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Villa Ramelow

Obj.-Dok.-Nr.: 09046532
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Grunewald
Strasse: Lassenstraße
Hausnummer: 11 & 13 & 15
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Villa
Datierung: 1895-1896
Umbau: 1912
Entwurf: Schaede, Paul (Architekt)
Ausführung: Harnisch, Kurt (Maurermeister)
Bauherr: Ramelow, Gustav (Kaufhausbesitzer)

Schon die Stellung der nur geringfügig hinter die Baufluchtlinie zurücktretenden, 1895/96 für den Kaufhausbesitzer Gustav Ramelow errichteten Villa in der Lassenstraße 11/15 und ihre aufwendige schmiedeeiserne Einfriedung macht den Unterschied zum Messel-Bau deutlich. Ging es beim dortigen Kernbau vornehmlich um die Privatbedürfnisse der Bauherrenfamilie, so war dieses Gebäude in seiner besonders reichen äußeren Gestaltung und der inneren Raumdisposition auf eine vordergründige Repräsentation ausgerichtet. Eine manieriert wirkende, beschlagwerkähnliche Ornamentik mit Wappenkartuschen und mit Reliefs, die an den Ecken zu Wasserspeiern ausgeformt scheinen, ziert den klaren von einer Attika gekrönten Baukörper, dessen Bestimmtheit der westliche Zugangstrakt von 1912 verunklärt. (195) Trotz mehrfacher Umnutzung haben sich die ursprünglichen Innenausbauten, namentlich die mit reichstem, feingliedrigem Holzschnitzwerk dekorierte Diele und Teile des heute als Konferenzsaal dienenden Speisezimmers zu einem Großteil erhalten können.

Der Villa ist nach Süden ein ebenfalls auf Repräsentation bedachter Garten zugeordnet, der sich in einem erfreulich guten Zustand befindet. Ein in weitem Bogen geführter Umgangsweg erschließt die Gartenanlage und faßt eine große zentrale Rasenfläche, die seitlich von unregelmäßig angeordneten Baum- und Strauchpflanzungen gerahmt ist. Der südöstlich hiervon gelegene Gartenbereich wurde durch Erdaufschüttungen deutlich modelliert und intensiv bepflanzt. Hier endet auch die Sichtachse, welche die Achse des Hause im Garten fortsetzt. Als "point de vue" dient ein am Ende der Rasenfläche aufwendig gestaltetes Wasserspiel. Die zur Kaskade aufgeschichteten Kalk-Tuffsteine, über die Wasser in ein unregelmäßig geformtes Becken lief, ist an den Rand eines Hügels gelehnt. Von hier aus führen bogenförmige Wege in die Süd- und Ostecke des Gartens, deren Wirkung ebenfalls durch Bodenerhebungen gesteigert wird. Der wertvolle alte Pflanzenbestand aus Laub- und Nadelgehölzen unterstreicht in besonderem Maße den großzügigen Charakter dieser Anlage. Leichte Regelmäßigkeiten in der Grundstruktur werden durch die Bepflanzung verdeckt. Insgesamt stellt sich dieser Garten als typisches Produkt landschaftlicher Gestaltungstendenzen des ausgehenden 19. Jahrhunderts dar.


195) Die Ostseite wurde mehrfachen Umgestaltungen unterworfen. Nachteilig die Terrassen- und Wintergartenerweiterungen von 1936/37. In den sechziger und siebziger Jahren innere Umbauten für ein Institut der TU Berlin. Dieser Nutzung wurden auch die hinter dem Gebäude befindlichen, mehrmals erweiterten und aufgestockten Stallungen unterworfen, deren äußere Gestalt von 1929 stammt.

Literatur:
  • Topographie Wilmersdorf/Grunewald, 1993 / Seite 112f.