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Lehrerwohnhaus der 216. und 222. Gemeindeschule mit Lesehalle

Obj.-Dok.-Nr.: 09050239
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Rostocker Straße
Hausnummer: 32
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus & Bibliotheksgebäude
Datierung: 1898-1899
Umbau: 1965
Entwurf: Zekeli, Fridolin (Architekt)
Ausführung: Zaar und Vahl (Architekt)
Bauherr: Stadtgemeinde Berlin

Gegenüber der Wohnanlage des Berliner Spar- und Bauvereins mündet die Rostocker Straße in die Sickingenstraße ein. Dort steht neben einfachen Mietshäusern ein stattliches Gebäude, das mit einer werksteingegliederten Putzfassade und turmartigen Erkern die Blicke auf sich zieht. Es handelt sich um das Lehrerwohnhaus der 216. und 222. Gemeindeschule, Rostocker Straße 32, das die Stadt Berlin mit dem zugehörigen Klassentrakt 1898-99 auf einem lang gestreckten Geländestreifen zwischen Rostocker Straße und Berlichingenstraße errichten ließ. (1) Während das Schulgebäude im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde, blieb das an drei Seiten freistehende Lehrerwohnhaus erhalten. Der Entwurf stammt von Stadtbauinspektor Fridolin Zekeli, der, nachdem Stadtbaurat Hermann Blankenstein 1896 aus dem Amt geschieden war, verschiedene städtische Bauten selbstständig ausführte. Dabei löste er sich vom blockhaften, nüchternen Backsteinstil, den Hermann Blankenstein bisher vertreten hatte. Fridolin Zekeli gliederte das viergeschossige Lehrerwohnhaus durch unterschiedlich gestaltete Fensteröffnungen, Fensterrahmungen aus Werkstein, die den spätgotisch geprägten Renaissancestil des 16. Jahrhunderts anklingen lassen, sowie dreiseitig gebrochene Eckpartien mit turmartigen Aufsätzen. Die fein ausgearbeiteten Brüstungsreliefs zeigen ein von Ornamenten umgebenes Kopfmedaillon. Im Profil ist der Kulturpolitiker und Historiker Friedrich v. Raumer abgebildet, der sich durch die Einführung öffentlicher Volksbibliotheken in Berlin große Verdienste erwarb. (2) Kopfmedaillon und Schriftzug über dem Haupteingang weisen darauf hin, dass im Erdgeschoss des Lehrerwohnhauses, hinter den Korbbogenfenstern, eine städtische Lesehalle untergebracht war. Die mitten im Arbeiterviertel eingerichtete Bibliothek, die im Grundriss erhalten ist, erinnert an das Bestreben der Stadt Berlin, durch öffentliche Volkslesehallen die Bildung breiter Bevölkerungskreise zu verbessern. Das Aufkommen der Volksbibliotheken im ausgehenden 19. Jahrhundert war von der Bücherhallenbewegung in Nordamerika und England beeinflusst. (3)


1) Wirth 1955, S. 91; BusB V C, S. 36, 92, 353.

2) Die Einrichtung von städtischen Volksbibliotheken in Berlin geht auf eine Initiative von Friedrich v. Raumer (1781-1873) zurück, der solche Einrichtungen auf Reisen nach England und Nordamerika kennengelernt hatte, siehe Buchholtz, Arend: Die Volksbibliotheken und Lesehallen der Stadt Berlin 1850-1900. Berlin 1900.

3) Die erste Volkslesehalle in Berlin richtete 1895 die Gesellschaft für ethische Kultur ein. 1905 bestanden elf städtische Hallen. Die Halle in der Rostocker Straße war die sechste in Berlin.

Literatur:
  • Oehlert, Wilhelm, Moabiter Chronik, Berlin 1910 / Seite 11, 198
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 36, 92
  • Beusselkiez und Hutteninsel, Berlin 1993 / Seite 59ff.
  • BusB V C 1991 / Seite 353
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 289f.