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Friedrich-Werdersches Gymnasium & 231. und 263.Gemeindeschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09050177
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Bochumer Straße
Hausnummer: 8 & 8A & 8B & 8C
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Schule
Datierung: 1906-1908
Umbau: 1936
Umbau: 1985
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Entwurf: Stiehl, Otto
Ausführung: Faber und Westphal (Baugesellschaft)
Bauherr: Stadtgemeinde Berlin

Der (...) Schulkomplex Bochumer Straße 8, 8 A-C scheint mit seiner Backsteinfassade und den gliedernden Lisenen den Baustil des Mietshauses fortzuführen. Auch Stadtbaurat Ludwig Hoffmann vereinfachte und versachlichte schon frühzeitig, bald nach der Jahrhundertwende, seine Architektur und verknüpfte diese neuen Tendenzen ebenso wie August Dinklage und Ernst Paulus mit traditionellen Elementen. Das Friedrich-Werdersche Gymnasium, verbunden mit der 231. und 263. Gemeindeschule, wurde 1906-08 von Ludwig Hoffmann unter der Bauleitung von Otto Stiehl errichtet. (1) Um den teuren Baugrund optimal ausnutzen und möglichst viele Schulklassen unterbringen zu können, wurde der Geländestreifen an der Bochumer Straße durch eine geschickte Erschließung der gesamten Blockinnenfläche für drei Schulen genutzt. Ludwig Hoffmann setzte das Gebäude des Friedrich-Werderschen Gymnasiums an den Blockrand, um den höheren Rang der Lehranstalt auch architektonisch im Straßenraum herausstellen zu können. Der monumentale viergeschossige Klassentrakt wird links und rechts Lehrerwohnhäusern eingefasst, die etwas niedriger gehalten sind, um zu den benachbarten Mietshäusern überzuleiten. Rückwärtig folgen die beiden Gemeindeschulen mit einem Quergebäude und zwei Seitenflügeln, die einen unregelmäßig geformten Pausenhof umschließen. Mit den roten Backsteinfassaden und den Reliefs aus hellem Sandstein wird das von Ludwig Hoffmann verfolgte Prinzip deutlich, die Architektur aus dem Material und aus der dem Baustoff entsprechenden Konstruktion heraus zu entwickeln. Die Straßenfront wird durch mächtige, vollkommen glatte Wandpfeiler in ruhiger und gemessener Weise gegliedert. Die Brüstungsflächen der Fensterachsen sind mit Sandsteinreliefs verblendet. Zusammen mit dem Mansarddach und dem in der Mitte aufragenden Schweifgiebel sind Anklänge an die barocke Architektur in Norddeutschland und den Niederlanden unverkennbar. Ludwig Hoffmann nimmt mit dem Schulbau Bezug auf die von seinem Studienfreund Alfred Messel 1903-04 erbaute Landesversicherungsanstalt am Köllnischen Park, die einen vergleichbaren Fassadenaufbau besitzt. Die Halbreliefs des Bildhauers Ignatius Taschner, die antike Heroen abbilden, verdeutlichen den Bildungsanspruch des Gymnasiums. Nicht erhalten ist die Laterne, die oberhalb des geschweiften Giebels das Mansarddach bekrönte. Die Hofseiten des Klassentrakts sind viel einfacher gehalten. Bestimmend sind die schlichten, durch Lisenen geteilten Backsteinwände.


1) Hoffmann, Ludwig: Neubauten der Stadt Berlin 9 (1910), S. XI, Tafeln 21-24; Stahl, Fritz: Ludwig Hoffmann. Berlin 1914, S. 15; Wirth 1955, S. 93; Hoffmann, Ludwig: Lebenserinnerungen eines Architekten. Hrsg. von Wolfgang Schäche. Berlin 1983, S. 178; BusB V C, S. 19, 69, 91, 360, Abb. 164-166. Das Gebäude wurde 1937 für die Unterbringung der Ingenieurschule Gauß umgebaut.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 93
  • Hegemann, Werner, Zu Ludwig Hoffmanns 75. Geburtstag =Wasmuths Monatshefte für Baukunst 11 (1927) / Seite 322-324
  • Schäche, Wolfgang, Ludwig Hoffmann in Baumeister,Architekten, Stadtplaner, 1987 / Seite 291-292
  • BusB V C 1991 / Seite 19, 69, 91, 360
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 231f.