denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Kulturforum

Obj.-Dok.-Nr.: 09050202
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Herbert-von-Karajan-Straße
Hausnummer: 1 & 11
Strasse: Scharounstraße
Hausnummer: 7
Strasse: Matthäikirchplatz & Potsdamer Straße
Hausnummer: 33 & 35 & 37 & 50
Strasse: Reichpietschufer
Hausnummer: 46
Strasse: Tiergartenstraße
Hausnummer: 1
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Konzertsaal & Museum
Entwurf: 1956
Baubeginn: 1960
Fertigstellung: 1987
Entwurf: Scharoun, Hans (Architekt)
Entwurf: Wisniewski, Edgar (Architekt)

Die Bauten des Kulturforums erstrecken sich zu beiden Seiten der ausgebauten Potsdamer Straße, die in der Nachkriegszeit nach Westen verlegt und deutlich verbreitert wurde. (1) Mit den weiträumigen Freiflächen und dem Verzicht auf axiale Beziehungen folgt das Kulturforum den städtebaulichen Vorstellungen der Nachkriegszeit. Locker gruppierte Großbauten bilden eine offene, fließende Stadtlandschaft. Dabei wurde das alte Straßennetz ausgelöscht. Nur noch die St. Matthäus-Kirche erinnert an die frühere Geschichte des Quartiers. Wegen seiner monofunktionellen Struktur ist das Kulturforum niemals zu einem großstädtischen und belebten Quartier geworden.

Die Idee des Kulturforums entstand, nachdem das Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen hatte, die neue Philharmonie nicht an der Bundesallee in Wilmersdorf, sondern am südlichen Rand des Tiergartens, nahe der alten Stadtmitte, zu errichten. (2) Damals ahnte man noch nicht, dass das innerstädtische Gebiet durch den Bau der Mauer in eine Randlage geraten sollte. Von Anfang an hatte das Kulturforum einen politischen Hintergrund. Es war als westliches Gegenstück zur Museumsinsel und zu den kulturellen Einrichtungen in Ost-Berlin gedacht. Das städtebauliche Konzept erarbeitete Hans Scharoun, der zugleich die meisten Bauten des Kulturforums konzipierte. Eine Piazza vor der 1956-60 wieder aufgebauten St. Matthäus-Kirche sollte den Mittelpunkt des Kulturforums bilden. Um die Piazza zu begrenzen, entwarf Hans Scharoun ein Gästehaus, das jedoch niemals ausgeführt wurde. Schon frühzeitig war vorgesehen, die Philharmonie um das Musikinstrumentenmuseum und den Kammermusiksaal zu erweitern. Das Gelände zwischen der St. Matthäus-Kirche und der Stauffenbergstraße wurde für die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz freigehalten, die 1962 den Beschluss fassten, dort die Museen europäischer Kunst anzusiedeln. Das Areal westlich der Potsdamer Straße war für die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz reserviert. Bereits 1962 stand fest, dass zwischen St. Matthäus-Kirche und Landwehrkanal ein Museumsgebäude nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe entstehen wird.

Die Ausführung dieses Konzepts dauerte mehr als drei Jahrzehnte. Als Hans Scharoun 1972 starb, waren lediglich Philharmonie und Neue Nationalgalerie fertig gestellt. Die Staatsbibliothek konnte erst 1978 eingeweiht werden. Edgar Wisniewski, ein Mitarbeiter Scharouns, errichtete zwischen 1978 und 1987 die Bauten neben der Philharmonie. Der Kammermusiksaal wurde dabei erheblich vergrößert. Der Bau der Museen verzögerte sich deutlich. (3) Rolf Gutbrod, der 1967 den Auftrag zur Museumsplanung erhielt, gruppierte um eine schräg ansteigende Terrasse vier Museumsgebäude, die durch eine quer liegende Eingangs- und Verteilerhalle miteinander verbunden sind. Nur das 1978-85 ausgeführte Kunstgewerbemuseum mit seinen fensterlosen, gestreiften Klinkerflächen und den wuchtigen Betonpfeilern im Innern konnte fertig gestellt werden. Nach heftiger Kritik musste sich Rolf Gutbrod zurückziehen. Heinz Hilmer und Christoph Sattler erhielten 1988 den Auftrag, die im Rohbau fertig gestellten Bauteile der Eingangshalle sowie des Kupferstichkabinetts und der Kunstbibliothek mit einer neuen Fassade zu versehen und die Gesamtplanung zu vollenden. Die Architekten entwarfen die Gemäldegalerie, die mit ihren Nebengebäuden die gesamte Grundfläche bis zur Stauffenbergstraße einnimmt. Die Ausstellungsräume sind um eine großzügige, lang gestreckte, dreischiffige Halle gruppiert, die man durch eine Rotunde mit oktogonaler Kuppel betritt. Die Gemäldegalerie konnte 1998 eröffnet werden. Das Kulturforum ist unvollendet geblieben, denn der Berliner Senat verzichtete auf den Bau des Gästehauses an der Potsdamer Straße. (4)


1) Auf der alten Straßenachse steht heute die Staatsbibliothek.

2) Zur Geschichte des Kulturforums siehe Kühne, Günther: Heraus aus den Trümmern! in: Platz und Monument. Die Kontroverse um das Kulturforum Berlin 1980-1992. Berlin 1992, S. 10-15; Peschken, Goerd: Scharouns Berliner Stadtlandschaft und das Kulturforum. In: Platz und Monument. Die Kontroverse um das Kulturforum Berlin 1980-1992. Berlin 1992, S. 36-49; Frank, Robert: Das Kulturforum - ein unvollendetes Projekt. In: Platz und Monument. Die Kontroverse um das Kulturforum Berlin 1980-1992. Berlin 1992, S. 73-157; Wisniewski, Edgar: Scharouns Konzeption für das Kulturforum als Stadtlandschaft im Tiergarten. In: Denkmalpflege nach dem Mauerfall. Eine Zwischenbilanz. Berlin 1997, S. 159-164.

3) Siehe dazu BusB V A, S. 47-51.

4) Hans Hollein legte 1983 einen Entwurf für die Neugestaltung des Kulturforums vor, der kontrovers diskutiert wurde. An die St. Matthäus-Kirche sollte sich ein City-Kloster anschließen. Eine gekrümmte Kolonnade sollte die bogenförmig verschwenkte Potsdamer Straße begrenzen. Das Projekt scheiterte, siehe Platz und Monument. Die Kontroverse um das Kulturforum Berlin 1980-1992. Berlin 1992.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 117f.