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Garten am Berlin Museum

Obj.-Dok.-Nr.: 09046607
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Lindenstraße
Hausnummer: 14
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Gartenanlage
Datierung: 1984-1988
Entwurf: Kollhoff, Hans & Ovaska, Arthur (Architekt)
Bauherr: Bezirksamt Kreuzberg

Hinter dem Kollegienhaus, das seit 1969 für das Berlin Museum genutzt wurde und seit 2001 zum benachbarten Jüdischen Museum gehört, befindet sich der Garten am Berlin Museum, Lindenstraße 14, der 1984 bis 1988 nach einem Entwurf der Architekten Hans Kollhoff und Arthur Ovaska im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Berlin (IBA 1987) angelegt wurde. (1) Der Garten ist eine postmoderne Antwort auf die barocke Gartenkunst und dient dem historischen Gebäude als Repräsentationsfläche, seinen Besuchern der Erholung und dem Museum als erweiterte Ausstellungs- und Aktionsfläche. Diese Eigenschaften waren im internationalen städtebaulichen IBA-Ideenwettbewerb "Wohnen in der Friedrichstadt" gefordert, den die beiden Architekten 1980 mit dem 1. Preis gewannen. (2) Die Gestaltung des Gartens hatte einen Bezug zu den barocken "Ministergärten", die ehemals hinter den Palais an der Wilhelstraße lagen. (3) Ursprünglich war er frei zugänglich und als Teil der Durchwegung des angrenzenden IBA-Wohngebiets geplant. Nur abends sollte die Anlage geschlossen werden. (4) Aus Sicherheitsgründen sind heute die Garteneingänge im Norden und Osten auch tagsüber verschlossen, der umfriedete Garten steht der Öffentlichkeit jedoch unentgeltlich über das Museum zur Verfügung.

Die Gartenanlage wird durch eine sehr klare Gliederung geprägt, deren barocke Grundstruktur durch leichte und raffinierte Verschiebungen der Achsen und Proportionen sowie durch eine ungewöhnliche Materialauswahl postmodern verfremdet wird. Kollhoff und Ovaska brechen mit eingespielten Sehgewohnheiten, indem sie Wege breiter oder schmaler anlegen als erwartet, unterbrechen oder verspringen lassen. Auffällig sind auch ungewöhnliche Höhensprünge, schiefe Ebenen und überraschend auftauchende Gliederungselemente wie zusätzliche Hecken, Steinquader oder Kiesbänder, die zu Richtungsänderungen und Umwegen zwingen oder sogar den Blick auf Besonderheiten zunächst verstellen. Die barocken Zitate der Gartenkunstgeschichte werden im Garten am Berlin Museum äußerst klug über ihren historischen Ursprung hinaus verwendet. Das Ergebnis ist eine transzendente, moderne Gestaltung mit eindrucksvollen Brüchen, spannungsreichen Raumbeziehungen und unterschiedlichen Nutzungsräumen, unterstrichen durch ein gut durchdachtes Lichtkonzept. Der hervorragend gepflegte Garten ist bis auf wenige Details in seinem Originalzustand erhalten.

Im Norden wird der Garten durch eine zweireihige gepflasterte Lindenallee gesäumt, die an eine märkische Straße erinnert. (5) An den Nordflügel des Museums schließt sich ein Heckengarten mit Treillagengang für das Museumscafé an. Die mit Goldregen überwachsene Treillage (6) nimmt klaren Bezug zu barocken Laubengängen, weckt aber mit ihrem fast kreisförmigen Tunnel aus Stahlringen Assoziationen an einen modernen Industriebau. Hinter dem Heckengarten befindet sich ein Raster aus kastenförmig geschnittenen Platanen. Im Süden liegen als Pendants zu Heckengarten und Platanenraster zwei Rasenparterres, die nicht nur durch ihre leicht unregelmäßige Form auffallen, sondern auch durch ihre schiefen Ebenen. Die postmoderne Interpretation wird durch unregelmäßig hereingestreute Zierapfelbäume zusätzlich überzeichnet. Am Gartenende befindet sich hinter einer Hainbuchenhecke eine Treppenanlage, die vornehmlich aus großen Rasenstufen besteht und zu einem Plateau hinaufführt. In den Rasenstufen ist ein flacher, runder Brunnen aus rotem Granit mit Fontäne platziert. Zum Plateau hin wird er durch eine weiße, halbrunde Betonwand betont, die an eine schmucklose Barockgrotte erinnert. Auf dem Plateau beginnt eine Wasserkaskade, aus deren flacher, quadratischer Schale aus rotem und grauem Granit Wasser über eine schmale, graue Granitbahn über die Rasenstufen fließen kann. Der Wasserlauf liegt schräg in der Gartenmittelachse und wird durch querende Wege unterbrochen. Vor dem Museum wird auf der Höhe der Treillage aus dem Wasserlauf ein langgestreckter Betonquader. Das Plateau schließt eine zweireihige Pappelwand. Die Südseite des Gartens wird einreihig durch Pappeln begrenzt. Auf dem Plateau wurde ein Lehmbackofen eingefügt, der für Feste und pädagogische Programme genutzt wird, jedoch nicht zur Originalausstattung des Gartens gehört.


(1) IBA Projektübersicht 1991, S. 187.

(2) Frowein, Dieter/Spangenberg, Gerhard: Victoria. In: Bauen und Wohnen in alter Umgebung, hrsg. v. Bauausstellung Berlin GmbH, Berlin 1984, S. 122.

(3)Kollhoff, Hans/Ovaska, Arthur: Garten am Berlin Museum. In: Bauen und Wohnen in alter Umgebung, hrsg. v. Bauausstellung Berlin GmbH, Berlin 1984, S. 128.

(4) Wohnen in der Friedrichstadt. Internationaler städtebaulicher Ideenwettbewerb für das Gebiet zwischen Lindenstraße und Alter Jakobstraße am Berlin Museum mit Typenentwürfen für die "Innenstadt als Wohnort", hrsg. v. Bauausstellung Berlin GmbH, Berlin 1980, S. 37.(5) Baldus, Claus: Garten am Berlin Museum. In: IBA Neubaugebiete 1987, S. 278.(6) Eine Treillage ist ein bewachsener Laubengang.

Literatur:
  • Baldus, Claus: Garten am Berlin Museum. in
    Kleihues, Josef, Paul: Südliche Friedrichstadt. Rudimente der Geschichte. Ort des Widerspruchs. Kritische Rekonstruktion. Schriftenreihe zur Internationalen Bauausstellung Berlin 1984/87, Band 3. Stuttgart, / Seite 278
  • Frowein, Dieter; Spangenberg, Gerhard: Victoria. in
    Bauausstellung Berlin GmbH (Hg.): Bauen und Wohnen in alter Umgebung. Berlin, 1984 / Seite 119-127
  • Kollhoff, Hans; Ovaska, Arthur: Garten am Berlin Museum. in
    Bauausstellung Berlin GmbH (Hg.): Bauen und Wohnen in alter Umgebung. Berlin, 1984 / Seite 128-130
  • Machleidt, Hildebrand: Block 33. Zwischen Ritterstraße, Alter Jakobstraße, Hollmannstraße und Lindenstraße.in
    Kleihues, Josef, Paul: Südliche Friedrichstadt. Rudimente der Geschichte. Ort des Widerspruchs. Kritische Rekonstruktion. Schriftenreihe zu / Seite 274-277
  • Bauausstellung Berlin GmbH (Hg.): Wohnen in der Friedrichstadt. Internationaler städtebaulicher Wettbewerb. Berlin, 1980 &Hertweck, Florian; Marot Sébastien (Hg.): Die Stadt in der Stadt. Berlin: Ein grünes Archipel. Ein Manifest (1977) von Oswald Mathias / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 141 f.