denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Gleichrichterwerk

Obj.-Dok.-Nr.: 09050035
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: An der Putlitzbrücke
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Gleichrichterwerk
Datierung: 1927-1928
Entwurf: Brademann, Richard (Architekt)
Ausführung: Müller (Eisenbahningenieur)
Bauherr: Reichsbahndirektion Berlin

Der S-Bahnhof Westhafen wurde beim Ausbau der Ringbahn in den späten 1990er Jahren vollständig erneuert. In unmittelbarer Nachbarschaft An der Putlitzbrücke steht ein Gleichrichterwerk, das 1927-28 im Zuge der Elektrifizierung der Berliner S-Bahn errichtet wurde. (1) In den 1920er Jahren wurden Nahverkehrsstrecken mit Stromschienen ausgestattet, die den zum Antrieb der Züge erforderlichen Gleichstrom zuführen. Um den Drehstrom, der vom Kraftwerk mit 30.000 Volt geliefert wird, in Gleichstrom von 800 Volt umzuwandeln, mussten an den Bahnstrecken in dichten Abständen ferngesteuerte Umformer- und Gleichrichterwerke errichtet werden. Die sachlichen, funktionalen Gebäude gestaltete Richard Brademann, der Hausarchitekt der Reichsbahndirektion Berlin. Während seiner Amtszeit entwickelte sich die S-Bahn zu einem in Europa vorbildlichen Schnellbahnsystem. Brademann gab den dafür notwendigen Bauten durch seine am Neuen Bauen der 1920er Jahre orientierte Gestaltung ein neues Gesicht, das nach seinen Vorstellungen im Einklang mit dem "elektronischen Organismus" zu stehen hatte. (2) Das Gleichrichterwerk an der Putlitzbrücke entspricht nicht dem üblichen Ringbahntyp. Richard Brademann musste hier ein größeres Gebäude entwerfen, weil die Reichsbahn beabsichtigt hatte, auch den Güternahverkehr am Güterbahnhof Moabit elektrisch zu betreiben. (3) Die technischen Einrichtungen sind in einem blockhaften, sachlichen Backsteingebäude untergebracht, das mit seinen klaren Formen die Funktionalität unterstreicht, aber doch einen künstlerischen Anspruch erkennen lässt. Während die Stahltore des Erdgeschosses bequemen Zugang zu den dort aufgestellten Transformatoren und Ölschalter ermöglichen, sind hinter den querrechteckigen Stahlfenstern des Obergeschosses die Gleichrichter angeordnet. Dem auskragenden, flachen Betondach antwortet das gesimsartige Vordach über den Stahltoren.


1) Hochbauten der Reichsbahn-Direktion Berlin für die Elektrisierung der Berliner Stadt- und Vorortbahn. Architekt: Richard Brademann, Berlin. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 13 (1928), S. 481-493; Brademann, Richard: Hochbauten der Elektrisierten Stadt- und Vorortbahnen. In: Zeitschrift für Bauwesen 80 (1930), S. 29; Schieb: Stromversorgung der Berliner Stadtbahn. In: Verkehrstechnische Woche 24 (1930), S. 226; Riedel, Karl: Die ferngesteuerten Gleichrichterwerke der Berliner Stadtschnellbahn. In: Elektrische Bahnen 7 (1931), S. 205-213; BusB X B (2), S. 101, 194; Gympel, Jan: Richard Brademanns Bauten für die Berliner S-Bahn. In: Bauwelt 84 (1993), S. 1998-2001; Dost 2002, S. 85.

2) Brademann, Richard, Umformerwerke. In: Wasmuths Lexikon der Baukunst. Bd. IV. Berlin 1932, S. 588.

3) Ein gleichartiges Gleichrichterwerk wurde 1927-28 in Berlin-Weißensee auf dem Bahnhofsgelände an der Greifswalder Straße erbaute, siehe Brademann, Richard: Hochbauten der Elektrisierten Stadt- und Vorortbahnen Reichsbahndirektion Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen (80) 1930, S. 32, Abb. 38; Dost 2002, S. 84.

Literatur:
  • BusB X B 2 1984 / Seite 52, 159-160, 194
  • Berliner Verkehrsblätter 1975 / Seite 17
  • Berliner Verkehrsblätter 1978 / Seite 217
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 25 (1905) / Seite 380
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 29 (1909) / Seite 431-433
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 313