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Landhaus Andreae

Obj.-Dok.-Nr.: 09046526
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Grunewald
Strasse: Kronberger Straße
Hausnummer: 7 & 9
Strasse: Hubertusbader Straße
Hausnummer: 28
Strasse: Reuterpfad
Hausnummer: 2 & 4
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Landhaus
Datierung: 1913-1914
Bauherr: Andreae, Fritz (Bankier)
Entwurf: Breslauer und Salinger (Architektensozietät)
Ausführung: Joseph Fraenkel (Baufirma)

Eine der nach Größe und architektonischer Gestaltung bedeutendsten Villen ließ sich der Bankier Fritz Andreae 1913/14 von Breslauer & Salinger in der Kronberger Straße 7/9 erbauen. Obwohl das riesige Grundstück bis zum Reuterpfad bzw. zur Hubertusbader Straße reichte, rückten die Architekten den über annähernd quadratischem Grundriß errichteten Kubus mit seiner repräsentativen Doppelvorfahrt relativ weit an die Straße heran. Es ist ein Atriumhaus - das einzige in Grunewald -, dessen Äußeres mit Loggia und Nischenfiguren im Sinne der italienischen Renaissance durchgebildet wurde. Der Grundriß des "Palazzo", dessen Erdgeschoß fast ebenerdig liegt, umschließt einen Innenhof, dem Vestibül und Gartensaal zugeordnet sind. Die reich dekorierten Gesellschaftsräume, insbesondere der im Südflügel gelegene Saal, wurden nach Kriegseinwirkung von dem späteren Besitzer, dem Zigarettenfabrikanten Paicos, sorgfältig wiederhergestellt. Die "Villa Paicos", wie sie auch heute genannt wird, ist in Berlin als italienisierender repräsentativer Bau ein singuläres Beispiel. (248)

Beim bemerkenswert gut gepflegten Garten handelt es sich um eine Anlage aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg, bei der die landschaftliche Eigenart des Grunewaldes zum Thema der Gestaltung wurde. In seiner einfachen und klaren Gliederung ist der Garten Fortsetzung der Entwurfsidee des Hauses, jedoch wird das repräsentative Element nur geringfügig auf ihn übertragen. Die Rückfront des Hauses mit vorgelagerter offener Säulenhalle bestimmt den Hauptteil des Gartens. Ein regelmäßig geführter Weg umschließt in großem Bogen eine leicht modellierte Rasenfläche, auf der in einigem Abstand zum Haus alte Kiefern belassen wurden. Von diesem Umgangsweg führten regelmäßig angeordnete Seitenwege zu einem am Reuterpfad liegenden Tennisplatz und in einen waldartig geprägten Bereich auf dem nordwestlichen Grundstück. Die regelmäßige Wegeführung und der unregelmäßig angeordnete Bestand an Waldbäumen erzeugen eine spannungsreiche, reizvolle Gartengestaltung, die das Gebäude in den Garten und damit in die Landschaft einbindet.


248) Das Motiv der Frührenaissancehalle wiederholt sich an der Atrium-Nordseite, hinter der bemerkenswerterweise nur die Wirtschaftsräume liegen. Nur an dieser zum Bauwich sich öffnenden Seite ist die Symmetrie aufgebrochen, ist die Fassade von spröder Zweckdienlichkeit bestimmt. Von den Gesellschaftsräumen hebt sich der Südsaal, im Äußeren durch Fenster mit bossierten Rahmungen betont, ab. Lit.: Wilhelm von Bode, Alfred Breslauer, S. 21 f., Taf. 1-7; Moderne Bauformen (21) 1922, S. 162f.; BusB IV C (vgl. Anm. 113), S. 83, Obj. 1571.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite Obj. 1571
  • Bode, Alfred Breslauer / Seite 21f.
  • Moderne Bauformen 21 (1922) / Seite 162f.
  • Topographie Wilmersdorf/Grunewald, 1993 / Seite 134f.