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Wohnanlage Ritterstraße-Nord

Obj.-Dok.-Nr.: 09046611
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Alte Jakobstraße
Hausnummer: 120A & 121
Strasse: Feilnerstraße
Hausnummer: 1 & 1A & 1B & 2A & 3 & 4 & 4A & 7 & 8 & 9 & 10 & 11 & 12
Strasse: Lindenstraße
Hausnummer: 30 & 31 & 36 & 37
Strasse: Oranienstraße
Hausnummer: 99 & 100 & 101 & 102 & 102A & 103 & 103a & 104 & 105
Strasse: Ritterstraße
Hausnummer: 55 & 55A & 55B & 56 & 56A & 56B & 57 & 57A & 57B & 58 & 58A 6 58B & 59 & 59A & 59B & 60 & 60A & 60B
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Hofanlage & Mietergarten & Freifläche
Datierung: 1982-1988
Entwurf: Krier, Rob (Architekt)
Entwurf: Halfmann, Jasper (Architekt)
Entwurf: Zillich, Klaus (Clod) (Architekt)
Bauherr: Klingbeil-Gruppe

Die Freiflächen der Wohnanlage Ritterstraße-Nord, Ritterstraße 55-60B, Alte Jakobstraße, Feilernstraße, Lindenstraße und Oranienstraße wurden 1982 bis 1988 nach einem Entwurf von Jasper Halfmann und Klaus (auch Clod) Zillich angelegt. (1) Die beiden Architekten reagierten mit ihrer Gestaltung auf die unterschiedlichen Außenraumtypen, die von Rob Krier konzipiert worden waren. (2) Mit dem hohen Anteil an kleinen Mietergärten sowie identitätsstiftenden und intensiv nutzbaren Hofanlagen und Freiflächen unterstützt das Freiraumkonzept die planerische Intention der Internationalen Bauausstellung Berlin (IBA 1987), die Individualisierung des innerstädtischen Wohnungsbaus zu fördern und ein funktionsfähiges Stadtquartier zu schaffen. (3) Zurückhaltend, aber bestimmend werden die sehr gut erhaltenen privaten, gemeinschaftlichen, öffentlichen und halböffentlichen Bereiche voneinander getrennt, ohne die gestalterische Einheit zu vernachlässigen, die durch den geschickten Einsatz immer wiederkehrender Gestaltungselemente wie Pergolen und Alleen sowie die häufige Verwendung von Klinker, Betonsteinen und Kleinsteinpflaster geschaffen wird. Außergewöhnlich sind die vielen Verbindungen zwischen dem Schinkelplatz, den vier Gartenhöfen und den Passagen über zahlreiche Tordurchgänge.

Den zentralen Schinkelplatz legte Krier als allseitig geschlossenen, 30 x 30 Meter großen Raum an. Der Platz ist mit einer Lineatur aus Granitplatten und einer schmalen Freitreppe vor dem Feilnerhaus als steinerner Platz geplant, erhielt aber zusätzlich eine Rahmenpflanzung mit Platanen, (4) die bis auf die Exemplare vor dem Feilnerhaus 2014 durch Spitzahorn ersetzt wurden. Krier hatte ursprünglich zehn Figuren auf hohen Postamenten vorgesehen, (5) aufgestellt wurde aber nur eine Stele ohne Figur. Über den Schinkelplatz wird die gesamte Wohnanlage erschlossen: zum einen durch mittig angeordnete Tordurchgänge an allen vier Platzseiten, zum anderen durch vier Durchgänge in den Platzecken, die den Platz mit den vier Gartenhöfen verbinden. Die Tordurchgänge führen im Norden auf die Oranienpassage, im Süden auf die Feilnerpassage, in Ost-Westrichtung führt die verkehrsberuhigte Feilnerstraße über den Platz. Die Feilnerstraße besitzt auf ihrer Nordseite kleine Mietergärten mit Vorgartencharakter, im Süden einfache Gehölzstreifen mit einzelnen Baumpflanzungen. In der Ritterstraße am Südrand der Anlage liegen leicht erhöht ebenfalls Mietergärten, die mit Betonsteinen und Hecken zur Straße hin abgegrenzt sind. Diese zahlreichen kleinen Privatgärten verleihen dem Wohngebiet mitten in der Innenstadt eine sehr ruhige und intime Atmosphäre.

Die gesamte Wohnanlage durchzieht eine Nord-Süd-Passage, die gleichzeitig das Wohngebiet Ritterstraße-Nord mit der Ritterstraße-Süd und dem Wohnpark Am Berlin Museum verbinden sollte. (6) Die Teilabschnitte Feilnerpassage und Oranienpassage sind halböffentliche Fußgängerverbindungen zwischen Oranienstraße und Ritterstraße. Die Oranienpassage wird durch eine Robinienallee geprägt. In ihrer Mitte liegt zunächst eine Tiefgaragenzufahrt, Richtung Süden folgt ein Gehölzbeet. An den Seiten liegen ebenfalls kleine Mietergärten, die durch halbhohe Klinkermauern und Hecken begrenzt werden. In der Feilnerpassage verläuft eine Platanenallee, die ein leicht versenktes Parterre mit niedrigen Gehölzen fasst. Ursprünglich war es ein Rasenparterre, das im Winter geflutet und als Eisbahn genutzt werden sollte. (7) Einfache Gehölzpflanzungen begleiten die Häuserseiten. Die Wohnanlage Ritterstraße-Nord besitzt vier Gartenhöfe, von denen jeder ein besonderes Gestaltungskonzept erhielt. Den nordwestlichen Hof nannten Halfmann und Zillich "Pergolagarten". Hier finden sich in der Mitte verschlungene Wege aus Klinker sowie Gehölz- und Baumpflanzungen, ein Spielbereich und der Zugang zur Tiefgarage. Diesen gemeinschaftlichen Bereich rahmt eine umlaufende Pergola aus weißen Betonsäulen mit Holzauflage. Den Erdgeschosswohnungen wurden kleine Privatgärten zugeordnet, die mit niedrigen Klinkermauern und Hecken gefasst sind.

Der nordöstliche Gartenhof ist etwa nur halb so groß wie die drei anderen Höfe, wirkt aber durch die optische Anbindung an die Höfe der angrenzenden ehemaligen Reichsschuldenverwaltung nicht zu klein. Die Erdgeschosswohnungen haben ebenfalls kleine Mietergärten mit Klinkermauern und Hecken. Im Hof finden sich auf einer rechteckigen Rasenfläche Spielgeräte sowie Baum- und Gehölzpflanzungen. Eine einreihige Pergola, gleich in Gestaltung und Material wie im "Pergolagarten", trennt Gemeinschafts- und Privatbereich voneinander ab und begleitet einen Klinkerweg.

Den südwestlichen Gartenhof bezeichneten Halfmann und Zillich als "Gehirngarten": "Er ist gestaltet in Analogie zu einem Schnitt durch das Gehirn (Hommage à Foucault: "Wahnsinn und Gesellschaft")," (8) und spielt auf den ehemaligen Gefängnishof der Militärarrestanstalt an, die sich ursprünglich an der Kreuzung von Linden- und Feilnerstraße befunden hat. Den gemeinschaftlich nutzbaren Innenbereich mit "Gehirngrundriss", den die Architekten mit Wegen und Pflanzflächen nachzeichneten und der in Resten erhalten ist, sowie die Kinderspielmöglichkeiten rahmt im Quadrat eine massiv wirkende einreihige Pergola, deren Stützen und Auflage aus dicken, tropischen Wasserbauholzbalken bestehen. Wie in den anderen Höfen liegen vor den Erdgeschosswohnungen kleine Privatgärten, die durch Gehölzpflanzungen abgetrennt sind. Zwischen umlaufendem Weg und Mietergärten setzten Halfmann und Zillich als Begleitung der Pergola kleinkronige Kugelrobinien, von denen nicht mehr alle erhalten sind.

Im Südosten liegt schließlich der "Zellgarten", in dem eine kreisrunde Pergola den Innenbereich betont. Die einreihige Pergola ist wie ihr Pendant im "Gehirngarten" aus dicken Tropenholzbalken gefertigt. Sie umfasst eine Rasenfläche mit Spielbereichen sowie Pflasterovalen aus grauem und rotem Granitkleinpflaster. Wegeführung, Vegetationsstrukturen und Raumbildungen sind frei in den Hof gelegt und betonen die von Halfmann und Zillich gewünschte "Offenheit der Nutzung". (9) Dementsprechend waren den Erdgeschosswohnungen ursprünglich keine der bereits seit Anfang der 1980er Jahre abgepflanzten privaten Gärten zugeordnet, sondern die gesamte Hoffläche sollte gemeinschaftlich genutzt werden. (10)


(1) Machleidt: Die Blöcke 28, 31. In: IBA Neubaugebiete 1987, S. 253; IBA Projektübersicht 1991, S. 192.

(2) Halfmann, J.; Zillich, C.: Wohnumfeldgestaltung und Gartenhöfe im Feilner-Wohnquartier. In: IBA Neubaugebiete 1987, S. 273.

(3) IBA Projektübersicht 1991, S. 192.

(4) IBA Projektübersicht 1991, S. 193.

(5) Krier, Rob: Wohnhäuser am Schinkelplatz. In: IBA Neubaugebiete 1987, S. 259.

(6) Heute sind Teile der Passage aus Sicherheitsgründen abgeschlossen.

(7) Halfmann, J.; Zillich, C.: Wohnumfeldgestaltung und Gartenhöfe im Feilner-Wohnquartier. In: IBA Neubaugebiete 1987, S. 273.

(8) Halfmann, J.; Zillich, C.: Wohnumfeldgestaltung und Gartenhöfe im Feilner-Wohnquartier. In: IBA Neubaugebiete 1987, S. 273.

(9) Halfmann, J.; Zillich, C.: Wohnumfeldgestaltung und Gartenhöfe im Feilner-Wohnquartier. In: IBA Neubaugebiete 1987, S. 273.

(10) Rumpf, Peter: 146 Wohnungen in Berlin, Ritterstraße-Nord oder Die gute alte Zeit des Sozialen Wohnungsbaus. In: Bauwelt 74 (1983) 42, S. 1683.

Literatur:
  • Halfmann, J.; Zillich, C.: Wohnumfeldgestaltung und Gartenhöfe im Feilner-Wohnquartier in
    Kleihues, Josef, Paul: Südliche Friedrichstadt. Rudimente der Geschichte. Ort des Widerspruchs. Kritische Rekonstruktion. Schriftenreihe zur Internationalen Ba / Seite 273
  • Kleihues, J. P.: Zwischen Orianienstraße, Alter Jakobstraße, Ritterstraße und Lindenstraße. in
    Kleihues, Josef, Paul: Südliche Friedrichstadt. Rudimente der Geschichte. Ort des Widerspruchs. Kritische Rekonstruktion. Schriftenreihe zur International / Seite 252-253
  • Krier, R.: Schinkelplatz auf der Feilnerstraße. in
    Kleihues, Josef, Paul: Südliche Friedrichstadt. Rudimente der Geschichte. Ort des Widerspruchs. Kritische Rekonstruktion. Schriftenreihe zur Internationalen Bauausstellung Berlin 1984/87, Band 3. St / Seite 256-257
  • Krier, R.: Wohnhäuser am Schinkelplatz. In: Kleihues, Josef, Paul: Südliche Friedrichstadt. Rudimente der Geschichte. Ort des Widerspruchs. Kritische Rekonstruktion. Schriftenreihe zur Internationalen Bauausstellung Berlin 1984/87, Band 3. Stuttgart, 1987 / Seite 258-259
  • Machleidt, H.: Block 28/31. in
    Kleihues, Josef, Paul: Südliche Friedrichstadt. Rudimente der Geschichte. Ort des Widerspruchs. Kritische Rekonstruktion. Schriftenreihe zur Internationalen Bauausstellung Berlin 1984/87, Band 3. Stuttgart, 1987 / Seite 253-255
  • Rumpf, Peter: 146 Wohnungen in Berlin, Ritterstraße-Nord oder Die gute alte Zeit des Sozialen Wohnungsbaus. In: Bauwelt. Heft 42, 1983 / Seite 1678-1696
  • Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen Berlin (Hg.): Internationale Bauausstellung Berlin 1987. Projektübersicht. Aktualisierte und erweiterte Ausgabe. Berlin, 1991Wimmer, Clemens Alexander: Parks und Gärten in Berlin und Potsdam. Berlin, 1989 / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 147 ff.