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Landesversicherungsanstalt für die Provinz Brandenburg

Obj.-Dok.-Nr.: 09050271
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Keithstraße
Hausnummer: 28 & 30 & 32
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Verwaltungsbau
Datierung: 1908-1909
Entwurf: Rohde, Hermann (Architekt)
Ausführung: Beschoren, Arno
Entwurf: Solf und Wichards (Architekt)
Bauherr: Landesversicherungsanstalt Brandenburg

Die Landesversicherungsanstalt der Provinz Brandenburg an der Keithstraße 28/32 gehört zu den größten deutschen Versicherungsgebäuden. (1) Der 1908-09 errichtete Baukomplex erstreckt sich über acht Höfe bis zur Kurfürsten- und Wichmannstraße. (2) Während die beiden zugehörigen Mietshäuser im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, blieb der Hauptbau an der Keithstraße, der heute als Polizeidirektionsgebäude genutzt wird, erhalten. Einen monumentalen Eindruck erweckt die viergeschossige Straßenfassade über einem hohen Sockel mit einem kräftig rustizierten, dreiachsigen Mittelrisalit. Schon zur Erbauungszeit erregte das Verwaltungsgebäude inmitten der vornehmen Wohnhäuser des "Alten Westens" Aufsehen, sollte es doch die Bedeutung dieser preußischen Behörde deutlich nach außen tragen. Die Architekten Hermann Solf und Franz Wichards, die aus einem beschränkten Wettbewerb als Sieger hervorgegangen waren, übernahmen die Planung. Nach dem Tode Solfs gab Wichards den Auftrag zurück. Hermann Rohde, der zur gleichen Zeit mit dem Bau der Versicherungsanstalt in Posen betraut war, vollendete die Planung und Ausführung. Während die Hofseiten, verblendet mit roten Handstrichsteinen und ornamentierten Backsteinbossen, sachlich gehalten sind, gestaltete Hermann Rohde eine wuchtige Schaufassade an der Keithstraße. Der Mittelbau ist mit einer massiven Kalksteinrustika und mit kolossalen Säulen hervorgehoben. Im nicht mehr vorhandenen Giebel prangte ein riesiger brandenburgischer Adler. Die Härte der Werksteinfront wird durch die vorzügliche, vom Jugendstil beeinflusste Architekturplastik gemildert. Dazu gehören die puttenbesetzten Kapitelle. Die Bildhauerarbeiten stammen von Hermann Engelhard.


1) [Landesversicherungsanstalt für Brandenburg in Berlin] in: Berliner Architekturwelt (13) 1910/11, S. 56; Die Landesversicherungsanstalt Brandenburg. Architekt Hermann Rohde, Berlin. In: Berliner Architekturwelt 13 (1910/11), S. 379-396, Farbtafel vor S. 379; Feldgen, Camillo: Fassadenputz. In: Die Bauwelt 2 (1911), Heft 86, S. 17; Goecke, Theodor: Das Gebäude der Invaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalt der Provinz Brandenburg in Berlin. In: Deutsche Bauzeitung 26 (1892), S. 541-542; Neue Berliner Geschäftshäuser. In: Deutsche Bauhütte 17 (1913), S. 308, 311; Hermann Rohde. In: Neudeutsche Bauzeitung 11 (1915), S. 199, 204; Wirth 1955, S. 69; BusB IX, S. 186; Dehio Berlin 2000, S. 430.

2) Bis zum Bau der Landesversicherungsanstalt befand sich hier das sogenannte Carolina-Cottage, nach der hier wohnenden Fürstin Caroline v. Blücher genannt, ein 1872 von Baumeister H. Römer für Baron Kill-Mar erbautes Wohnhaus inmitten einer Parkanlage, dem ehemaligen Birkenwäldchen. Die beiden zum Neubaukomplex der Versicherungsanstalt gehörenden Wohnhäuser Kurfürstenstraße 78 und Wichmannstraße 20 sind im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, sie wurden nach 1945 abgebrochen. Hermann Rohde, der auch zur gleichen Zeit den Neubau des Geschäftshauses der Versicherungsanstalt in Posen leitete, setzte in Berlin Arno Beschoren für die Baubetreuung ein. Die örtliche Bauleitung hatte Bauführer Max Kobro inne.

Literatur:
  • Berliner Architekturwelt 13 (1910/11) / Seite 379ff.
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 69
  • BusB IX 1971 / Seite 186
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 467
  • Katamon Exposé / Seite 172
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005