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Mietshaus Kurfürstenstraße 21 & 22 & 23

Obj.-Dok.-Nr.: 09050273
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Kurfürstenstraße
Hausnummer: 21 & 22 & 23
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1885-1886
Umbau: 1933 & 1980
Entwurf: Schmieden, Heino (Architekt)
Ausführung: Aldenkirchen, Heinrich (Architekt)
Bauherr: Aldenkirchen, Heinrich & Schmieden, Heino (Architekt)

Durch die Nähe zur Potsdamer Straße und zu den Villen des Kielganviertels um die Derfflingerstraße wurden nach 1880 auch an der Kurfürstenstraße herrschaftliche Mietshäuser gehobenen Standards errichtet. Großzügige Wohnungen, die den ganzen Seitenflügel und die Hälfte des Vorderhauses beanspruchten, prächtige Treppenhäuser und Entrées und aufwendig mit Stuck verzierte Fassaden kennzeichnen diese Epoche. Als letztes Beispiel dieser Zeit blieb das 1885-86 erbaute Doppelmietshaus Kurfürstenstraße 21-23 zwischen Neubauten und entstuckten Hausfronten erhalten. (1) Entworfen von den Architekten Heino Schmieden und Heinrich Aldenkirchen, die sich auch als Bauherrn betätigten, präsentieren sich die beiden spiegelbildlichen Fassaden im schweren Neorenaissancestil niederländischer Prägung. Mit überbordend reich geschmückten Schauseiten wirken die Häuser in den Stadtraum hinein. Mit der robusten Rustika des Sockels, den eingeschnittenen hohen Rundbogenportalen, den symmetrisch gegliederten Obergeschossen, die mit Erkern, Balkonen und gekoppelten Fenstergruppen versehen sind, und nicht zuletzt mit dem Baudekor aus Fruchtgehängen, Löwenköpfen, Koren, Atlanten und Putten sind Anklänge an herrschaftliche Stadtpalais nicht zu übersehen. Das war sicher auch die Absicht der Architekten, lagen doch hinter der Straßenfront überaus großzügige Wohnungen mit bis zu zehn Zimmern, die aber in den 1930er Jahren aufgeteilt wurden. (2) Auch Entrée und Treppenhaus sind prächtig ausgestaltet. Säulen, Pilaster, reich ornamentierte schmiedeeiserne Geländer, marmorne Treppenstufen, farbige Tonfliesen und Wandmalereien zeugen von der hohen Kunstfertigkeit der beteiligten Handwerker und vom luxuriösen städtischen Wohnstil des ausgehenden 19. Jahrhunderts.


1) Für den Neubau der beiden Mietshäuser musste die hier liegende Amalienanstalt, eine soziale Einrichtung zur Aufnahme und Ausbildung obdachloser Mädchen und Frauen, abgebrochen werden. Die Anstalt bezog 1885 ein Haus in der Motzstraße 11 in Charlottenburg.

(2) Zwischen 1932 und 1936 wurden fast alle Wohnungen in kleinere Wohneinheiten aufgeteilt. Die Ausführung lag in den Händen der Architekten Arthur Korn und Siegfried Weitzmann. Ab 1980 wurden die beiden Häuser durch die Architektengemeinschaft AGP unter Betreuung der Neuen Heimat modernisiert.

Literatur:
  • Katamon Exposé / Seite 157f.
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005