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Mietshaus Elberfelder Straße 10 & 11

Obj.-Dok.-Nr.: 09050182
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Elberfelder Straße
Hausnummer: 10 & 11
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1908-1909
Umbau: 1952
Entwurf & Ausführung: Mattheus, Adolph (Maurermeister)
Bauherr: Erbbauverein Moabit

Die 1908-09 errichtet Wohnanlage des Erbbauvereins Moabit, Elberfelder Straße 10-13, nimmt den Mittelteil der Mietshausgruppe ein. (1) Das zweite Bauvorhaben der 1904 gegründeten gemeinnützigen Baugenossenschaft umfasst zwei spiegelbildliche Mietshäuser, die die beiden großen Parzellen sehr rationell erschließen. (2) Das Vorderhaus umsteht mit zwei Seitenflügeln und einem Quergebäude einen großen begrünten Wohnhof, während am hinteren zweiten Hof ein kurzer Mittelflügel liegt. Auf diese Weise war es möglich, die in den Hintergebäuden angeordneten Wohnungen mit ausreichend Licht, Luft und Sonne zu versorgen. Maurermeister Adolph Mattheus war für Grundrissentwurf und Bauausführung verantwortlich.

Mit der geschickten Grundrissteilung konnten viele quer belüftete Wohnungen eingerichtet werden. Damit war eine der wohnhygienischen Forderungen der Wohnungsbaureformer erfüllt. Auch die übrige Ausstattung der 155 Wohnungen mit ein bis drei Zimmern lag über dem Standard der üblichen Arbeiterwohnungen. Die meisten Wohneinheiten verfügen über Balkon oder Loggia, teilweise ist auch ein Bad angegliedert. Die hohe Zahl von Ein- und Zweizimmerwohnungen macht deutlich, dass die geringen finanziellen Möglichkeiten der einkommensschwachen Bevölkerungsschichten berücksichtigt werden mussten. (3) Beim kriegszerstörten und 1952 wieder aufgebauten Mietshaus Elberfelder Straße 10-11 sind viele historische Elemente verschwunden, während die Hauseinheit Elberfelder Straße 12-13 weitgehend erhalten blieb. Die Wohnreformer in den Genossenschaften verbanden Wohnlichkeit und Schlichtheit. Die Häuser zeigen eine traditionelle Natursteinverkleidung des Erdgeschosses und kleinteilige Sprossenfenster, die Wandflächen sind sehr sparsam gegliedert. Ritter mit Schilden bewachen den Eingang zum Haus Elberfelder Straße 13. Die tonnengewölbten Zugänge zum Treppenhaus sind in klassizistischer Manier mit Pilastern und Girlanden geschmückt. Die Wand- und Bodenkeramik beeindruckt durch ihr schlichtes geometrisches Design.


1) 25 Jahre Erbbauverein Moabit. Berlin 1929, S. 8-9; BusB IV A, S. 238; BusB IV B, S. 123-124; Monke 1968, Bd. 1, S. 64-65; Bd. 2, Abb. 56, 190. Monke 1968 und BusB nennen F. Behnke irrtümlich als Architekten, der aber lediglich Mitglied des Erbbauvereins war.

2) Die gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Erbbau-Verein Moabit eGmbH wurde 1904 von 27 Mitgliedern der Moabiter Ortsgruppe des Bundes Deutscher Bodenreformer gegründet. Da man nach bodenreformerischen Grundsätzen bei den geplanten Bauvorhaben in erster Linie das Erbbaurecht zur Anwendung kommen sollte, von dem man sich eine Senkung der Wohnungsmiete versprach, wurde der Genossenschaft der Name "Erbbau-Verein Moabit" gegeben. Einen großen Anteil der Mitglieder machten gering besoldete Reichs- und Staatsbeamte aus, weil die Genossenschaft so in den Genuss billiger Staatshypotheken zur Finanzierung ihrer Bauvorhaben kam. Vgl. Geschichte der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft in Berlin. Hrsg. vom Verband Berliner Wohnungsbaugenossenschaften und -gesellschaften e.V. Berlin 1957, S. 75, 200; 25 Jahre Erbbauverein Moabit. Berlin 1929, S. 6.

3) Damit waren wesentliche Ziele der Mietshausreformer erreicht, wenn auch aufgrund der hohen Grunderwerbskosten, die etwa ein Drittel der gesamten Herstellungskosten betrugen, das Grundstück mit Quergebäuden und Seitenflügeln relativ dicht ausgenutzt werden musste. Erst in den 1920er Jahren kam es auf der Grundlage einer neuen Bauordnung und der staatlichen Förderung aus Hauszinssteuermitteln zu einem radikalen Bruch mit dem Mietshaussystem des 19. Jahrhunderts.

Literatur:
  • Katamon Exposé / Seite 226f.
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005