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Mietvilla Wallotstraße 12

Obj.-Dok.-Nr.: 09046578
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Grunewald
Strasse: Wallotstraße
Hausnummer: 12
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietvilla
Datierung: 1901-1902
Entwurf & Ausführung & Bauherr: Becher, Ewald (Architekt)

Mietvillen von 1912 aus einer ursprünglich weitläufigeren Gruppe haben sich in der Wallotstraße 10, 12 erhalten. Ewald Becher, Architekt und Bauherr zugleich, versuchte, die Einzelbauten formal gegeneinander abzusetzen, ohne aber ihren übergeordneten räumlich-optischen Zusammenhang aufzugeben. Obgleich die Nummer 10 weit hinter die Straße zurücktritt und die Nummer 12 direkt an sie herangesetzt ist, sind beide Bauten durch eingeschossige, offene Hallen miteinander verbunden und von derselben Stabgittereinfriedung eingefaßt. Beide zeichnen sich durch eine Monumentalität aus, die im zeitgleichen Landhaus- und Villenbau in der Regel noch nicht zu den stilprägenden Elementen gehörte. Dieser Eindruck entsteht zum einen durch die Vertikalorientierung der Baumassen, zu der die leichten Aufschüttungen und die extrem hohen Sockelgeschosse beitragen, zum anderen durch die starke Betonung einzelner Bauglieder. So bilden etwa die mächtigen korinthisierenden Säulen im Obergeschoß der Nummer 12 trotz des Fehlens der abschließenden Kuppel ein für Bauten dieser Art ungewöhnlich dominantes Motiv. Diesem entspricht - allerdings ohne die gleiche Wuchtigkeit - der Rundgiebel bei der Nummer 10. Sein Tympanon schmückt ein von Greifen gehaltenes Wappen in flachem Stuckrelief. (293)

Der Garten des Hauses Wallotstraße 12 umfaßt auch die Grundstücke Koenigsallee 17 und 17a. Die gärtnerische Anlage ist das Ergebnis einer um 1923 vollzogenen Umgestaltung. Sie stellt sich als grundsätzlich formal aufgebauter und geometrische Begriffe berücksichtigender Garten dar. Er entwickelt sich aus der am Haus liegenden halbrunden Freitreppe und nimmt damit auf die Hauptachse des Hauses, in der Salon, Diele und Speisezimmer liegen, Bezug. Aus einer kleinen, wassergebundenen Gartenterrasse wird die für den folgenden Garten notwendige Breite entwickelt, indem zwei seitlich hinabführende Wege einen regelmäßig aufgebauten Rosengarten einschließen. Hierauf folgt auf nochmals abgesenktem Bodenniveau ein rechteckiges Rasenparterre, welches von regelmäßig gepflanzten Eiben gefaßt ist. Als Pendant zu Terrasse und Freitreppe ist am Ende der Sicht- und Gestaltungsachse ein Sitzplatz mit halbrunder Bank installiert. Um den tiefer als die Koenigsallee liegenden Garten abzuschirmen, ist entlang der Straßengrenze ein waldartig anmutender Pflanzenstreifen angelegt worden. Der seitlich der Hauptachse auf dem Grundstück Koenigsallee 17a liegende Gartenteil wird ebenfalls waldartig geprägt und besitzt einen wertvollen Bestand an alten Eichen und Robinien. Hier befindet sich an der Koenigsallee die 1921 im expressionistischen Stil errichtete Toranlage von Bruno Schneidereit. Die auf Repräsentation bedachte und doch weitgehend pflanzlich geprägte Gartenanlage gewinnt besonderes Interesse in der benachbarten Lage zum Garten Goldberg, Koenigsallee 17b/19, der etwa zeitgleich mit wesentlich mehr baulichen Mitteln gestaltet wurde.


293) Das Äußere der Nr. 10 ist im wesentlichen erhalten, das Innere in den sechziger Jahren für Heimzwecke umgenutzt worden. Die Nr. 12 stand geraume Zeit leer und ist im Äußeren stark beschädigt. Eine Restaurierung wird momentan erwogen.

Literatur:
  • Topographie Wilmersdorf/Grunewald, 1993 / Seite 160f.