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Wohnanlage Agricolastraße 13 & 14 & 14A & 15 Tile-Wardenberg-Straße 16 & 17 & 17A & 18

Obj.-Dok.-Nr.: 09050218
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Agricolastraße
Hausnummer: 13 & 14 & 14A & 15
Strasse: Tile-Wardenberg-Straße
Hausnummer: 16 & 17 & 17A & 18
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wohnanlage
Entwurf: 1925
Datierung: 1926-1928
Umbau: 1952
Entwurf: Beyer, Fritz (Architekt)
Entwurf: Köhler, Ferdinand (Architekt)
Ausführung: Richter und Schädel (Baugeschäft)
Bauherr: Gemeinnützige Baugenossenschaft Steglitz

Architektonisch und bautechnisch richtungsweisend war die Wohnanlage Agricolastraße 13-15 und Tile-Wardenberg-Straße 16-18, die 1927-28 für die Gemeinnützige Baugenossenschaft Steglitz eGmbH errichtet wurde. (1) Fritz Beyer und Ferdinand Köhler legten zwischen Agricolastraße und Tile-Wardenberg-Straße zwei sich gegenüberstehende Hauszeilen an, die einen zu beiden Straßen geöffneten begrünten Wohnhof mit Durchgangswegen und Kinderspielplatz einfassen. Gegenüber den abgewinkelten Kopfbauten sind die fünfgeschossigen Häuser im tiefer liegenden Hof halbgeschossig versetzt. Freitreppen überwinden den Höhenunterschied. Durch die Ost-West-Richtung der Zeilen konnten die Wohnungen, die schon eine zentrale Heizungs- und Warmwasseranlage besaßen, nach der Sonnenseite orientiert werden. Die Wohnanlage ist einfach und schlicht gehalten, wie man an der flächigen Kontur, aufgelockert durch Loggien und Rücksprünge, an den Flachdächern, am glatten Putz und an den rechteckigen, teils liegenden Fenstern sieht. (2) Die Treppenhausachsen wurden durch vertikale Fensterbänder hervorgehoben, während Klinkerstreifen für einen sparsamen Schmuck der Hauseingänge sorgen. Neuartig war vor allem die Konstruktion der Wohnanlage. Die Architekten wählten die moderne Stahlskelettbauweise, die man vorher fast nur im Industriebau genutzt hatte. Die Gefache des Stahlskeletts, bestehend aus durchlaufenden Stahlstützen und -trägern, sind mit leichten, wärmeisolierenden Schwemm- und Schlackensteinen ausgefacht. Zu den Vorteilen der Bauweise zählte die kurze Bauzeit, die Möglichkeit freier Grundrissgestaltung sowie der bessere Wärmeschutz. Die Senkung der erforderlichen Materialmengen führte zu einer Minderung des Eigengewichts, wodurch beim Bauen auf schlechtem Untergrund erhebliche Kosten für die Fundamentierung gespart werden konnten. Diesen Vorteil konnte man bei der Wohnanlage an der Agricolastraße besonders ausnutzen, weil der Baugrund im Spreebogen aufgrund des hohen Grundwasserspiegels sehr ungünstig war. Die im Zweiten Weltkrieg beschädigte Wohnanlage wurde 1950-52 teilweise verändert und mit kleineren Wohnungen wieder hergestellt.


1) Wettbewerb von Eisen und Ziegel um die Vorherrschaft im Wohnungsbau. In: Groß-Berliner Bauzeitung 4 (1928), Heft 30, S. 5-7; Schmuckler, Hans: Ausstellung und Ausstellungsbau des Deutschen Stahlbau-Verbandes und des Stahlwerks-Verbandes auf der Baumesse in Leipzig. In: Bauwelt 20 (1929), Heft 9, Beilage, S. 23-24; Schmuckler, Hans: Stahlskelett-Wohnungsbau. In: Groß-Berliner Bauzeitung 5 (1929), Heft 9, S. 26-27; Gottfeldt, H.: Stahlskelettbauten der Steffens & Nölle A.-G., Berlin-Tempelhof. In: Der Stahlbau 2 (1929), S. 47-48; Siedler: Der Stahlskelettwohnungsbau. In: Die Baugilde 12 (1930), S. 317-318; Brunner: Statische und konstruktive Betrachtungen über den Stahlskelettbau. In: Der Stahlbau 3 (1930), S. 212; Vom wirtschaftlichen Bauen. Bearb. v. Rudolf Stegemann. Dresden 1930, S. 47; Siedler, J.: Der Stahlskeletthochbau und die Durchbildung seiner Außenwand. In: Ausgewählte Vorträge aus dem Gebiet des Stahlbaues. Hrsg. v. Deutschen Stahlbau-Verband. Berlin 1931, S. 57-58; BusB IV A, S. 248; BusB IV B, S. 369-370; Junghans, Kurt: Das Haus für alle. Zur Geschichte der Vorfertigung in Deutschland. Berlin 1994, S. 241, 248.

2) Von Fritz Beyer stammt ein Vorentwurf mit reich dekorierten expressionistischen Fassaden, ähnlich seiner 1927-29 ausgeführten Wohnanlage in der Klemkestraße in Berlin-Reinickendorf. Beyer, der nicht zu den modernen Architekten der Weimarer Republik zählte, fühlte sich wohl veranlasst, entsprechend der modernen Konstruktionsweise der Hausgruppe auch ein modernes Äußeres im Stil der Neuen Sachlichkeit zu geben.

Literatur:
  • BusB IV B 1974 / Seite 369-370 (Obj. Nr. 901)
  • BusB IV A 1970 / Seite 248 (Obj. Nr. 101)
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 241