denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Mietshaus Rathenower Straße 52

Obj.-Dok.-Nr.: 09050282
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Rathenower Straße
Hausnummer: 52
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Fertigstellung: 1884
Entwurf & Ausführung: Bergmann, C. (Maurermeister)
Bauherr: Bergmann (Maurermeister)

Im Umkreis der Kasernen, die östlich der Rathenower Straße den großen Exerzierplatz begrenzten, bestand ein großer Bedarf an herrschaftlichen Wohnungen für Offiziere. Ihr bevorzugtes Wohngebiet war die in den 1870er Jahren ausgebaute Rathenower Straße. Das 1884 errichtete Wohnhaus Rathenower Straße 52 unterscheidet sich mit seiner von der florentinischen Frührenaissance beeinflussten Fassadengestaltung, aber auch mit seiner ungewöhnlichen Grundrissteilung von den üblichen Mietshäusern in Neu-Moabit. (1) Bauherr und Architekt war C. Baumann, der auch die Ausführung leitete. Die stucklose, flache Straßenfront, teils verputzt, teils mit Ziegeln verblendet, wirkt mit dem ausladenden Dach, dem Sgrafittofries unter der Traufe, dem zweigeschossigen Backsteinsockel und den geometrischen Mustern der verputzten Wandflächen sehr eigenwillig. Der in Sgraffitotechnik ausgeführte Dekor ist nur noch teilweise erhalten. (2) Das einzige raumgreifende Element ist die backsteinverkleidete Loggienpartie, die den Hauseingang einbindet und die Mitte des Hauses betont. Sie verweist auf das dahinter liegende Treppenhaus, an das sich ein Lichthof anschließt. Das Mietshaus zeigt eine ausgefallene Grundrisslösung, die auf einer strikten Trennung von Wohn- und Wirtschaftsbereichen beruht. Das in der Mitte angeordnete Treppenhaus erschließt auf jedem Stockwerk zwei spiegelgleiche Fünfzimmerwohnungen, die bis in die beiden Seitenflügel reichen. Anstatt Küche, Bad, Speise- und Mädchenkammer an einem seitlichen Korridor des Seitenflügels aufzureihen, wurden alle Wirtschaftsräume im Vorderhaus angeordnet. Sie sind zum Lichthof orientiert und mit dem Eingangskorridor über einen kurzen Flur verbunden. Dadurch war es möglich, eine Raumflucht auszubilden, die vom Wohnraum an der Straßenseite über das Berliner Zimmer bis zu den Schlafräumen im Seitenflügel reicht. Die ungewöhnliche Grundrissorganisation nimmt Vorstellungen des bürgerlichen Reformmietshauses der Jahrhundertwende vorweg, sie macht die Besonderheit des Mietshauses aus, zu der auch die originelle Fassadengestaltung gehört, die sich von der zeittypischen Stuckarchitektur weit entfernt hat. (3)


1) [Miethaus in Berlin, Rathenower Str. 83] in: Bau- und Kunstgewerbe-Zeitung für das Deutsche Reich 3 (1887/88), S. 59, Tafel 23; Monke 1968, Bd. 1, S. 38, 70, 11, Bd. 2, Abb. 34, 195.

2) Für die Ausführung zeichnete die Malerfirma Mühling & Wittke verantwortlich.

3) Nördlich der Perleberger Straße hat sich auf dem Grundstück Rathenower Straße 46 ein vom gleichen Architekten 1886 errichtetes Mietshaus erhalten, das über ähnliche Grundrisse mit Küchen im Vorderhaus am Hof ohne einen seitlichen Korridor verfügt. Ein Lichthof fehlt jedoch und die Fassade zeigt nicht die gleiche konsequente Lösung.

Literatur:
  • Monke, Grundrißentwicklung des Berliner Mietshauses, 1968 Katamon ExposéTopographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 271