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Transatlantische Güterversicherungsgesellschaft

Obj.-Dok.-Nr.: 09050286
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Reichpietschufer
Hausnummer: 20
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Geschäftshaus & Wohnhaus
Entwurf: 1910
Datierung: 1912-1913
Umbau: 1949 & 1960
Entwurf: Karchow, Paul (Architekt)
Ausführung: Fraenkel, Joseph (Baugeschäft)
Bauherr: Transatlantische Güterversicherungsgesellschaft

Das Quartier am Potsdamer Platz reicht bis zum Landwehrkanal, wo das debis-Hochhaus, errichtet nach Plänen von Renzo Piano, eine wichtige Landmarke bildet. Zwischen den Baublöcken und der Staatsbibliothek erstreckt sich eine Wasserfläche, das "urbane Gewässer". Es umschließt das Geschäftshaus der Transatlantischen Güterversicherungsgesellschaft, Reichpietschufer 20, das isoliert am Rand der Uferstraße steht. (1) Das mächtige Eckhaus, das ehemals die Einmündung der Schellingstraße in die Königin-Augusta-Straße markierte, ist das einzige Gebäude, das von der Vorkriegsbebauung des Geschäftsviertels zwischen Potsdamer Bahnhof und Potsdamer Straße übrig blieb. Architekt Paul Karchow errichtete das viergeschossige Geschäftshaus mit voll ausgebautem, steilen Walmdach 1910-13 für ein Versicherungsunternehmen, das sich auf den Überseehandel spezialisiert hatte. Um die Gesellschaft würdig zu repräsentieren, bildete der Architekt eine reich geschmückte Straßenfront aus. Die mit Werkstein verkleidete Fassade wird durch zwei hervortretende Risalite mit Arkadenloggia und Volutengiebeln charakterisiert, wobei die Giebel auf die norddeutsche Renaissance des beginnenden 17. Jahrhunderts verweisen. (2) Das Erdgeschoss ist mit einer kräftig bossierten Rustika versehen. An der abgeschrägten Gebäudeecke ist ein zweigeschossiger, durch Reliefs reich geschmückter Erker ausgebildet, der im vierten Geschoss von einer offenen Loggia fortgesetzt wird. Die Köpfe eines Afrikaners, eines Chinesen und eines Amerikaners deuten auf den Überseehandel. Bemerkenswert ist die außerordentlich gut erhaltene Eingangshalle, die mit grünbraun schimmernden Keramikfliesen ausgekleidet ist. (3) Das aufgemalte Rankenwerk der Wandfelder wurde in der Nachkriegszeit in Anlehnung an die ursprüngliche Gestaltung wieder hergestellt. Das Treppenhaus zeichnet sich durch gediegene Eingangstüren und ein klassizistisch gestaltetes Fahrstuhlgitter aus. Das 1999-2001 restaurierte Geschäftshaus beherbergt heute die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, das staatliche deutsche Entwicklungshilfeunternehmen.


1) Werner, H.: Bauten von Architekt Paul Karchow, Berlin. In: Der Profanbau 10 (1914), S. 418-425; Wirth 1955, S. 262.

2) Der Südgiebel wurde nach 1945 vereinfacht wiederhergestellt.

3) An der Seitenwand ist ein Wandbrunnen angebracht. Die aufgesetzte Keramikfigur ist nicht erhalten.

Literatur:
  • Werner, H./ Bauten von Architekt Paul Karchow, Berlin in
    Der Profanbau 10 (1914) 14 / Seite 418-425
  • Katamon Exposé / Seite 126
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005