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Friedhofsverwaltung mit Torhaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09050171
Bezirk: Pankow
Ortsteil: Buch
Strasse: Robert-Rössle-Straße
Hausnummer: 10
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus & Verwaltungsgebäude
Entwurf: 1910
Datierung: 1913-1922
Entwurf: Hoffmann, Ludwig (Architekt & Stadtbaurat)
Bauherr: Stadt Berlin

An der Zufahrt zum Campus stehen zwei kleine Gebäude aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. Das Torhaus und das Wirtschaftsgebäude, Robert-Rössle-Straße 10, wurden 1913-22 von Ludwig Hoffmann für den von ihm entworfenen II. Städtischen Zentralfriedhof von Berlin errichtet. (1) Die 1925 mit dem Bau einer Kapelle, einem aufwändig gestalteten Zentralbau mit Kuppel, fertig gestellte Friedhofsanlage konnte wegen eines zu hohen Grundwasserspiegels nie in Betrieb genommen werden. Nach dem Abriss der Kapelle im Jahr 1950 sind die beiden Gebäude die einzigen Zeugnisse für die groß angelegte Planung eines zweiten Berliner Zentralfriedhofs in Buch, für dessen Grünanlagen Gartenbaudirektor Albert Brodersen die ersten Pläne ausgearbeitet hatte, und für die nur noch in wenigen Spuren erhaltene Hoffmannsche Anlage. (2)

Das Torhaus markiert den Eingang und die Hauptachse des ehemaligen Friedhofs, das einstige Wirtschaftsgebäude schließt sich auf der linken Seite des Weges im rechten Winkel an. Das Torhaus ist als eingeschossiger Putzbau mit hohem Walmdach und Sprossenfenstern gegliedert, ein überhöhter Mittelbau nimmt die mit Säulen, Pilastern und Architrav gefasste Duchfahrtshalle auf. Die architektonische Gestaltung mit klassizistischen Anklängen an die Architektur um 1800 verleiht dem kleinen Bau eine seiner ursprünglichen Bestimmung gemäße feierliche Wirkung. Das Wirtschaftsgebäude, ein flacher eingeschossiger Putzbau mit Walmdach, mit dreiteiliger Baukörpergliederung mit leicht vortretenden Flügeln, mit Sprossenfenstern und hölzernen Remisentoren, zeigt sich dagegen in einer schlichten und funktionalen Form. Nach Aufgabe der Friedhofsplanungen und der Ansiedlung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung wurde das Torhaus als Wohnhaus für das Institut319 und das Wirtschaftsgebäude von der Pankower Parkverwaltung genutzt, die auf dem verbliebenen Teil des Areals eine Baumschule betrieb. Heute sind beide Gebäude in den Campusbetrieb integriert: Das Torhaus beherbergt ein Café, das Wirtschaftsgebäude dient der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Max-Delbrück-Centrums.


1) Döhl, Dörte: Ludwig Hoffmann. Bauen für Berlin 1896-1924. Berlin 2004, S. 358 f.; Viergutz 1989, S. 62 f., 66-79.

2) Als letzte Überbleibsel der gesprengten Kirche stehen Sandsteinsäulenreste an der Kreuzung der beiden ehemaligen Friedhofsalleen und markieren deren einstigen Standort. An ihre Stelle traten in den 1950er Jahren erste Bauten für die Akademie der Wissenschaften der DDR, die später baulich erweitert wurden und die Zentralinstitute für Molekularbiologie und für Krebsforschung aufnahmen.

Literatur:
  • Viergutz, Volker, L. Hoffmanns Bauten in Berlin =Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 1989 / Seite 66-79
  • Bielka, H., Beiträge zur Geschichte der medizinisch-biologischen Institute Berlin-Buch, 1992Topographie Buch, 2010 / Seite 104f.
  • Topographie Buch, 2010