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Mater-Dolorosa-Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09050174
Bezirk: Pankow
Ortsteil: Buch
Strasse: Pölnitzweg
Hausnummer: 66
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche kath.
Entwurf: 1933
Datierung: 1934-1935
Entwurf: Weber, Josef (Architekt)
Ausführung: Kretschmann, Josef (Bauunternehmer)
Bauherr: Katholische Kirchengemeinde

Südöstlich der ehemaligen IV. Städtischen Irrenanstalt (Genesungsheim), am Rande des Wohngebiets Kolonie Buch wurde 1934-35 die katholische Mater-Dolorosa-Kirche, Pölnitzweg 66/68 nach Entwurf von Josef Weber errichtet. (1) Für die in Buch stetig steigende Zahl der Katholiken war eine Gemeinde gegründet worden, die zugleich zuständig war für die Betreuung von Karow und Röntgental sowie der Patienten in den Bucher Kliniken. Die am 30. Juni 1935 der "schmerzhaften Gottesmutter" geweihte Kirche, ein kleiner lang gestreckter, mit roten Klinkern verblendeter Saalbau, der durch einen markanten Staffelgiebel mit Metallkreuz an der Stirnseite betont ist, fügt sich wirkungsvoll in die Umgebung mit Wohnhäusern und Gärten ein. Von den mehr als 30 katholischen Kirchenneubauten der NS-Zeit in Berlin vertritt die Bucher Kirche eine Stilrichtung, in der Neue Sachlichkeit und Expressionismus der 1920er Jahre noch nachwirken. In seinem schlichten, aber reizvollen Erscheinungsbild, das eine plastische Gliederung des Mauerwerks durch unterschiedlich eingefügte flache Klinker erzeugt, ist der Bau ein bemerkenswertes Zeugnis dieser Richtung. (2) Die horizontalen, leicht erhabenen Klinkerbänder an den Fassaden entstehen dadurch, dass die bunten, unregelmäßig gebrannten Verblendklinker abwechselnd in Sechserreihen hochkant und in einer Reihe flach liegend, aber leicht vortretend, eingesetzt sind. Auch die schlanken Rundbogenfenster an den Längsseiten und die beiden Fenster mit Rundbogenblenden, in denen je eine Glockehängt, an der südwestlichen Eingangsseite sind jeweils durch eine Schicht flacher vortretender Klinker gerahmt. Diese mit einfachsten Mitteln erzeugte Plastizität der Fassaden wird durch die Färbung des Baumaterials in ihrer lebhaften Wirkung unterstützt. Der einschiffige Innenraum mit Empore ist von einer Holzdecke überspannt, deren Gliederung durch rote Balken ebenso wie die Fenster mit farbigen Glasscheiben noch erhalten ist. 1991 wurde für den Einbau einer neuen Orgel die Empore umgebaut, darüber hinaus Beleuchtung, Altar und skulpturaler Schmuck verändert. (3) 1992 entstand der Anbau eines zweigeschossigen Gemeindezentrums mit Pfarrhaus, das mit einem Verbindungsbau in Glas-Stahl-Konstruktion mit neuem Kircheneingang direkt an die Kirche anschließt.


1) Märkische Volks-Zeitung 17.09.1934 und 23.06.1935; Katholisches Kirchenblatt 07.07.1935, S. 19; BusB VI, S. 195, 197, 409.

2) Englert, Kerstin: Kirchen zwischen 1933 und 1945. In: BusB VI, S. 195 ff.

3) Wandleuchten wurden durch Decken-Pendelleuchten ersetzt. 1979 Reliefs zur Kreuzigung Christi an den Längsseiten angebracht. 1989 erfolgte der Umbau des Altarraumes, bei dem das fünfstufige Sockelpodest reduziert wurde. Ein Wandbild ("Muttergottes" von Theodor Rüttgens) wurde durch eine Pietà ersetzt. Der Marmoraltar wurde beseitigt und durch einen freistehenden Tischaltar ersetzt. Die Marmortischplatte ist in eine Seitenbegrenzung des Altarraumes eingebaut und mit einem neuen Tabernakel ausgestattet (der originäre ist nicht mehr erhalten). Der Skulpturenfries "Die sieben Schmerzen Marias" wurde durch eine Darstellung der Kreuzigung Christi ergänzt (Erfassung Landesdenkmalamt Berlin).

Literatur:
  • Märkische Volkszeitung / Seite 17.09.1934
  • Katholisches Kirchenblatt / Seite 23.06.1935
  • Topographie Buch, 2010 / Seite 116f.