denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Anton-von-Werner-Haus

Obj.-Dok.-Nr.: 09050279
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Potsdamer Straße
Hausnummer: 81A
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1873-1874
Umbau: 1881 & 1938
Entwurf: Klingenberg, Ernst (Architekt)
Bauherr: Werner, Anton von (Maler)
Ausführung: Actien-Bau-Verein Königstadt

Das zur Villengruppe gehörende Anton-von-Werner-Haus, Potsdamer Straße 81 A, ist das einzige überlieferte private Künstlerhaus des wilhelminischen Berlin. (1) Das Haus wurde mehrfach aufgestockt. Die nachträglich verputzte Fassade hat, abgesehen von den Werksteineinfassungen der Fenster und des Hauseinganges, nichts Besonderes aufzuweisen. Hinter der schmalen zweiachsigen Front befand sich jedoch die Wohnung des Malers Anton von Werner, der 1871 nach Berlin gekommen war und als Hof- und Gesellschaftsmaler der Kaiserzeit berühmt wurde. Der Künstler ließ das anfangs nur zweigeschossige Haus 1873 von Ernst Klingenberg entwerfen und mit einem rückwärtigen Atelier im Obergeschoss ausstatten. 1881 wurde der Seitenflügel angebaut. Das Atelier wurde 1884 durch zusätzliche Räume erweitert, die als drittes Stockwerk und niedrige Attika in Erscheinung traten. (2) Bei einem einschneidenden Umbau 1938-39 in ein Geschäftshaus teilte man das Atelier in zwei Geschosse, sodass ein wesentlicher Teil des Künstlerhauses zerstört wurde, während das Raumgefüge in den beiden unteren Stockwerken erhalten blieb. (3) Hier fand man 1988 unerwartet große Teile der eigenhändigen Ausmalung Anton von Werners. In ihrer Farbigkeit, in der Dichte der Sujets und in dem reichen Dekor sind die Malereien einzigartige Zeugnisse gründerzeitlicher Raumausstattung und künstlerischer Selbstdarstellung. Die Wandgemälde demonstrieren nicht zuletzt den hohen gesellschaftlichen Rang Anton von Werners, der seit 1875 Direktor der Hochschule für bildende Künste und seit 1887 Vorsitzender des Vereins Berliner Künstler war und über enge Kontakte zum kaiserlichen Hof verfügte.

Während im Erdgeschoss die privaten Wohnräume lagen, erstreckten sich im Obergeschoss die Repräsentationsräume. Der in Rot gehaltene Salon führt die künstlerische Ahnengalerie des Hausherrn vor. In ornamentierten Wandfeldern blicken in großfigurigen Darstellungen Tizian und Raffael von den Wänden, in Medaillonbildnissen sind Rubens, Rembrandt, Dürer, Holbein, Velàzquez und Murillo dargestellt. Das Musikzimmer zieren Wandbilder, die nach Illustrationen zu Liedern des Dichters Johann Viktor v. Scheffel gemalt wurden. (4) Im Schlafzimmer sind in blaugetönten Feldern Szenen aus der Geschichte von Amor und Psyche zu sehen, im Kinderzimmer folgen Grisaillen mit Märchenszenen unter einem Sternenhimmel. Nur im Arbeitszimmer wechselt der Duktus von der erbauenden Unterhaltung zum patriotischen Bekenntnis. An der Decke prangt der Reichsadler, umgeben von einem mittelhochdeutschen Spruch, der das deutsche Land und Volk rühmt. An den Wänden findet man ein Kalendarium der Schlachten im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und Porträts der kaiserlichen Familie, des Chefs des Generalstabs der Armee, Helmuth Graf v. Moltke, und anderer Persönlichkeiten des wilhelminischen Staates.


1) Von Werner, Anton: Erlebnisse und Eindrücke 1870-1890. Berlin 1913; Bekiers, Anton: Die "Villa VI" - das Wohn- und Atelierhaus Anton von Werners. Geschichte und Wiederentdeckung. In: Anton von Werner. Geschichte in Bildern. Hrsg. v. Dominik Bartmann. Berlin 1998, S. 139-153; Weinland, Martina: Tages Arbeit, frohe Feste. Von Künstlerleben und Lebenskunst am Beispiel zweier Friese aus Anton von Werners "Villa VI". In: Anton von Werner. Geschichte in Bildern. Hrsg. v. Dominik Bartmann. Berlin 1998, S. 154-162; Dehio Berlin 2000, S. 445.

2) Architekt beider Umbauten (1881 Seitenflügel und 1884 Aufstockung für den Atelierumbau) war der Hof- und Ratsmaurermeister E. F. Jacob.

3) Umbau für die Düngemittel GmbH durch Fritz Fenker.

4) Anton v. Werner (1843-1915) war seit 1871 mit der ältesten Tochter Johann Viktor v. Scheffels verheiratet.

Literatur:
  • Anton von Werner, 1993 / Seite (Beiträge zu Überresten der Wandmalereien)
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 150ff.