denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Mietshaus Alt-Moabit 92

Obj.-Dok.-Nr.: 09050223
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Alt-Moabit
Hausnummer: 92
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1872
Umbau: 1990
Entwurf & Ausführung: Heinel, Albert (Zimmermeister)
Bauherr: Heinel, Albert (Zimmermeister)

Westlich des Doppelmietshauses Alt-Moabit 89-90 weist eine Baulücke auf eine alte Zufahrt zu einem Fabrikgelände hin. Auf dem Hinterland befand sich die 1872 von Bauunternehmer und Zimmermeister Albert Heinel erbaute und betriebene Holzbearbeitungsfabrik mit Dampfschneidemühle. Während die Fabrikgebäude nicht mehr vorhanden sind, blieb das vornehme Wohnhaus Alt-Moabit 92 erhalten, das Albert Heinel, auf den zahlreiche Mietshäuser in Moabit zurückgehen, 1872 nach eigenem Entwurf errichtet hat. (1) Das Wohnhaus im großbürgerlichen Villenstil enthielt neben der Wohnung des Bauherrn mehrere Mietwohnungen. (2) Heute ist es das letzte erhaltene Fabrikantenwohnhaus in Alt-Moabit. Aufgrund der beengten Grundstücksverhältnisse musste Albert Heinel den dreigeschossigen Baukörper mit der Schmalseite zur Straße legen, sodass die westliche Längsseite den offenen Hofraum begrenzt. Der Grundriss wurde aus dieser Anordnung heraus entwickelt. Das Treppenhaus in der Mittelachse der Längsseite teilt das Gebäude in zwei Bereiche. In den beiden Obergeschossen erstreckten sich große Mietwohnungen mit jeweils vier Zimmern, Küche, Bad, Toilette, Speise- und Mädchenkammer. Die Wohnung des Bauherrn umfasste dagegen das gesamte Hochparterre, wobei das Treppenhaus die Gesellschaftszimmer im vorderen Bereich, an der Straße, von den rückwärtigen Schlaf- und Wirtschaftsräumen trennte. (3) Albert Heinel hatte bei seinem Entwurf sicher die 1849 erbaute Villa von August Borsig westlich der Stromstraße vor Augen, die große Aufmerksamkeit erregte. Das Hochparterre mit seiner kräftigen Quaderung, das wuchtige Konsolgesims und das fein gegliederte Serlianamotiv hinter den halbrunden Balkonen der Längsseite verraten wie die Borsig-Villa Vorbilder aus der italienischen Renaissance. Die Längsseite des Wohnhauses wurde mit hervortretenden Eckrisaliten und dem Haupteingang in der Mittelachse als repräsentative Hauptfassade gestaltet. Der wohlgegliederte Fassadenaufbau mit einer feinen Durchbildung aller Details, zu sehen am filigranen schmiedeeisernen Gitter des Balkons, verdeutlicht die künstlerische Qualität des Wohnhauses. Das Gebäude, eines der wenigen erhaltenen gründerzeitlichen Wohnhäuser im Villen- oder Palaisstil in Berlin, übertrifft den bürgerlichen Mietshausstandard in Moabit deutlich. (4)


1) Nach Albert Heinels Plänen entstanden in den 1870er Jahren die Mietshäuser Bremer Straße 63, 64, 67, 68 sowie 1888 das Mietshaus Jagowstraße 22.

2) Monke 1968, Bd. 1, S. 27-28, 87-88, Bd. 2, Abb. 7, 7a, 106-107.

3) Nach Monke 1968 könnte entgegen dem bei der Baupolizei eingereichten Entwurf auch das 1. Obergeschoss für eine Wohnung Heinels genutzt worden sein. Dafür spricht die hervorgehobene architektonische Gestaltung dieses Geschosses mit Balkon und Loggia.

4) Das Wohnhaus verweist auf den Villen- oder Palaisstil der Architekten Friedrich Hitzig und Carl Schwatlo, die für das freistehende städtischer Herrschaftshaus ähnliche Gestaltungs- und Grundrisslösungen fanden.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 156 (gleiches Objekt?)
  • Monke, Grundrißentwicklung des Berliner Mietshauses, 1968 / Seite 27f, 87f.
  • Katamon Exposé / Seite 221f.
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005