelassen.


1) [Die letzten Besichtigungen der Vereinigung Berliner Architekten] in: Deutsche Bauzeitung 30 (1896), S. 519; Villa in Berlin, Sigismundstraße 4a. In: Moderne Neubauten 3 (1896), Tafeln 2-3; Wohnhaus in Berlin, Sigismundstr. 4a. In: Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 11 (1898), S. 41, Tafel 51; Wirth 1955, S. 175; Schmidt, Hartwig: Über den Umgang mit historischer Bausubstanz. Das Wohnhaus Parey, Sigismundstr. 4 a. In: Jahrbuch des Werkbundarchivs 4 (1979), S. 197-208; Das letzte Haus. In: Bauwelt 70 (1979), S. 1698; Sieg ohne Sieger. Die Chronik einer städtischen Villa und ihres verhinderten Abrisses. In: Vom Alten Westen zum Kulturforum. Das Tiergartenviertel in Berlin - Wandlungen einer Stadtlandschaft. Hrsg. v. Olav Münzberg. Berlin 1988, S. 74-88; Dehio Berlin 2000, S. 437.

2) Die Wohnung nahm zwei Geschosse ein, die durch eine innenliegende Treppe verbunden waren. 1935 wurde das Einfamilienhaus in mehrere Kleinwohnungen unterteilt. Bei der Restaurierung des Gebäudes hat man die eingebauten Trennwände wieder entfernt, sodass die alten Raumeinheiten wieder erlebbar sind.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 175
  • Schmidt, Hartwig, Über den Umgang mit historischer Bausubstanz (Werkbundarchiv Jahrbuch 4), (1979) Sieg ohne Sieger. Die Chronik einer städtischen Villa und ihres verhinderten Abrisses =Vom Alten Westen zum Kulturforum, hrsg. v. Olav Münzberg, Berlin 1988 / Seite 74-88
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 124f.